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Wätzolds Woche Tipps für Daheimgebliebene
Thema Specials Wätzolds Woche Tipps für Daheimgebliebene
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00:17 03.07.2017
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Göttingen

Deshalb las ich am Mittwoch begeistert das Thema des TagesGöttingen in 30 Fragen“, erwartete ich mir davon doch die eine oder andere Anregung zur Freizeitgestaltung. Und tatsächlich war ich schwer begeistert, dass wir laut Frage 16 „Europas zweitschönste Faultüme“ bei uns haben.

Wow, dachte ich, die zweitschönste in ganz Europa! Das wusste ich ja gar nicht. Die muss ich natürlich selber sehen und auch der Familie zeigen. Aber was ist eigentlich eine „Faultüme“? Ich googelte das Wort, worauf die Suchmaschine automatisch auf „Faultürme“ korrigierte. Und die gehören bekanntlich zur Kläranlage und verursachen den eigenwilligen Geruch, wenn man Göttingen in Richtung Furzheim verlässt. Ich erfuhr, dass in 2005 drei Millionen Menschen die Göttinger Türme bei einer „Ausscheidung im Internet“ (sic) auf den zweiten Platz wählten. Noch schöner waren nur die Türme in Halle. Ich selbst finde die allerdings ziemlich bekackt.

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Nun frage ich mich natürlich, warum das Stadtmarketing die Existenz dieser Türme seit zwölf Jahren geradezu totschweigt, statt mit diesem Pfund zu wuchern. Auf der Webseite des Touristikvereins wird alles Mögliche angepriesen, von den Vize-Europameister-Faultürmen ist aber keine Rede. Und auch in dem Marketingfilm „Göttingen - eine Stadt im Film“ kommen die Türme meines Wissens nicht vor, obwohl der Film ja wohl nicht ganz billig war. Dieses Verschweigen ist doch geradezu fahrlässig! Denn wir könnten Horden von Kläranlagen-Fans aus ganz Europa zu uns locken und ein völlig neues Merchandising-Feld ungeahnten Ausmaßes erschließen; schließlich wird einem doch heute überall der letzte Scheiß verkauft.

Die Leute könnten ja auch ihre eigenen Ausscheidungen mitbringen, bei uns faulen lassen, wieder mit nach Hause nehmen und damit angeben. Der Name unseres Städtchens wäre in aller Munde. Frau Daamen, handeln Sie! Ansonsten hat Göttingen derzeit dank der „Autonomen Blumenkinder“ eine wirklich einzigartige Sensation, die das Hierbleiben verschönert, nämlich Cannabis für jedermann auf öffentlichen Flächen. Und wenn man sich dann ein Pfeifchen genehmigt hat, machen einem die Wartezeiten in den zahlreichen Baustellen in und um Göttingen bestimmt gar nicht mehr sooo viel aus.

Von Lars Wätzold