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Wätzolds Woche Göttinger Gigantomanie
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15:51 18.01.2019
Städtisches Museum am Ritterplan Quelle: Christina Hinzmann / GT
Göttingen

Heute geht es an dieser Stelle um ein ziemlich trauriges Thema, nämlich um das städtische Museum. Das fristet ja schon seit Jahren ein wirklich bemitleidenswertes Dasein, denn während in der Stadt, die Wissen schafft, die beiden Leuchtturmprojekte „Kunstquartier“ und „Forum Wissen“ mit Volldampf vorangetrieben werden, behandelt man das Museum wie die ungeliebte kleine Stieftochter und diese Formulierung ist sogar noch ein Euphemismus. Obwohl der fast 500 Jahre alte Gebäudekomplex marode vor sich hingammelt, sodass das Museum nur noch im Notbetrieb arbeiten kann, sind momentan ganze 18 000 Euro für die Instandhaltung im städtischen Haushalt eingestellt. Da fragt man sich doch, was mit diesem lächerlichen Betrag eigentlich instand gehalten wird. Die Stützbalken, die die Decken am Einsturz hindern? Worauf die Stadt mit diesem Verfall auf Raten spekuliert, bleibt ihr Geheimnis. Und wo dieses Nichtstun hinführt, kann man sich ein paar Meter weiter am Beispiel der Stockleffmühle anschauen.

Aber es gab ja in den letzten Jahren auch keinen nennenswerten politischen Druck, der die Stadt zum Handeln gezwungen hätte, obwohl der Rat für den jetzigen Standort gestimmt und auch ein Museumskonzept beschlossen hat. Nur die SPD, die sich ja derzeit offenbar generell im städtebaulichen Größenwahn befindet, fordert weiterhin einen Museumsneubau am Albaniplatz. Dabei hat das Museum an seinem Ort doch einen besonderen Reiz, ist das Gebäude selbst doch schon ein Exponat. Aber trotz dieses Ratsauftrages lässt die Verwaltung keinerlei Ambitionen erkennen, irgendein Konzept umzusetzen, mit dem man dann auch Landesgelder abrufen könnte. Und das obwohl das Museum mit seiner seit 1889 angelegten Sammlung eines der ältesten kultur- und stadtgeschichtlichen Museen Niedersachsens ist.

Deshalb ist der CDU ausdrücklich zu danken, dass sie das Thema im letzten Bauausschuss wieder auf die Tagesordnung gesetzt hat. Und man kann sie zu ihrer politischen List nur beglückwünschen, ihre ursprüngliche Forderung nach jährlichen 600 000 Euro für die Sanierung des Museums zu halbieren und das Geld zunächst nur für eine gründliche Untersuchung und einen Sanierungsplan zu fordern. Denn so konnte sich im Bauausschuss niemand mehr verweigern und wir dürfen sehr gespannt sein, welchen Weg der Antrag nun nimmt und ob unsere Verwaltung in punkto Museum nun endlich mal zu Potte kommt und irgendeine Idee entwickelt, denn das ist ja eigentlich ihr Job - und ein betriebsfähiges städtisches Museum eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Von Lars Wätzold

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