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Wätzolds Woche So schon mal gar nicht
Thema Specials Wätzolds Woche So schon mal gar nicht
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20:02 09.03.2018
Geplanter Möbelmarkt in Göttingen Grone.
Geplanter Möbelmarkt in Göttingen Grone.
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So lernte ich zumindest ein Mindestmaß diplomatischen Geschickes. Daran musste ich denken, als ich Dienstag im Tageblatt las, dass der Bono-Geschäftsleiter Axel Schwill sich gegen die Ansiedlung des Porta-Marktes aussprach, indem er polterte, dass in Göttingen „im Schützenzelt die Rahmenbedingungen für eine Baugenehmigung ausgehandelt werden“. Und tatsächlich konterte Verwaltungsmutti Detlef Johansson prompt, dass der Vorwurf „völliger Quatsch“ sei und „Ausdruck totaler Unkenntnis öffentlicher Planungsverfahren und demokratischer Entscheidungsprozesse“, was ja nichts anderes ist als Verwaltungssprech für „So schon mal gar nicht!“

Die Reaktionen der Politik fielen dagegen gemischt aus. Während SPD und Grüne den Angriff zurückweisen und der grüne Fraktionschef Rolf „So-schon-mal-gar-nicht“ Becker Verwaltung und OB sogar empfahl „passende Schritte zu prüfen“, meinte Dana Rotter von den Piraten, dass an dem Verdacht der Mauschelei durchaus was dran sein könnte und er „nicht einfach als Verschwörungstheorie abzutun“ sei. Aber die Göttinger Piraten leiden ja eh unter politischem Verfolgungswahn.

Mit ihrer Meinung dazwischen liegt Felicitas Oldenburg von der FDP; allerdings fabuliert sie dabei in so abstrusen Bildern, dass man meint, die von der FDP geforderte Cannabis-Legalisierung sei in Göttingen bereits vollzogen. Denn Oldenburg freut sich einerseits, „dass mit Porta ein vernünftiger Möbelmarkt kommt“ (wie kann ein Möbelmarkt vernunftbegabt sein?), andererseits prangert sie an dass „das überdimensionierte Nebensortiment eine einseitige Entscheidung eines kleinen Kreises Einäugiger war“.

Werden die Geschicke unseres Städtchens also von einer Zyklopen-Clique gelenkt? Immerhin ahnt man, was sie meint und sie teilt damit wohl die nachvollziehbare Kritik von Pro City. Die Vereinigung der Innenstadthändler brachte nämlich in einem offenen Brief an die Ratsmitglieder ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass speziell für diese Ansiedlung der Anteil des innenstadtrelevanten Sortiments mal locker verdreifacht wurde. Und tatsächlich habe ich für diese Ausnahmeregelung bisher auch noch keine nachvollziehbare Begründung gehört. Aber vielleicht gibt es die ja auch gar nicht. Vielleicht haben da einfach ein paar Einäugige im Schützenzelt ihre Köpfe zusammengesteckt und ….

Von Lars Wätzold