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Zeitung in der Schule Zu Besuch in Schulen in Duderstadt und Groß Schneen
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18:36 18.07.2014
Anruf bei der Polizei: Jürgen Gückel erkundigt sich nach dem Hubschrauber-Einsatz. Quelle: Theodoro da Silva
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Groß Schneen

Neben den allgemeinen Fakten waren die Kinder der Klasse 4c1 der St. Elisabeth-Grundschule in Duderstadt daran interessiert, was Fotografen und Redakteure in ihrer Freizeit machen, und was passiert, wenn ein Fotograf krank wird?

Die Verständigung mit den Kollegen steht dann an erster Stelle. Sind diese auf anderen Terminen, kann es vorkommen, dass ein Redakteur selber Fotos machen muss. Paula und Neele wollten wissen, ob der Beruf spannend sei und man Spaß habe.

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Freie Mitarbeiterin Helena Gries und Fotografin Inga Schauenberg erzählten daraufhin von interessanten Terminen und Begegnungen, aber erwähnten auch, dass es stressig sein kann und auch über unschöne Dinge wie Unfälle oder Häuserbrände berichtet werden muss.

Polizeireporter-Handy

Als nächstes wurden die Tageblatt-Mitarbeiter nach ihren schönsten Fotos und Artikeln gefragt. „Was ist, wenn Rechtschreibfehler in der Zeitung sind“, fragte Lucia. In diesem Zusammenhang wurde das Korrekturlesen erklärt.

Dass der Polizeireporter des Tageblattes einer ist, der rund um die Uhr erreichbar sein muss, und der auch jederzeit auf seinen Einsatz gefasst sein muss, konnten die Kinder der 4a der Einzelbergschule in Groß Schneen live erleben. Kaum hatte Jürgen Gückel seinen Job erklärt und den Film über Entstehung, Druck und Vertrieb der Zeitung eingeschaltet, war gar nichts mehr zu verstehen.

Ein Hubschrauber knatterte über die Schule – der Rettungshubschrauber. Auf der anderen Seite der Bönnekerstraße ging er zu Boden. Ein Griff zum Polizeireporter-Handy, Anruf bei Polizeisprecherin Jasmin Kaatz, und schon war der Reporter-Alltag in die 4a eingekehrt.

Durch Dörfer mit Blaulicht

Minuten später der Rückruf: Auf dem Schulhof der benachbarten Carl-Friedrich-Gauss-Schule war ein Kind vom Klettergerüst gefallen. Der Notarzt war eingeflogen worden, die Verletzung soll aber nicht dramatisch sein. Ein privater Unfall also, keiner, der zu einer eigenen Meldung in der Zeitung wird – es sei denn, man ist gerade als Reporter in der 4a.

Bei der darauf folgenden lebhaften Fragerunde wollten Aaliyah und Aliki, Elena und Benjamin, Tilman und die anderen jede Menge wissen. Lehrerin Inge Neubacher hatte die Klasse offensichtlich gut auf den Besuch vorbereitet. Auch wenn die meisten sich in erster Linie für den Sportteil interessieren, kam jeder Schüler auch einmal mit Magazin oder Mantelteil, Wirtschaft oder Lokales an die Reihe.

Dass Karstadt in Göttingen wieder Gewinne macht, aber dennoch von Schließung bedroht ist, hatte die Klasse besonders vertieft. Auch deshalb, weil dann ein riesiges leeres Gebäude in der Stadt stehen würde. Eines ist der Polizeireporter der 4a übrigens noch schuldig: Jasper hatte nach einem großen Polizeieinsatz am Mittwoch in Friedland gefragt.

Die Auflösung: Es gab gar keinen Ernstfall-Einsatz. Vermutlich ist eine Kolonne der Bundespolizei von der Autobahn abgefahren. Wenn sie durch Dörfer fahren, schalten Polizei-Kolonnen meist ihr Blaulicht ein.

„Kommt darauf an, auf wessen Kopf der Reissack fällt“

Ist doch ganz klar: Eine durch Dörfer fahrende Polizei-Kolonne ist ebenso keine Meldung wert wie der berühmte Reissack, der in China umfällt. Denkste! Denn die Klasse 4b der Einzelbergschule und Tageblatt-Fotograf Alciro Theodoro da Silva führen die gängige Meinung ad absurdum.

„Kommt darauf an, auf wessen Kopf der Reissack fällt“, merkt Theodoro da Silva schelmisch an. Und die Schüler spinnen die Idee des Brasilianers fort. Was, wenn der Reissack nun ein Erdbeben auslöst, und das Erdbeben einen Tsunami, und der Tsunami ein... – Stopp: Hier greift Lehrer Hans-Ulrich Schmidt ein.

Er hat seiner gut vorbereiteten Klasse beigebracht, dass in einer seriösen Tageszeitung keine Vermutungen und Hirngespinste stehen, sondern nichts als die Wahrheit. Dafür verbirgt sich der Autor mit seinem Namen, der in einer Autorenzeile genannt wird. Bei kleineren Artikeln fehlt diese Zeile und wird durch ein Namenskürzel am Textende ersetzt.

Bei der Wahl des Kürzels ist Kreativität gefragt. „hvh klingt gut“, sagt Helene von Hugo. Dass Abkürzungen wie „hsv“ oder „bvb“ hingegen völlig ungeeignet sind, „fcb“ dafür umso schöner ist, fällt den Fußball- und FC-Bayern-Fans der 4b auf. Wenn das mal nicht der Wahrheit entspricht.

Tageblatt-Mitarbeiter zu Besuch in der Grundschule am Einzelberg in Groß Schneen. © Theodoro da Silva