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Unter uns Schnäppchenjäger auf dem Rad
Thema Specials Unter uns Schnäppchenjäger auf dem Rad
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Für jedes Wetter gerüstet: Dieter Claus.
Für jedes Wetter gerüstet: Dieter Claus. Quelle: BB
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Er fährt zum Einkaufen, er fährt zu Freunden, er fährt zur Chorprobe und zur Kirchenvorstandssitzung. Wenn er Zeit hat, fährt er spazieren. 5000 Kilometer im Jahr bringt Dieter Claus auf all diesen Wegen zusammen. Doch sein Auto ruht, Dieter Claus fährt Fahrrad. Während der 69-Jährige im vergangenen Sommer noch 365 Kilometer motorisiert zurücklegte, stand sein Auto nach dem Reifenwechsel bis Januar still.

Kaum ein Weg ist Claus auf seinen zwei Rädern zu viel. „Ich bin Schnäppchenjäger“, gesteht er triumphierend. So fährt er nach Göttingen, von Supermarkt zu Supermarkt, um das günstigste Gänseschmalz zum Harzer Käse einzukaufen. Wenn er spazieren fährt, wählt er nicht immer leicht befahrbare Straßen. Kaum ein Feldweg ist ihm zu unbequem, kaum ein Pfad für ihn unpassierbar. So hat er für seine unterschiedlichen Touren auch zwei Fahrräder – vom Discounter. Mit Sieben-Gang-Naben-Schaltung durchstreift er das Gelände, für die Straße ist das Rad mit der 24-Gang-Kettenschaltung.

Schon als Schüler ist Claus viel Rad gefahren, hat seinen Schulweg per Zweirad bewältigt. Mit dem Fahrgeld, dass ihm die Eltern gaben, hat er sein Taschengeld aufgebessert. Kurz vor dem Abi hat der so Durchtrainierte mit seinem Cousin eine Radtour von Hannover bis zum Bodensee unternommen. Noch heute fliegt ein Lächeln über sein Gesicht, wenn er von seiner Touren-Liebe Uschi berichtet. Mit ihr im Arm habe er 1954 das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft von einer Brücke mit Blick in fremde Wohnzimmer verfolgt.

Nicht überall ist der drahtige Mann geradelt. „Als Fußgänger bin ich genauso verrückt“ gesteht er. Den Beweis dafür erbrachte der Bibeltreue bei der Fahrt der Hardegser Mauritius-Gemeinde zur Glockengießerei Bachert in Karlsruhe, wo die vierte Glocke für das historisch wertvolle Geläut der St. Mauritiuskirche gegossen wurde. Während die Reisegruppe eine Viertelstunde Straßenbahn fuhr, ist Claus zur Gießerei gelaufen.

Erst Afrika, dann Hardegsen

25 Jahre seines Lebens hat er in Südafrika verbracht. Wegen der Bürgerkriege sei das Radfahren dort zu gefährlich gewesen. Wieder in Deutschland, zunächst in Moringen gelandet, hat der nicht allzu große Herr sein erstes Fahrrad geliehen. Auch aus gesundheitlichen Gründen begann er, die meisten Wege auf dem Zweirad zu machen. 20 Kilo seines Körpergewichtes hat er auf diesen Wegen verloren. Eine Herausforderung ist für ihn nach jeder Tour der Heimweg, in sein Hardegser Domizil am Gladeberg: 150 Höhenmeter gilt es zu bezwingen. Doch wenn die Einkaufstaschen zu voll sind, gilt: Absteigen erlaubt.

Von Ute Lawrenz

Folge vom 11. April 2006