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Wätzolds Woche Körperertüchtigung
Thema Specials Wätzolds Woche Körperertüchtigung
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15:01 06.09.2019
Quelle: Getty Images/iStockphoto
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Göttingen

Ich war diese Woche beim Sport. Das ist erwähnenswert, weil ich eigentlich nie zum Sport gehe. Aber mein Bauch hat nach zwei sommerlichen Schlemmerurlauben die Ausmaße einer Schwangerschaft im sechsten Monat erreicht; der Leidensdruck war also schlicht so groß, dass ich mich zur Konditionsgymnastik beim ASC eingefunden habe. Ich hatte ein bisschen Bammel, mich der Lächerlichkeit preiszugegeben, weil bei mir Dehnbarkeit und Kondition gefühlt auf Restniveau angekommen sind. Doch nach zehn Minuten in der Turnhalle strotze ich geradezu vor Stolz und Selbstbewusstsein, denn ich konnte locker mithalten und fühlte mich schon wie Jürgen Hingsen zu Beginn der Achtziger. Dann aber war das Aufwärmen vorbei und der Höllentrip begann.

Es ist ja schon erstaunlich, in welch entlegenen Regionen des menschlichen Körpers sich Muskeln befinden und geradezu rätselhaft, wozu er die eigentlich braucht. Und kaum wurde ich ihrer Existenz gewahr, fingen sie auch schon an wehzutun. Ich litt wie ein rumänischer Straßenhund und schon nach 20 Minuten klebte mein Blick mehr an der Hallenuhr, auf der die Minuten zu Tagen wurden, als an der Vorturnerin.

Ein anatomisch-konditionelles Wunder

Die war übrigens locker 10 Jahre älter als ich und ein anatomisch-konditionelles Wunder. Nie ermüdend streckte, rannte und verrenkte sie sich bizarr und verlangte von uns, es ihr gleichzutun. Wer nachließ oder gar pausierte, wurde lautstark wieder auf Linie – beziehungsweise Matte – gebracht. Vor 30 Jahren hatte ich den Kriegsdienst ja auch verweigert, um niemals diesem Tonfall ausgesetzt zu sein, doch nun fehlten mir Kraft und Traute, um dagegen aufzubegehren.

Nach einer guten halben Stunde Grundausbildung sagte sie dann: „Wir machen jetzt Bauch“. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet. Schließlich war ich ja gekommen, um etwas Bauch da zu lassen und nicht, um mit noch mehr nach Hause zu gehen. Doch schon eine Übung später war mir klar, dass ich das wohl falsch verstanden hatte, als ich nämlich völlig bewegungsunfähig auf der Matte klebte und hoffte, den Heimweg allein bewältigen zu können.

Der Muskelkater in den Tagen danach war unbeschreiblich und hält bis heute an. Jetzt bin ich unschlüssig, ob ich mich diesem Martyrium erneut aussetzen soll. Vielleicht gibt es ja auch Alternativen. Vorhin habe ich jedenfalls einfach mal ganz unverbindlich „Fett absaugen“ gegoogelt.

Sie erreichen den Auto per Mail an: redaktion@goettinger-tageblatt.de

Von Lars Wätzold

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