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Wätzolds Woche Kolumne: Allianz der Ahnungslosen
Thema Specials Wätzolds Woche Kolumne: Allianz der Ahnungslosen
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08:00 30.11.2019
Eine der wenigen öffentliche Toiletten in Göttingen. Hier auf dem Gelände des ZOB in Göttingen. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Einstimmig beschloss der Stadtrat letzte Woche, dass bei den vier öffentlichen Toilettenanlagen, die demnächst für 616 000 Euro errichtet werden, Schmutz- und Regenwasser getrennt abzuleiten ist, was die Anlagen um 85 000 Euro verteuert. Doch nun wollen einige Ratsmitglieder ihren eigenen Beschluss revidieren, weil sie meinen, der Aufwand für je elf Quadratmeter Dachfläche und ein paar Liter Regenwasser lohne sich doch gar nicht. Wissen also einige Ratsmitglieder gar nicht, worüber sie abstimmen?

Wenn dem so ist und diese Causa jetzt tatsächlich noch mal verhandelt wird, dann sollte man aber auch andere Abstimmungen von weit größerer Tragweite wiederholen, weil zu befürchten ist, dass einige Ratsmitglieder gar nicht geschnallt haben, worum es eigentlich ging. Ich wäre jedenfalls sehr dafür, dann das Thema „Stadthalle“ noch mal ganz neu zu diskutieren. Vermutlich wird es aber gar nicht dazu kommen, weil die Satzung der Göttinger Entsorgungsbetriebe die Wassertrennung schlicht vorschreibt und was für Privathaushalte gilt, natürlich auch für die öffentliche Hand gelten muss, wie die Verwaltung nachvollziehbar argumentiert.

Großer Batzen ins Klo

Meine heimische Toilettenanlage misst schließlich noch nicht mal acht Quadratmeter und ich muss trotzdem diese Trennung vorweisen. Andererseits sind insgesamt 701 000 Euro Anschaffung plus 120 000 Euro jährlich für Wartung und Reinigung natürlich echt viel Geld und es ist verständlich, wenn Ratsmitglieder damit hadern, diesen großen Batzen im Klo zu versenken.

Lars Wätzold. Quelle: Christina Hinzmann

Deshalb schlage ich vor, dass bei der nächsten Ratssitzung folgender Antrag eingebracht wird: Die Verwaltung wird aufgefordert, statt der Toilettenhäuschen vier Toilettenwagen anzuschaffen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein Wagen muss Regenwasser nicht getrennt ableiten. Außerdem wären die Toiletten mobil, könnten also immer da sein, wo es gerade am meisten pressiert. So könnte ein Wagen im Hochsommer zum Beispiel mal an den Kiessee fahren, damit die Leute da nicht in die Büsche strullen; und beim traditionellen Schützenumzug, bei dem viele Teilnehmer ja am frühen Nachmittag bereits harntreibendem Bier zusprechen, könnte doch vorneweg ein Trecker mit festlich geschmücktem Toilettenwagen fahren und so den Druck aus der Veranstaltung nehmen.

Nun bin ich gespannt, welche Fraktion diese Anregung aufnimmt. Auf jeden Fall zeigt sich hier, dass wir Bürger eben doch für jeden Scheiß befragt werden sollten.

Sie erreichen den Autor per E-Mail an: redaktion@goettinger-tageblatt.de

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