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Wätzolds Woche Verzählt
Thema Specials Wätzolds Woche Verzählt
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14:32 26.05.2017
Quelle: Archiv (Symbolbild)
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Im Februar wurde die Studie der Öffentlichkeit unter anderem von Pro-City präsentiert. Drei Monate später aber, kamen dem Pro-City-Vorstand Zweifel daran, dass es wirklich so viele Stellplätze sind. Also ging er los und zählte nach. (Schon toll, wofür so ein Vorstand alles Zeit hat.)
Und angesichts regelmäßiger Pro-City-Beschwerden über Parkplatzmangel, verwundert es nicht, dass das Zählergebnis ein ganz anderes, nämlich viel geringeres ist: schlappe 1920 Plätze nämlich und am Samstag 3105. Stellt sich also die Frage, wer es da mit dem Zählen nicht so hat, das Institut oder der Vorstand. Völlig abstrus wird es, wenn das IFH auf Nachfrage erklärt, dass die Zahl 5544 von den Auftraggebern der Studie und damit also von Pro-City selbst, genannt wurde. Warum haben die denn nicht einfach nachgezählt, bevor sie die Studie beauftragt haben? Die Stadt wiederum erklärt dazu, dass von 5400 Parkplätzen aus dem Innenstadtleitbild 2680 öffentliche übrig bleiben, wenn man Anwohnerplätze und private abzieht. Die Wahrheit liegt ja gern irgendwo dazwischen.
Ein weiteres Ergebnis der Studie besagt übrigens, dass der Anteil der Radfahrer am innerstädtischen Verkehr sagenhafte 29,4 Prozent beträgt und damit mehr als das Doppelte als bei vergleichbaren Städten. Was für ein tolles Ergebnis! Aber daraus zieht Pro-City keine erkennbaren Schlüsse; als ob Fahrradfahrer keine Kunden wären. Dabei könnte man ja auch mal über Verkehrskonzepte nachdenken, die dieses Pfund berücksichtigen und den Fahrradverkehr weiter begünstigen. Und man könnte sich ja auch mal grundsätzliche Gedanken darüber machen, wie man Autolärm und Abgase vermeidet und den Aufenthalt in der Innenstadt damit deutlich aufwertet. Und wenigstens könnte man ja mal über ausreichende und vernünftige Fahrradabstellplätze nachdenken.
Aber das geht natürlich nur, wenn man verkehrspolitisch nicht in den 60er Jahren stehen geblieben ist. Pro-City fordert nun als Konsequenz aus der eigenen Zählung allen Ernstes und ohne Scheiß den Neubau eines weiteres innerstädtischen Parkhauses. Die Herausforderungen der Zukunft meistert man mit diesem Horizont bestimmt nicht.