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Wätzolds Woche Bloß nicht impfen
Thema Specials Wätzolds Woche Bloß nicht impfen
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07:30 19.10.2019
Lars Wätzold blickt humoristisch auf die Geschehnisse der Woche. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Letzte Woche wurde ich von Unicef gebeten, für Masernimpfungen in Mosambik zu spenden. Nun hört man aber derzeit soviel Kritisches über’s Impfen, dass ich verunsichert war, ob man den Kindern in Mosambik damit wirklich einen Gefallen tut. Deshalb ging ich zur Veranstaltung „für eine freie Impfentscheidung“ am letzten Samstag auf den Hiroshimaplatz, um mich mal ganz objektiv zu informieren. Dort verteufelten die Redner eine Stunde lang jegliche Impfung, so dass ich Angst bekam; Angst um die Kinder in Mosambik, aber auch um meine eigenen Kinder und nicht zuletzt um mich selbst, denn wir sind gegen alles Mögliche geimpft. Ein Rednerin aber erzählte, ihr Sohn sei gar nicht geimpft und habe in sechs Jahren Realschule nicht einmal gefehlt. Also beschloss ich, mich und die meinen umgehend einer Ausleitung aller Impfstoffe zu unterziehen, denn diese ärztliche Aussage bedeutete ja, dass Ungeimpfte niemals krank werden. Den Gedanken, sie könnte auch bedeuten, dass man es ohne Impfung nicht aufs Gymnasium schafft, schob ich schnell beiseite. Denn hier war nicht der Ort für Querulanten, sondern für ein quasireligiöses Gruppenerlebnis und da wollte ich nicht abseits stehen. Ein Spontanredner betonte dann auch, dass ungeimpfte Kinder „besser wissen, wohin sie wollen und was für sie wichtig ist im Leben“. Und tatsächlich, als alle anwesenden ungeimpften Kinder auf die Treppe des Neuen Rathauses gebeten wurden, strahlten sie eine ungeheure Zielstrebigkeit aus und mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Schuld an meinem sinnlosen Rumgammeln in der Jugend war gar nicht das Kiffen, sondern die Tetanusspritze von 1980.

Zum Abschluss fragte ich am Infostand zur Sicherheit noch mal nach, ob ich denn nun für Mosambik spenden solle. Die Infostand-Frau riet mir entschieden ab, stattdessen solle ich mal lieber im Internet recherchieren, wer eigentlich hinter Unicef und der UNO an sich stecke. Sie wollte es mir nicht verraten, denn das sei so ungeheuerlich, ich würde ihr nicht glauben. Aufgewühlt begann ich nachzuforschen. Über dubiose Hintermänner und -frauen bei Unicef habe ich nichts gefunden, aber was anderes: Nächsten Samstag gehe ich zu einer Kundgebung, die sich gegen das Benutzen von Warentrennern an Supermarktkassen wendet. Mit den Dingern manipulieren Aldi und Co nämlich unsere Gehirne und zwingen uns, die Regale leerzukaufen.

Den Autor erreichen Sie per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de

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