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Wätzolds Woche Kulturelle Errungenschaften
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21:43 08.03.2019
Lars Wätzold Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Als ich den Bericht zum Delegiertentag der Schützenvereine des Landkreises las, kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus, denn ich wusste ja gar nicht, was wir den Schützen alles verdanken. Darüber klärte der Rosdorfer Bürgermeister Sören Steinberg in seinem Grußwort auf. Darin bezeichnete er die Schützen nämlich als „tragende Säule der Gesellschaft“, was ja nichts anderes heißt, als dass unsere Gesellschaft ohne Schützen zusammenbrechen würden.

Das war mir neu. Bisher dachte ich immer, Schießen wäre ein Vereinshobby wie viele andere, das von Leuten betrieben wird, von denen manche einen eigenartigen Humor haben. Beim letzten Schützenumzug sammelte meine Tochter nämlich Bonbons mit der Aufschrift „Menthol extra strong“ auf. Auch Kreisrat Marcel Riethig war voll des Lobes für die Schützen und meinte, dass es zum Beispiel in den USA weniger Amokläufe gäbe, wenn dort der Umgang mit Waffen so verantwortungsvoll wäre wie bei den deutschen Schützen. Noch am selben Tag las ich dann online einen Bericht zum anstehenden zehnten Jahrestag des Amoklaufes von Winnenden, bei dem der Attentäter die Sportwaffe seines Vaters benutzte. Und ein weiterer – mir in dem Zusammenhang von Google angebotener – Klick bei Wikipedia informierte mich darüber, dass der Schul-Amokläufer von Erfurt 2002 Mitglied eines Schützenvereins war.

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Nicht falsch verstehen: Selbstverständlich führt die Mitgliedschaft in einem Schützenverein nicht zum wahllosen Schusswaffengebrauch, und ich denke, dass ehrenamtliche Vereinsarbeit grundsätzlich gut und wichtig ist; außerdem gönne ich den Landkreisschützen einen tollen Delegiertentag. Aber man sollte das Schützenhaus dann doch im Dorf lassen und nicht so tun, als könne am deutschen Schützenwesen die Welt genesen.

Diese Woche war eine weitere kulturelle Errungenschaft Stadtthema, nämlich das Zähneputzen. Denn darüber wird an Göttinger Kitas diskutiert, weil immer mehr Einrichtungen aufs Beißerschrubben nach dem Mittagessen verzichten, während andere daran festhalten. Dabei führen sowohl Befürworter als auch Gegner hygienische Gründe an. Die Nichtputzenden sagen, dass die Kinder ihre Bürsten untereinander tauschen und sie auch schon mal „unbedarft mit ins Klo nehmen“, während die Putzbefürworter hoffen, dass die Kinder das Putz-Ritual durch die tägliche Praxis in der Kita in ihren Alltag übernehmen würden, zumal das Putzen in der Kita für manche das einzige Mal sei.

Ich denke, als Diskussionsergebnis kann man festhalten: Besser einmal am Tag die Zähne mit der Klobürste putzen als gar nicht. Lars Wätzold

Von Lars Wätzold