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Wätzolds Woche Offener Brief
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10:00 25.05.2019
Mikroplastik in Kosmetik: Muss das sein? Das fragt sich Tageblatt-Kolumnist Lars Wätzold. Quelle: dpa
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Göttingen

Lieber Thomas Oppermann, lieber Fritz Güntzler, gestern war wieder eine „Friday-for- Future“-Demo, an der auch meine Tochter teilgenommen hat. Gemeinsam haben wir überlegt, welche Maßnahmen die Politik eigentlich problemlos und zeitnah umsetzen könnte, um in Sachen Klima- und Artenschutz endlich mal zu Potte zu kommen. Dabei kamen wir auf das Thema Mikroplastik in Kosmetika, das sich ja nur deshalb darin befindet, weil es billiger ist als das eigentliche Produkt. Trotzdem gibt es bei uns überhaupt keine erkennbare Initiative, diesen Quatsch zu verbieten. Mikroplastik befindet sich mittlerweile in jedem Fließgewässer und wurde bereits in Mückenlarven nachgewiesen. Letzten Endes landet es im Meer und in uns und niemand weiß, was es da bewirkt. Wir finden es unverantwortlich, dass unsere Regierung nichts dagegen unternimmt.

Nun seid ihr zwar weder Minister, noch ausgewiesene Umweltpolitiker, aber als Mitglieder eurer Fraktionen unser Draht in die Regierung und Du, lieber Thomas, hast als Bundestagsvizepräsident sogar eines der höchsten Ämter unseres Staates inne. Und wir denken, wer heute im Bundestag sitzt und sich nicht dem Umweltschutz verpflichtet fühlt, der hat da eigentlich nichts verloren; findet ihr nicht auch? Außerdem stoßen ja auch andere MdBs Themen an, die mit ihrem Aufgabenbereich erst mal nichts zu tun haben, wie Carsten Linnemann, der als Wirtschaftspolitiker diese Woche ein Kopftuchverbot an Grundschulen forderte.

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Vielleicht gibt es ja auch irgendeinen Grund, der gegen ein Mikroplastikverbot in Kosmetika spricht – schließlich wird uns täglich gepredigt, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht gefährdet werden darf. Deshalb blockieren deutsche Minister auf EU-Ebene ja auch ein Glyphosatverbot und strengere Abgasregeln und missachten seit Jahren die Düngeverordnung.

Gibt es etwa berechtigte Interessen der plastikzerschreddernden Industrie, die wichtiger sind als die Gesundheit meiner Töchter? Oder hat der Defätismus in Sachen Umweltschutz in euren Fraktionen schon ein solches Ausmaß erreicht, dass sie die Zukunft unserer Kinder abgeschrieben haben? Oder welchen Grund hat es, dass dieser Irrsinn bei uns nicht umgehend beendet wird? Selbst die Engländer, die Lachnummer der EU, haben ein solches Verbot umgesetzt. Ich wünsche mir, dass ihr in nächster Zeit ständig auf das Thema angesprochen werdet, bis ihr es in eure Fraktionen tragt und dieser Wahnsinn endlich beendet wird. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in eurem Wahlkreis (ganz egal, wen er/sie gewählt hat) etwas dagegen hat, wenn ihr beide mit der „Göttinger Initiative gegen Mikroplastik“ so richtig durchstartet. Was meint ihr?

Sie erreichen den Autor per E-Mail an: redaktion@goettinger-tageblatt.de

Von Lars Wätzold

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