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Wätzolds Woche Die gute Tat
Thema Specials Wätzolds Woche Die gute Tat
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15:24 21.12.2018
Einen Fremden zum weihnachtlichen Entenbraten einladen? Quelle: Hinzmann
Göttingen

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten und das Fest der Feste verströmt bereits seinen Zauber, erwärmt unsere Herzen und stimmt uns milde gegenüber unseren Nächsten. Und das ist auch gut, schließlich driftet unsere Gesellschaft das ganze Jahr über auseinander und die Leute fallen im Internet übereinander her.

Auch ich bin vom Weihnachtsgeist beseelt und möchte Fremden Freude schenken. Zusätzlich angespornt werde ich dabei durch den Gemeindebrief der Kreuzkirche, denn dort wird im Grußwort dazu aufgefordert, sich im Alltag zu fragen: „What would Jesus do?“ (Warum man sich das auf Englisch fragen soll, wird allerdings nicht erklärt. Ich vermute, weil Jesus Kosmopolit war - zumindest mental. Denn auch der lauffreudigste Wanderprediger aus Nahost hat es vor 2000 Jahren wohl kaum bis ins Englischsprachige geschafft.)

Derart sensibilisiert las ich in der „Brigitte“, dem Fachjournal für Gutes-an-Weihnachten-tun, dass die Autorin jedes Jahr einen Fremden zum Essen einlädt. Die Idee fand ich klasse, bin aber dann doch wieder davon abgekommen, weil Göttingen ja bekanntlich eine Vegetarier-Hochburg ist. Und wenn ich erst stundenlang die Ente perfekt bräune, um dann einen Fleischverweigerer im Esszimmer sitzen zu haben, der vielleicht auch noch eine Loktase-Inkubitanz hat und deshalb nur mäkelig am Kohlrabi rumlutscht, könnte es sein, dass ich angesichts solchen Undanks entgleise und mich am heiligen Abend völlig unweihnachtlich gehen lasse und das will schließlich niemand.

Weitere Anregungen für die gute Weihnachtstag bekam ich von ganz unerwarteter Seite, nämlich aus dem Flyer der Ahmadi-Muslime, der Dienstag in der Innenstadt verteilt wurde. Die pflanzen nämlich Bäume, spenden Blut, putzen Straßen und und und. Außerdem leisten sie „den Regierenden unserer Nation Gehorsam“. Liebe Ahmadi-Muslime, ihr integriert euch wirklich toll, aber das muss ja nicht gleich bis zur Selbstaufgabe gehen - mein Ding ist das jedenfalls nicht.

Huch, nun sind es ja nur noch zwei Tage bis zur heiligen Nacht; da wird es in diesem Jahr wohl mal wieder nix mit der guten Tat. Dann möchte ich aber wenigstens allen Lesern ein frohes Fest wünschen, ganz egal ob ihr Erlöser der Messias ist, oder Mohammed, oder Marx.

Von Lars Wätzold

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