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Unter uns Mit der Vier durch den Straßenverkehr
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Lehrt das Fahren mit der Vier: Walter Ißmer hat ein Lehrbuch für Fahrschüler geschrieben.
Lehrt das Fahren mit der Vier: Walter Ißmer hat ein Lehrbuch für Fahrschüler geschrieben. Quelle: Beuermann
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Als Walter Ißmer, geboren 1946 in Northeim, mit 18 Jahren seine Führerscheinprüfung ablegte, hatte er es einfacher als Prüflinge von heute: „Es war wenig los auf den Straßen in Göttingen“, erzählt der 59-Jährige. Heute gehe es viel turbulenter zu, erst recht in der Stadt Hannover, wo Ißmer Führerscheinanwärter unterrichtet: „Das ist wegen des Verkehrsaufkommens noch etwas anspruchsvoller als Göttingen.“ Es sei eine Menge, was heutzutage gleichzeitig auf Neulinge hereinbreche: Sie müssten lernen, das Fahrzeug zu beherrschen und sich auf zwei oder vier Rädern sicher durch die überfüllten Straßen zu bewegen.

Ißmer selbst, ursprünglich gelernter Postbeamter, machte seine Fahrlehrerausbildung bei der Bundeswehr. Als er das Militär zwölf Jahre später verließ und seinen Beruf im zivilen Leben zunächst in Northeim, dann in Hannover ausübte, entdeckte er in der Praxis eine Lücke: „Es gibt kein Lehrbuch, durch das ein Fahrschüler lernt, wie er sich hinter dem Steuer zu verhalten hat.“

Beim Versuch, diese Lücke zu füllen, stieß er auf ein System. Während der Fahrausbildung ließ er seine Schüler immer wieder am Fahrbahnrand anhalten, um ihnen Verkehrssituationen mit Skizzen zu veranschaulichen. „Und dabei habe ich festgestellt, dass das, was ich aufzeichne, immer wieder das gleiche ist und von Tätigkeiten handelt, die sich oft wiederholen.“

Die Zahl Vier spielte in den Notizen eine große Rolle, fand Ißmer beim Aufschreiben heraus. So formulierte er etwa vier Grundregeln des Fahrens: Absichern, Einordnen, Geschwindigkeit wählen, Vorfahrt beachten. Und die Grundregeln teilte er wiederum in je vier Komponenten auf. Das „Absichern“ für den Abbiegeprozess etwa verlangt Blicke in den Innenspiegel, den Außenspiegel, über die Schulter und darüber hinaus noch die Betätigung des Blinkers.

Lernen mit System

In seinem Buch „Auto fahren lernen mit System“ macht Ißmer die Fahrschüler mit den Sicherheitsanforderungen und Regelungen im Straßenverkehr vertraut. Er fotografierte Kreuzungen und Verkehrssituationen in Hannover, Northeim und Göttingen. Von Problem zu Problem entwickelte der Göttinger eine Systematik des Verhaltens, die sich, so verspricht er, jedem erschließe, der das im Selbstverlag herausgegebene Buch (ISBN 3-00-015301-2, 19,90 Euro) 14 Tage lang vor dem Fahrunterricht von einem Beifahrersitz aus durcharbeite. „Die meisten Fahrstunden braucht ein Schüler eigentlich, um die Funktionen des Autos zu erlernen.“ Das werde ihm leichter fallen, wenn er schon vorher die Regeln des Straßenverkehrs beherrsche. Skizzen, bei deren Erstellung die Polizei half, ergänzen die Fotografien. Ein Jahr lang schrieb Ißmer unermüdlich in seiner Freizeit an dem Buch. Das Ergebnis ist ein „Einmalvier des Fahrens“ und sein ganzer Stolz, „mein Lebenswerk“.

Abgeschlossen hat er die Arbeit mit Herausgabe des Lehrbuches für Fahrschüler noch nicht. Er möchte das Werk auch in anderen Sprachen und Ländern herausbringen, weil er fest an die Übertragbarkeit seines Systems glaubt: „Die Grundregeln sind fast überall gleich.“ Auch Schulkindern möchte er das System nahe bringen. Und schließlich träumt er von einer Verfilmung des Stoffes – mit finanzieller Unterstützung des Landes Niedersachsen. Den Ministerpräsidenten hat er vor einiger Zeit bereits angeschrieben.

Von Katharina Klocke

Folge vom 7. Oktober 2005