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Zeitung in der Schule Druckhausführung: Viertklässler aus vier Grundschulen auf Erkundungstour
Thema Specials Zeitung in der Schule Druckhausführung: Viertklässler aus vier Grundschulen auf Erkundungstour
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19:56 30.06.2014
Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

„Riech mal – Pferdemist!“ Linda ist begeistert. Die Klasse 4a der Grundschule am Einzelberg aus Groß Schneen wurde ausgelost und darf zum Abschluss der Tageblatt-Schulaktion mit Lehrerin Katrin Schlömann das Tageblatt-Druckhaus in Göttingen besuchen. Gerade nehmen die Schüler eine Riechprobe: Sie beschnuppern den Duft-Kalender. Tageblatt-Mitarbeiter Günter Pommer erklärt, wie der Geruch aufs Papier kommt – über einen speziellen Lack in der Bogendruckmaschine. Pommer ist es wichtig, dass die Führung auch einen theoretischen Teil enthält, so lernen die Kinder etwas.

Gut vorbereitet geht es los

Vor dem Rundgang gibt es in der Tageblatt-Cafeteria einen kleinen Vortrag und eine Erfrischung für die Schüler. Dann gucken alle gemeinsam den Film „Wie entsteht das Göttinger Tageblatt“. Gut vorbereitete geht es dann los – die Führung durch das Druckhaus startet. Zusammen mit ihrer Klassenkameradin Franziska betrachtet Meike den großen Plattenbelichter, der Druckplatten quasi „ausspuckt“. Vier Durchgänge der Offsetdruckplatten-Herstellung gucken sich die Viertklässler an. „Da ist ja immer das gleiche drauf“, stellt Valentin fest. „Das liegt daran, dass wir die Zeitung in vier Farben drucken“, erklärt Pommer. Und für jede Farbe gibt es eine eigene Druckplatte: Schwarz, Cyan, Magenta und Gelb.

Riesige Rollen mit Zeitungspapier

Die Klasse 4c der Göttinger Albanischule in Göttingen mit Lehrerin Martina Renn steht neben riesigen Rollen mit Zeitungspapier am Fuß der Rotation. Die „Rotation“ ist das Kernstück der Zeitungsdruckerei, die Rotationsmaschine für den Druck der Zeitung. Die Viertklässler stecken sich die gelben Ohrstöpsel, die Tageblatt-Mitarbeiterin Nina Winter vor dem Rundgang durch die Produktionshalle verteilt hat, in die Gehörgänge.

Die riesigen Papierrollen, die regelmäßig nachgelegt werden müssen, beeindrucken die Schüler – eine Tonne schwer und bis zu 20 Kilometer lang. Gebannt sehen sie dabei zu, wie eine Rolle gewechselt wird, um mit Bild und Text bedruckt zu werden. „Rund 42 000 Exemplare vom Göttinger und Eichsfelder Tageblatt werden hier nachts gedruckt“, berichtet Mitarbeiter Günter Pommer, nicht ganz ohne Stolz. Fertig gefalzt verlassen die Exemplare die Rotation, es geht in die nächste Halle. Laut dröhnen die Druckmaschinen – bis zu 110 Dezibel. Die Viertklässler müssen sich ganz nah um Pommer drängen, um seinen Worten folgen zu können.

„Hier seht ihr die Zeitungen, frisch aus dem Druck“, ruft er und deutet auf die Bänder, die quer durch den Raum und unter der Decke entlanglaufen. Unzählige Ausgaben eines Anzeigenblattes hängen daran, um wenig später an anderer Stelle gestapelt und gebündelt zu werden. „Hier ist es dann zu Ende“, stellt Nico fest und deutet auf das Ostende der Halle, wo die Zeitungen nach genauen Tourenplänen auf Fahrzeuge verstaut und zu den Zeitungsausträgern gefahren werden.  Hier endet auch die Expedition der 4c durch das Druckhaus. Laut singend – die gelben Stöpsel noch immer im Ohr – bewegt sich die Schülergruppe Richtung Ausgang. „Das Lied war viel zu leise, darum singen wir jetzt lauter: Oh Alele, a teri tiki tomba, a massa massa massa, oh balue balua balue“ tönt es durch die Hallen.

200 Mitarbeiter

Dass im Druckhaus, zu dem die Redaktion und andere Abteilungen gehören, rund 200 Mitarbeiter tätig sind, erstaunt Klasse 4L der Grundschule Lenglern und Lehrerin Bärbel Heim. Natürlich sind nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig tätig, es wird in Schichten gearbeitet. Aber auch früh am Morgen ist in der Plattenstraße, wo die Druckplatten belichtet werden, schon viel los. Denn nicht nur das Tageblatt wird hier produziert, sondern auch andere Zeitungen, Magazine und Broschüren.

Von der Plattenstraße geht es ins Papierlager, vorbei an einem alten Setzkasten, in dem früher Bleibuchstaben von Schriftsetzern für den Druck angeordnet wurden. Eine anstrengende Arbeit. Mehrere tausend Schriftzeichen für eine Zeitungsseite sind nämlich keine Seltenheit. Im Papierlager muss die Klasse dann vor einer Absperrung stehen bleiben, denn gerade ist eine neue Lastwagenlieferung mit Papierrollen angekommen. Die Rollen werden ausgeladen, mit Klammerstaplern – also Gabelstaplern, die statt einer Gabel vorne eine Klammer haben, um die schweren Papierrollen auch in die Waagerechte drehen zu können.

Warum nicht zu 100 Prozent?

Dass das Zeitungspapier zu 95 Prozent aus Altpapier besteht, freut Klasse 4 aus Obernfeld und Lehrerin Katrin Schlömann. Warum nicht zu 100 Prozent, dann wäre es noch umweltfreundlicher? Das Papier muss neuen Holzfaserstoff enthalten, um genügend Festigkeit zu besitzen. So reißt das Papier nicht, wenn es mit hoher Geschwindigkeit durch die Druckmaschine rast. Transportiert werden die schweren Papierrollen mit Schlitten, auf Schienen vom Papierlager zur Druckmaschine. Zu gerne würden einige Schüler selbst auf solch einem Schlitten fahren – wie auf einem Skateboard. Aber weiter geht es zur nächsten Station der Führung. Im Druckleitstand staunen die Obernfelder Schüler über das Gewicht der Druckmaschine. 350 Tonnen, etwa so viel, wie drei Güterzug-Lokomotiven wiegen. Ein echtes Schwergewicht, das von 18 Motoren angetrieben wird und vier Stockwerke hoch ist.

Schulaktion: Druckhausführung mit der Klasse 4a der Grundschule am Einzelberg in Groß Schneen
Schulaktion: Druckhausführung mit der Klasse 4 der Grundschule Obernfeld
Schulaktion: Druckhausführung mit der Klasse 4c der Albanischule
Schulaktion: Druckhausführung mit der Klasse 4L der Grundschule Lenglern

Von Nina Winter und Björn Dinges

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