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Wätzolds Woche Camping unerwünscht
Thema Specials Wätzolds Woche Camping unerwünscht
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16:00 17.05.2019
Camping am Seeburger See – für Tageblatt-Kolumnist Lars Wätzold nur schwer vorstellbar. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Voller Unverständnis habe ich den GT-Bericht über den Campingboom in unserer Region gelesen. Ungläubig rieb ich mir die Augen, als ich erfuhr, dass zwischen Harz und Weser offenbar fast alles dauerhaft ausgebucht ist und viele Plätze sogar ganzjährig geöffnet sind. Ich kann diesen Camping-Boom nämlich überhaupt nicht nachvollziehen, denn ich lehne Camping grundsätzlich und vehement ab. Es gibt ja auch nicht den geringsten Grund, in einem Zelt zu schlafen, schließlich sind feste Behausungen eine der größten Errungenschaften menschlicher Zivilisation. Sie sind Trutzburg gegen zu frühes Licht, ungebetene Witterung und vor allem gegen Nachbarn, die sich ja auf einem Zeltplatz direkt neben einem selbst befinden – nur durch zwei hauchdünne Stofflappen getrennt. Mich nerven ja zuhause schon diverse Mitmenschen, die sich in mehr als zwanzig Metern entfernten, gemauerten Unterkünften befinden. Und von denen höre ich, anders als auf einem Campingplatz, wenigstens keine Privatgeräusche die mich nämlich ebenso wenig angehen, wie andere Leute meine Privatgeräusche.

Einziger Lichtblick beim Campen ist, dass man da keine Engländer trifft, denn die benehmen sich lieber in Hotelanlagen daneben. Auf Campingplätzen trifft man dafür viele Holländer. Auf dem Platz in Seeburg sind die Stellplätze sogar zu satten 45 Prozent mit Holländern belegt. Tatsächlich eint viele Deutsche und Holländer ja die komplett unsinnige Freude, als Dauercamper in Wohnwagen zu hausen. Diese Camping-Nerds nutzen dann noch nicht mal den einzigen Vorteil des Campings, nämlich im Urlaub mobil zu sein. Stattdessen betreiben sie ihren Dauercamper-Quatsch mit einer geradezu pathologischen Inbrunst – mit Vorgarten, Zaun, Zwerg und allem Pipapo. Noch bräsiger als auf einem Campingplatz kann es eigentlich nur auf einem Florian-Silbereisen-Konzert zugehen.

Meine Familie allerdings liebt das Zelten. Allgegenwärtiger Dreck und das Fehlen sanitären Komforts wird von meinen drei Damen gern als Naturnähe und Freiheit idealisiert. Mich wollen sie dann aber glücklicherweise nur tagsüber dabei haben, denn ich schnarche so wie ein Bär. Deshalb schlafe ich dann in den tollsten Hotels bis in die Puppen und komme erst nach einem ausgiebigen Verweilen am üppigen Frühstücksbüffet völlig ausgeruht für einen Tagesausflug zu den Meinen. Wenn ich es mir recht überlege, ist Camping doch gar nicht so schlecht.

Sie erreichen den Auto per Mail an: redaktion@goettinger-tageblatt.de

Von Lars Wätzold

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