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Unter uns Vom Script-Girl zur Rundfunk-Spezialistin
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Lange Zeit hat Helga Pfeiffer den Seniorenfunk des Stadtradios federführend gestaltet. Die Pause danach blieb kurz: „Nach acht Jahren“, meint die 79-Jährige, „ist man leer, da muss was Neues kommen.“ Ihre Idee: statt einer Mixtur aus Musik und Information für Menschen in ihrem sechsten Lebensjahrzehnt jetzt eine mehr unterhaltendere statt informierende Sendung für Ältere.

„Spätlese“ heißt das Ergebnis ihrer Überlegungen. 70- bis 90-jährige Zuhörer sollen sich für die Sendung interessieren, die viel nostalgische Musik präsentiert. Die Routine aus acht Jahren Seniorenfunk, im November des vergangenen Jahres eingestellt, kommt ihr dabei ebenso zugute wie die Erfahrungen aus ihrem früheren Berufsleben. Immer bereit, etwas Neues auszuprobieren, sei sie gewesen: „Überall mal geguckt, aber nicht unbedingt eine gerade Linie.“ Einige Stationen: die Stadtbibliothek, später Fabriken, dann nach einer professionellen Sprechausbildung auch Script-Girl für Kulturfilme und Kontakte zur damals florierenden Göttinger Filmszene: „Ich sollte Cutterin werden, wollte aber lieber bei meinen Texten bleiben.“

Nach ihrer Eheschließung verließ sie Göttingen für einige Zeit. Als Jäger hatte sich ihr Ehemann unter anderem um den Reinhardswald zu kümmern – anfangs nicht immer zur Freude seiner Gattin. „Als das erste Reh umfiel“, erinnert sich Pfeiffer, „habe ich einen ordentlichen Schreck gekriegt, aber man gewöhnt sich an alles.“

Pfeiffer im Film

Nach dem Tod ihres Ehemannes zog es sie zurück nach Göttingen. Einem ruhigen Rentnerinnen-Dasein zog sie die Arbeit am Seniorenfunk vor. Dass sich Helga Pfeiffer vor einem Mikrofon nicht gerade unwohl fühlt, hat sie nicht nur beim Stadtradio bewiesen. Im vergangenen Jahr wurde sie einer größeren Öffentlichkeit auf der Leinwand und auf dem Bildschirm bekannt, als sie im Tageblatt-Film „1945 – Kriegsende in Göttingen“ als Zeitzeugin von ihren Erlebnissen beim Einmarsch der US-amerikanischen Truppen berichtete. Wie üblich plastisch und lebendig schildert sie dort unter anderem, wie sie mit vielen anderen im Keller hockte und angstvoll die Amerikaner erwartete.

Die jetzige „Spätlese“ im Stadtradio (Donnerstags 16 Uhr, Wiederholung Sonntags, 15 Uhr) will Pfeiffer mit ihrem Kollegen Manfred Blänkner noch einige Jahre lang gestalten und betreuen. Für das Programm sucht sie noch Mitstreiter im Seniorenalter: Interessenten können sich unter Telefon 0551/ 4252-0 melden.

Von Matthias Heinzel

Folge vom 27. Juli 2006