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Unter uns Pipelines, Plattformen und Nabucco in Rumänien
Thema Specials Unter uns Pipelines, Plattformen und Nabucco in Rumänien
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Von Göttingen nach Rumänien und zwischendurch auch mal zurück: Werner Rettberg.
Von Göttingen nach Rumänien und zwischendurch auch mal zurück: Werner Rettberg. Quelle: Hinzmann
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Etwas machen, was nicht jeder macht“: Das war es, was Rettberg nach dem Studium vorhatte. Und das hat er geschafft. Von Herberhausen nach Ploiesti, vom Ingenieur im mittelständischen Unternehmen der Eltern zum Technischen Leiter für Pipelinebau in Rumänien. Für die deutsche Firma PPS Pipeline Systems ist der 35-Jährige seit einem Jahr in Südosteuropa unterwegs.

Warum solch ein Job, wenn man auch zu Hause als Bauingenieur arbeiten kann? „Ich habe das Besondere gesucht, den Kick“, sagt er. „Ich glaube nicht, dass ich solch eine Herausforderung in Göttingen gefunden hätte.“ Interesse am Pipelinebau hatte er schon länger. Die Doppelausbildung als Bauingenieur und Schweißfachingenieur hat er in der Tasche, als er sich im vergangenen Jahr bei PPS in Quakenbrück vorstellt – eine Firma, die mit vielen internationalen Energiekonzernen zusammen arbeitet. „Ich wusste damals nicht, wohin es geht“, sagt er. „Als ich die Leitung in Rumänien bekommen sollte, dachte ich nur, ist Mallorca noch frei?“, lacht er heute.

Im Mai bekommt er den Job, im September geht es los. Mit den üblichen mitteleuropäischen Vorstellungen im Kopf bricht Rettberg nach Rumänien auf. Eine der Fragen: „Was packe ich ein?“. Natürlich die Business-Anzüge. Und ein paar ältere Klamotten, wer weiß, wie es in Rumänien ist. „Die alten Klamotten habe ich gleich weggeworfen“, sagt er. Genauso wie die alten Vorstellungen im Kopf. Noch nach vielen Monaten Arbeit in Rumänien sagt er: „Jeder Tag ist eine Überraschung.“ Der 35-Jährige fühlt sich dort wohl und weiß, welchen Fehler man als Deutscher lieber nicht macht. „Diese was-kostet-die-Welt-Mentalität sollte man vermeiden.“

Englisch und Rumänisch

Rettbergs Hauptsitz ist in der mittelgroßen Industriestadt Ploiesti. Seine Mitarbeiter: „Zu 90 Prozent Rumänen“. Nicht nur auf den Baustellen, die Rettberg regelmäßig besucht, auch im Büro. „Die Geschäftssprache ist Englisch, im Büro sprechen einige Deutsch“, sagt Rettberg, der auch Rumänisch lernt und spricht. Als technischer Leiter ist er für sämtliche Firmen-Projekte in Rumänien zuständig, verhandelt mit Regierungen und globalen Konzernen. Die Facharbeiter, die die Pipelinerohre zusammenschweißen, werden in Deutschland geschult, einige verdienen mehr als ein Oberarzt. Machen sie einen Fehler, oder steht die Produktion in einer Raffinerie nur einen Tag still, kostet das bis zu drei Millionen Euro – am Tag.

Zwei Tage Büro, drei Tage unterwegs auf den Baustellen, so arbeitet Rettberg in Rumänien. Nach der Sanierung des nationalen Gasnetzes ist jetzt die Sanierung einer Öl-Plattform im Schwarzen Meer ein Auftrag. Wenn man in so kurzer Zeit so viel geschafft hat, was kommt danach? „Das Nabucco-Projekt“, freut sich der Fachmann. Nabucco, das ist eine neue Erdgaspipeline, die von der Türkei nach Österreich – via Rumänien – gebaut werden soll. In Rumänien baut die PPS für das internationale Konsortium. „Es ist ein schönes Gefühl, daran beteiligt zu sein“, sagt er. Den Kontakt nach Göttingen hält Rettberg dennoch. Regelmäßig fliegt er in die alte Heimat – auch zum Schützenfest. „Im Ausland verzichtet man schon auf Einiges“, räumt er ein. Auf was? „Vor allem auf Freunde und Familie“, sagt der Single. Und den nächsten Urlaub verbringt er ganz entspannt: Zwei Wochen auf einem Kreuzfahrtschiff. Auch wenn es in Rumänien internationale und gute Restaurants gibt: Ein Besuch im Gasthaus Lockemann oder beim Lieblingsitaliener Adria lässt er nur selten aus. Aber: Jedesmal müsse er sich erst wieder ein wenig „einpendeln“ zwischen Rumänien und Deutschland. Auch auf der Straße. Rettberg: „Ich fahre eher rumänisch Auto.“

Von Britta Bielefeld

Folge vom 2. September 2005