Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Unter uns Puppenspieler Altenhof setzt auf Knalleffekte
Thema Specials Unter uns Puppenspieler Altenhof setzt auf Knalleffekte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Alles nur Theater: Arnd Altenhof mit Gretel und der bösen Hexe vor seiner Bühne.
Alles nur Theater: Arnd Altenhof mit Gretel und der bösen Hexe vor seiner Bühne. Quelle: Caspar
Anzeige

Der dreijährige Geburtstag eines Kindes ist etwas ganz besonderes. Es erlebt ihn das erste Mal bewusst mit“, hat Arnd Altenhof beobachtet. Der Bovender, der in Göttingen auf dem Egelsberg aufwuchs, erinnert sich noch gut an den dritten Geburtstag der eigenen Tochter im Jahr 1981. Damals schenkte er ihr ein Kasperletheater. Die kleinen Gäste der Feier verlangten prompt, dass er ihnen etwas vorspielt.

„Das traf mich völlig unvorbereitet“, erinnert sich Altenhof. Er improvisierte. Weil es den Kindern gut gefiel, trat er bald auch im Kindergarten auf. Mütter baten ihn daraufhin, zu Geburtstagen zu kommen. Als er eigens für das Altstadtfest eine größere Bühne baute, stiftete ihm die Albanischule 20 kleine Stühle.

Altenhof hat das Konzept seiner Auftritte im Laufe der Jahre kontinuierlich verbessert. Gleich zu Beginn eines jeden Stücks versucht er mit Knalleffekten die Aufmerksamkeit der kleinen Zuschauer zu erlangen. „Ich lasse zum Beispiel den Pappmaché-Hund ins Publikum pinkeln“, erläutert der Puppenspieler.

Gezielt spricht Altenhof die Emotionen der Kinder an. Bei Hänsel und Gretel zieht die Hexe den ganzen Hass der Kleinen auf sich. „Wenn die böse Frau am Ende im Backofen landet, herrscht Hochstimmung. Das hat nichts mit Sadismus zu tun. Kinder brauchen die klare Unterscheidung von Gut und Böse“, meint der 60-Jährige.

Die Zeit steht still

„In Märchen lernen die Kleinen eine andere Wirklichkeit als die bittere Rationalität der Erwachsenen kennen“, sagt der Puppenspieler. Im Märchen sprechen die Tiere. Die Zeit steht still. Es gibt noch Prinzessinnen, Burgen und Postkutschen. Manchmal lässt Altenhof die moderne Welt auf der Puppenbühne Einzug halten. Dann schickt der in einen Menschen zurückverwandelte Froschkönig keinen Herold zu seinem Vater, sondern ruft ihn an. Weil er so lange Frosch war, lässt er sich von den Kindern erklären, wie das mit dem Telefonhörer und den Tasten geht. „Ich beziehe die Kinder ein, statt frontal vom Katheter herab zu spielen“, führt Altenhof aus.

Der Puppenspieler, der gerne Lehrer geworden wäre, baut in seine Stücke kleine Lerneinheiten ein. Er warnt zum Beispiel vor dem giftigen Fliegenpilz. Dann lässt er eine der Puppen beim Pilzepflücken gedankenverloren die Hand nach einem Fliegenpilz ausstrecken. Kinder schreien entsetzt auf. Beim Märchen Rumpelstilzchen dürfen die Kleinen der Müllerstochter den Namen des Kobolds vorsagen. Doch die versteht immer nur „Schrumpelpilzchen“. „Da seht ihr, wie wichtig es ist, sich morgens die Ohren zu waschen“, mahnt Altenhof dann.

Der Puppenspieler baut sich seine aufwändigen Kulissen selbst. Die Figuren fertigt er aus Schaumstoff. Reißzwecken dienen als Augen. Er zeigt Stücke der Brüder Grimm und von Wilhelm Busch. Altenhof tritt auch vor Erwachsenen auf. „Die Liebe zum Puppenspiel ist vielleicht genetisch bedingt“, meint Altenhof. Sein Großvater, ein Buchbinder aus Bovenden, baute in der Freizeit für die vielen Mädchen in der Verwandtschaft Puppenhäuser. Der kleine Arnd durfte zuschauen. Ein Foto zeigt ihn, wie er mit acht Jahren ganz versonnen mit den Häusern spielte.

Von Michael Caspar

Folge vom 20. Oktober 2005