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Zeitung in der Schule Schulklassen besichtigen Druckhaus und Redaktion des Göttinger Tageblatts
Thema Specials Zeitung in der Schule Schulklassen besichtigen Druckhaus und Redaktion des Göttinger Tageblatts
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19:04 30.07.2014
Papierdusche: Eibenwald-Schüler bewundern die Papierrutsche in der Weiterverarbeitung, wo die fertigen Zeitungen ihre Beilagen erhalten. Quelle: Vetter
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Göttingen

„Seid froh, dass Eure Zeugnisse schon geschrieben sind!“, sagt Holger Dwenger, technischer Redakteur, zur Klasse 4a der Bonifatiusschule, als niemand eine Frage zur Druckplattenproduktion beantworten kann.

Ernst meint er das natürlich nicht. Für gewöhnlich wissen die Schüler nach der Tageblatt-Aktion „Zeitung in der Schule“ nämlich ganz genau, wie man Zeitung macht – was aber nicht heißt, dass ihnen keine Fragen mehr einfallen. So wie drei andere Klassen haben sie eine Führung durch das Druckhaus in der Dransfelder Straße gewonnen.

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Und auch wenn es auf allen Etagen des Tageblatts meist ziemlich stressig zugeht, freuen sich die Kollegen immer wieder über jungen Besuch. Denn der hat angesichts der gigantischen Technik und engen Produktionsabläufe das Staunen noch nicht verlernt. Axel Rentschka von der Hausverwaltung setzt sich sogar in einen Stapler, der statt einer Gabel einen speziellen Greifaufsatz hat, mit dem man die tonnenschweren Papierrollen wie Bauklötze hochheben kann.

Mindestens ebenso groß werden die Augen der Schüler im Leitstand der Rotationsdruckmaschine. Laura hat sich schon vor der Führung gefragt, wozu die Drucktechniker Tastaturen haben, obwohl sie ja gar keine Artikel schreiben. Nun wird schnell klar, dass die Druckspezialisten damit verschiedenste Parameter steuern können, wie zum Beispiel die Farb- oder Wassermenge.

Eigenes Betonfundament für Druckmaschine

Für die 700 Tonnen schwere Druckmaschine von „Koenig & Bauer“ wurde ein eigenes Betonfundament errichtet, dessen Stützpfeiler viel tiefer in den Erdboden ragen, als das Druckhaus vermuten lässt.

Tageblatt-Mitarbeiter Michael Schäfer erklärt der vierten Klasse der Eibenwaldschule Eddigehausen auch, dass das Redaktions- und Druckgebäude so konstruiert ist, dass die Rotationsmaschine genug Abstand zu den Wänden hat und einzig durch ihr riesiges Fundament am Platz gehalten wird. Wäre das nicht so, bestünde durch die Vibration Einsturzgefahr.

Das Tageblatt hat aber nicht nur eine Maschine für die Zeitungsproduktion, sondern auch eine, die Hochglanzmagazine, Flyer, Bücher oder sogar Kalender herstellen kann. Und das begeistert die Eibenwald-Schüler, weil der Tageblatt-Kalender ganz besondere Qualitäten hat: Durch einen speziellen Lack duften die einzelnen Seiten nach Zitrone, Honig, Himbeeren, oder – das WM-Fieber ist bei den Schülern noch nicht abgeklungen – dem Leder eines Fußballs.

Valeria hat eine gute Frage, die nichts mit dem Druckhaus und seinen Produkten zu tun hat: „Wann schlafen die Zeitungsausträger eigentlich?“ Das kann Michael Schäfer gar nicht so einfach beantworten. Da sie ihre Zeitungen bis zum frühen Morgen zugestellt haben müssen, wahrscheinlich dann, wenn andere Leute gerade aufstehen.

Umwelt und Geldbeutel schonen

Ein Duftkalender lässt sich übrigens ganz ohne Lack und besondere Technik herstellen. Das findet zumindest Benit aus der Klasse 4a der Grundschule Rhumspringe. „Wenn ich mich auf den Kalender setze und pupse, duftet er auch“, sagt er und erntet dafür schallendes Gelächter seiner Mitschüler. Ob sich ein Kalender mit dieser Duftnote gut verkaufen würde, ist zu bezweifeln.

In Serie dürfte der Pups-Kalender daher nicht gehen, denn wie bei jedem Betrieb wird auch beim Tageblatt darauf geachtet, dass ein Gewinn erwirtschaftet wird. Deshalb werden zum Beispiel die jährlich 200 000 belichteten Druckplatten, die für die Produktion nicht mehr zu verwenden sind, nicht einfach „weggekloppt“, wie Michael Schäfer betont, sondern an Schrotthändler verkauft und dort recycled. Das schont die Umwelt und den Geldbeutel.

Und was kauft sich ein Zeitungsverlag von dem Geld? Papierrollen. Und zwar unzählige. Jeden Tag. „Kann man die Rollen auf der Toilette als Klopapier verwenden?“, fragt Max. Beim Anblick der gigantischen zylindrischen Rollen beantwortet sich seine Frage von allein. Eine Rolle ist knapp einen Meter hoch, eine Tonne schwer und ausgerollt rund 20 Kilometer lang – ungefähr die Hälfte der Strecke von Göttingen nach Rhumspringe.

Genug Platz für Redakteur Michael Schäfer, um spannende Artikel zu schreiben. Die gedruckte Zeitung lässt sich dann notfalls tatsächlich als Klopapier verwenden. So haben die Eichsfelder Schüler gewiss etwas gelernt: Das Tageblatt macht dich überall froh – im Bett, beim Frühstück und sogar noch auf dem Klo.

„Hier wird es ja nie langweilig“

Alles andere als ein stilles Örtchen ist die Tageblatt-Redaktion. Das erlebte die Klasse 4a der Göttinger Hainbundschule live. Redakteur Ulli Schubert lädt sie kurzerhand zu einem Besuch in sein Büro ein, während im Nachbarzimmer in der morgendlichen Konferenz über Inhalt und Planung der Ausgaben diskutiert wird.

Schubert zeigt den Kindern an seinem Computer, wie eine anfangs leere Seite Gestalt annimmt und wie die Texte darauf platziert werden. Zudem müssen Termine koordiniert und Recherche betrieben werden, außerdem klingelt ständig das Telefon. „Hier wird es ja nie langweilig“, stellt Mohammed treffend fest.

In puncto Spannung kann der Redaktionsbesuch aber nicht mit dem im Leitstand der Druckerei mithalten. „Das hat was von einem Raumschiff“, erklärt Schubert, als er die futuristisch anmutende Schaltzentrale betritt. Funkelnde Kinderaugen verraten: hier ist es super spannend. Wären sie Lehrer, die Schüler würden den fleißigen Druckern beim Tageblatt ein gutes Zeugnis ausstellen.

Von Jonas Rohde und Rupert Fabig

Vier Grundschulklassen besichtigen Druckhaus und Redaktion des Göttinger Tageblatts.

Alle Bildergalerien der Schulaktion und die Filme „Wie entsteht das Tageblatt“ unter: gturl.de/Schulaktion