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Wätzolds Woche Frohes
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22:08 11.01.2019
Göttinger Knabenchor singt Barbaras „Göttingen“. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Als zu Beginn des städtischen Neujahrsempfangs der Göttinger Knabenchor auftrat und begann Barbaras „Göttingen“ zu singen, schwante mir Schlimmes, denn wie bitte sollen 45 männliche Kehlen dieses zarte und anrührende Lied darbringen, ohne es dabei zu zersingen? Ich wurde dann aber äußerst positiv überrascht und war vom Ergebnis echt begeistert. Chapeau, ihr Knaben!

Da der Mensch Veränderungen ja erstmal skeptisch begegnet, befürchtete ich, dass die Stimmung diesmal weniger ausgelassen wäre als in den letzten Jahren, denn der Empfang fand ja nicht wie sonst in der Stadt-, sondern in der Lokhalle statt. Stimmte aber gar nicht; Freibier und Schnittchen für umme schmecken einfach überall gut und sorgten für dementsprechende Laune.

Auch der Rede unseres Oberbürgermeisters konnte ich fast durchgehend zustimmen, vor allem dem Punkt, dass Eigentum gerade in Zeiten eklatanten Wohnraummangels verpflichte. Darum bin ich nun sehr gespannt, wozu sich in 2019 die Stadt in Sachen „Gefängnis“ verpflichtet fühlt, denn das historische Gebäude am Waageplatz ist ja schon seit 2008 ungenutzt in städtischem Besitz.

Lars Wätzold Quelle: Christina Hinzmann

Das beherrschende Thema in meinen Gesprächsrunden bestand in der Frage, wie man sich eigentlich angemessen ein gutes neues Jahr wünscht. Ausgelöst hat die Diskussion Fritz Güntzler, dem - als wir gerade im Gespräch waren - mehrfach von Vorbeiströmenden ein „frohes Neues“ gewünscht wurde. Diese Redundanz missfiel ihm und er meinte, es müsse doch eigentlich genug Zeit sein, ein „frohes neues Jahr“ zu wünschen. In wenigen Jahren, so seine augenzwinkernde Befürchtung, werden wir lediglich „Frohes“ sagen und uns bald darauf nur noch zunicken. Später sagte mir Inge Mathes vom Deutschen Theater, dass sie in dem Zusammenhang das Wort „frohes“ deplaziert findet, das gehöre doch eigentlich zum Weihnachtsgruß.

Es wäre doch viel angebrachter, sich ein glückliches, gesundes oder schlicht gutes neues Jahr zu wünschen. Als die Besucherzahl gegen 23 Uhr schon etwas ausgedünnt war, stieß Gerd Litfin zu unserer Runde hinzu, der zu Beginn des Abends noch den Initiativpreis seiner Stiftung überreicht hatte. Doch noch bevor ich ihn zu seiner Meinung bezüglich eines gelungenes Neujahrswunsches befragen konnte, begrüßte er mich schon von weitem mit den Worten: „Herr Wätzold, was schreiben Sie da eigentlich immer für einen Mist?“ Doch als ich noch dabei war, diesen verbalen Leberhaken wegzustecken, gab er dem neben mir stehenden Tadashi Endo die Hand und sagte „Guten Tag, Herr Butoh.“ Und da musste ich dann doch anerkennen, dass das aber mal ein echt amtlicher Neujahrsgruß war.

Den Autor erreichen Sie unter redaktion@goetttinger-tageblatt.de.

Von Lars Wätzold

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