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Wätzolds Woche Zwei Fotos für den Analog-Influencer
Thema Specials Wätzolds Woche Zwei Fotos für den Analog-Influencer
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19:51 23.02.2019
Wätzold enttäuscht: „Und wie war die Resonanz? Ganze zwei Briefe habe ich erhalten. Zwei, das muss man sich mal vorstellen!“ Quelle: dpa
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Göttingen

Leute, ich bin enttäuscht. Zutiefst enttäuscht. Wie Sie sich erinnern, habe ich vor drei Wochen an dieser Stelle meine Tätigkeit als Analog-Influencer aufgenommen und meine Leserschaft ermuntert, einen frankierten Rückumschlag ans Tageblatt zu schicken, um von mir wiederum ein Foto zugeschickt zu bekommen, auf dem ich beim ästhetischen Verzehr regionaler Spezialitäten zu sehen bin. So sollten Sie Halt und Orientierung bei Ihrem täglichen Einkauf bekommen, denn es wird ja alles immer komplizierter. Mein Nutzen wiederum sollte darin bestehen, dass mir möglichst viele örtliche Händler und Produzenten ihre Waren kostenfrei zur Verfügung stellen und ich selbst quasi nichts mehr einkaufen muss.

Lars Wätzold Quelle: Peter Heller

Und wie war die Resonanz? Ganze zwei Briefe habe ich erhalten. Zwei, das muss man sich mal vorstellen! Aber die beiden erhalten selbstverständlich wie besprochen ganz exklusiv ein entsprechendes Foto – allerdings kann das etwas dauern. Denn in Erwartung einer Flut von Zuschriften, habe ich einen neuen Film in meine Ritsch-Ratsch-Kamera von 1986 eingelegt und der muss ja erstmal voll werden. Ich lasse den doch nicht wegen zwei Fotos entwickeln. Und ein Analog-Influencer kann ja nun schlecht Fotos vom Handy verschicken. Von welchem Handy auch? Aber ich bin zuversichtlich, dass es nach dem Ende unseres Familienurlaubs in den Sommerferien so weit ist. Und Vorfreude ist ja bekanntlich auch die schönste aller Freuden.

Und welche Resonanz kam von den Händlern? Gar keine! Kein Warenkorb, keine Einladung zum Umtrunk, kein Gutschein, nix. Bitte, dann will ich aber jetzt von den Göttinger Einzelhändlern auch kein Genöle mehr hören, weil ihr Umsatz sinkt, wenn sie die großartigen Chancen dieses Joint Ventures nicht erkennen. Auf jeden Fall bleibt mir nun nichts anderes übrig, als meine kurze Laufbahn als Analog-Influencer hiermit schon wieder als beendet zu erklären.

Nun sollte das Ganze ja eine Säule meiner Altersabsicherung werden, aber glücklicherweise wurde zwischenzeitlich die Respektrente angekündigt; und Respekt habe ich ja wohl verdient, schließlich erziehe ich zwei Kinder zu karrieregeilen Steuerzahlern und wer kann das heutzutage schon von sich sagen. Also bin ich jetzt mal ganz entspannt, denn auf 35 Jahre Beitragszahlung komme ich zum Rentenbeginn locker, wenn Zivildienst und Bummelstudium mitzählen.

Von Lars Wätzold

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