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Wätzolds Woche Das große Grabbeln
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06:00 26.10.2019
Aktivisten blockieren den Haupteingang des Alten Rathauses. Der ehemalige Bundesminister Thomas de Maizière (CDU) sollte im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes aus seinem Buch „Regieren“ lesen. Quelle: dpa
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Göttingen

Der Aufreger der Woche, der Göttingen immerhin mal wieder bundesweite Aufmerksamkeit beschert hat, war natürlich die Blockade des Alten Rathauses am Montag durch linke Demonstranten, die so dafür gesorgt haben, dass die Lesung des ehemaligen Innenministers Thomas de Maizière nicht stattfinden konnte. So weit, so dämlich.

Man muss ja nun wirklich keinen Thomas-de-Maizière-Starschnitt im Wohnzimmer hängen haben, doch was glaubten die Protestierer damit zu erreichen? Dass diejenigen, die die Lesung besuchen wollten, nun geläutert ihre Eintrittskarten in einem Anfall von Selbstkatharsis zerreißen und dabei zerknirscht „Wie konnte ich nur?!“ schreien? Dass am Göttinger Bahnhof demnächst „Stadt, in der Thomas de Maizière nicht vorlesen konnte“ steht? Beides wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht passieren.

Das einzige Ergebnis der Aktion besteht darin, dass derjenige, der als Täter geächtet werden sollte, nun als Opfer trillerpfeifender Anti-Demokraten dasteht; und zwar zu Recht. Und wenn Teile der Göttinger Linken mittlerweile bei einer vergleichsweise harmlosen Lesung schon so am Rad drehen, frage ich mich, welche Protestformen sie wählen, wenn demnächst gegen eine unliebsame Ratsentscheidung demonstriert wird. Explodiert dann das Gänseliesel? Gibt es Selbstverbrennungen auf dem Wilhelmsplatz?

Aber vielleicht ging es bei der Aktion ja noch um etwas ganz anderes, denn eine Randnotiz der Ereignisse vom Montag machte mich stutzig: Bei dem Versuch, ins Alte Rathaus zu gelangen, wurden dem Literaturherbst-Geschäftsführer Johannes-Peter Herberhold von den Demonstranten Sakko und Oberhemd zerrissen. Das spricht dafür, dass bei der Aktion neben der politischen noch eine weitere Dimension im Spiel war, nämlich eine seltsam-sexuelle.

Die Protestanten vom Montag bitte ich daher im Vorfeld weiterer Aktionen klarzustellen, ob sie diese Obsession nur an politischen Gegnern ausleben zu gedenken, oder ob es Ihnen egal ist, wen sie dabei in die Finger kriegen, dann kauf ich mir nämlich einen Neoprenanzug. Für den Göttinger Tourismus e.V. jedoch tut sich hier eventuell ein ganz neues Marketingfeld auf: Kurztrips für Auswärtige nach Göttingen anbieten, die darauf abfahren, sich von jungen Linksradikalen die Klamotten vom Leib reißen zu lassen.

Den Autor erreichen Sie per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de

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