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Wätzolds Woche Der Weise und der Tor
Thema Specials Wätzolds Woche Der Weise und der Tor
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06:00 07.12.2019
Protest der der Interessengemeinschaft Strabs-freies Walkenried am 28. November 2019 mit 70 Einwohnern aus dem Gemeindegebiet. Quelle: Berthold
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Göttingen

Die Weisheit der Woche kam vom Göttinger Stadtsprecher Dominik Kimyon, als er im Zuge der nicht enden wollenden Diskussion zum Thema „Straßenausbaubeiträge“ deren Erhebung verteidigte, weil sie ja „von jenen erhoben wird, die direkt vom Straßenausbau vor der eigenen Haustür profitieren.“

Zunächst hielt ich diese Aussage für abwegig, fast zynisch, denn schließlich werden Anwohner ja gar nicht gefragt, ob sie eine neue Straße haben wollen und außerdem wusste ich nicht, worin der Profit bestehen soll, wenn die Straße vor der eigenen Haustür anders ausgebaut wird. Doch man sollte nie pauschal von sich auf andere schließen; Kimyon hat nämlich völlig Recht und ich habe mich getäuscht. Denn Anfang der Woche fuhr ich durch die frisch ausgebaute Jakob-Henle-Straße und traute meinen Augen kaum: Nahezu alle Anwohner waren draußen und lachten, tanzten und feierten ihren neuen Straßenbelag.

Lauthals wurde die Verwaltung gepriesen, die sie überhaupt erst auf die Idee gebracht hatte, sich da einfach mal was Neues zu gönnen. Endlich ist man dort (gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit) nun nicht mehr gezwungen, auf einen trübgrauen Asphalt zu starren, sondern kann sich das Gemüt durch den Anblick des neuen, warmroten Belags aufhellen lassen. Noch nie habe ich so glückliche Menschen gesehen. Ein älterer Herr kam sogar lächelnd zu mir und legte mir eine Blumengirlande um den Hals. Jetzt bin ich natürlich auch ganz heiß darauf, dass unsere Straße neu ausgebaut wird und bin gern bereit, dafür einen Kredit im mittleren fünfstelligen Bereich aufzunehmen.

Lesen Sie auch: Protest wächst: Anwohner wollen nicht mehr für Straßensanierung zahlen

Die Torheit der Woche beging der Göttinger Buchhändler Joachim Stern. Nicht etwa, weil er auf dem von ihm gestalteten Büchertisch, im Rahmen der jährlichen Bücherstube in der Hermann-Nohl-Grundschule, den verblüfften Erstlesern die aktuelle Autobiografie von Hannes Waader anbot (was ja schon ziemlich schräg ist), sondern weil er auf meine Fünf-Euro-Wette einging, dass er an diesem Nachmittag kein Exemplar des Werks verkaufen würde. Selbstverständlich verkaufte er an diesem Nachmittag kein Exemplar des Werks, weshalb ich um fünf Euro reicher bin und er zwei Waaders wieder in die Theaterstraße schleppen musste.

Sie erreichen den Autor per E-Mail an: redaktion@goettinger-tageblatt.de

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