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00:19 02.07.2018
Gegen die Asphaltierung des Rad- und Fußweges zwischen der Jahnstraße und dem Freibad Brauweg in Göttingen regt sich Widerstand. Quelle: Brakemeier Michael
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Göttingen

Sie wollte gern weiterwandern, durfte jedoch nicht, weil die Lehrer nämlich angehalten sind, Kinder auch schon mit kleinen Wehwehchen nach Hause zu schicken. Grund dafür ist das hysterische Verhalten überempfindlicher Helikoptereltern. Denn die bestehen in vielen Schulen mittlerweile nicht mehr nur darauf, ihre Kinder mit dem Auto bis ins Klassenzimmer zu fahren, um zu verhindern, dass ihre Kleinen irgendwann mal ohne sie klarkommen, sondern drohen auf Elternabenden sogar ganz unverhohlen prophylaktisch damit, anwaltlich gegen Lehrer vorzugehen, falls ihrem Nachwuchs etwas passieren sollte, während er sich in schulischer Obhut befindet. Mittlerweile gefährdeten solche Eltern sogar die Durchführung von Klassenfahrten, erläuterte mir der Schulleiter, weil die Lehrer verunsichert seien und kein Risiko eingehen wollten. Wie bekloppt kann man eigentlich sein?!

Aber nun schreibe ich doch über etwas anderes, nämlich über einen aktuellen Vorgang, der so bemerkenswert ist, dass das Schulthema zurückstehen muss: Anwohner protestieren derzeit gegen und verhinderten sogar bereits die Ausführung der 30 000 Euro teuren Versiegelung des pittoresken Weges zwischen Jahnstraße und Eiswiese, die im Rahmen des Nahmobilitätskonzeptes für die Südstadt durchgeführt werden sollte – obwohl Radler ja einfach den parallel verlaufenden Brauweg benutzen können. Verwaltungssprecher Kimyon betont, dass das Konzept „mehrheitlich in einem demokratischen Verfahren beschlossen“ und mit großer Bürgerbeteiligung zustande gekommen sei. Und dann erklärt er tatsächlich, dass man derzeit prüfe, den Anwohnern die bereits entstandenen Kosten von 4600 Euro in Rechnung zu stellen (Anmerkung der Redaktion: Die Stadtverwaltung hat am Freitag entschieden, davon Abstand zu nehmen.). Das ist enorm, zumal Skepsis geboten ist, sobald die Verwaltung sich auf Bürgerbeteiligung beruft. Wie viele Anwohner haben denn im Vorfeld konkret darum gebeten, diesen Weg drei Meter breit zu asphaltieren?

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Ich denke, die Verwaltung wäre gut beraten, auf die sich nun beteiligenden Bürger (die den Weg ja tagtäglich nutzen) zuzugehen, statt solche Geschütze aufzufahren. Oder braucht sie das Geld etwa dringend, weil die Bürgerbeteiligungs-Farce bei der Stadthalle so teuer war?

Den Autor erreichen Sie per E-Mail.

Von Lars Wätzold

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