Heizen mit Holz: gemütliche Wärme mit Beigeschmack

Über Schornsteine stoßen Holzöfen nicht nur Kohlenmonoxid, sondern auch Feinstaub aus.

Über Schornsteine stoßen Holzöfen nicht nur Kohlenmonoxid, sondern auch Feinstaub aus.

Auf den ersten Blick ist das Heizen mit Holz fürs Klima eine gute Sache: Denn beim Verbrennen wird nur so viel CO₂ freigesetzt wie die Bäume gebunden hatten. Da Kaminöfen zudem Behaglichkeit ausstrahlen, erfreuen sie sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit. Mittlerweile stehen davon in deutschen Haushalten rund elf Millionen, hinzu kommen knapp eine Million Heizkessel für feste Brennstoffe, die meist mit Holz betrieben werden.

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Zertifizierten Brennstoff aus nachhaltigem Anbau wählen

Energieexperten sehen diese Entwicklung skeptisch, denn die Umweltbilanz von Holzheizungen fällt bei kritischer Betrachtung problematisch aus: „Der CO₂-Fußabdruck ist unter Umständen genauso schlecht wie bei Gasheizungen“, sagt Alexander Steinfeldt vom Verbraucherportal co2online. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn das Holz weite Transportwege etwa aus dem außereuropäischen Ausland zurückgelegt hat.

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Der Brennstoff sollte deshalb zertifiziert sein sowie aus regionaler und nachhaltiger Forstwirtschaft stammen, erläutert Ramona Mittag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Brennholz aus heimischen Wäldern sollte aber nicht in großen Mengen vermarktet werden. Denn nach jüngsten Erkenntnissen dürfe weniger Holz für die energetische Nutzung entnommen werden als nachwachse, um den Wald als CO₂-Speicher zu erhalten und zugleich auszubauen, führt Mittag weiter aus. Steinfeldt kann sich Holzöfen deshalb vor allem in ländlichen Regionen vorstellen. Im Idealfall wird das Holz aus dem angrenzenden Wald geholt und eine alte Ölheizung ersetzt.

Umweltbelastung durch spezielle Filter reduzieren

Vor allem alte Holzöfen haben ein weiteres Problem: Sie stoßen Feinstaub und Stickstoffoxid aus, die die Luft belasten. Deshalb gilt bereits ein Verbot für Kaminöfen, die vor 1994 gebaut wurden. Für Modelle, die aus der Zeit zwischen 1995 und 2010 stammen, gilt eine Übergangsfrist bis Ende 2024. Moderne Öfen hingegen erfüllten die aktuell hohen Anforderungen an den Emissionsschutz, erklärt der Verband privater Bauherren (VPB). Umweltfreundliche Modelle seien am Siegel „Blauer Engel“ zu erkennen, ergänzt Steinfeldt. Auch eine Nachrüstung mit Filtern sei in vielen Fällen möglich.

Bedeutsam für die Klima- und Umweltbilanz von Kaminöfen ist auch ihre Energieeffizienz. Eine Studie weise allerdings nach, dass besonders viel Endenergie verloren gehe oder verschwendet werde, wenn ein Kaminofen zusätzlich zur Hauptheizung zum Einsatz komme, erklärt Steinfeldt: „Gebäude mit Kaminofen verbrauchen 16 Prozent mehr Energie als ohne.“ Grundsätzlich sei es wichtig, trockenes und gespaltenes Holz zu verwenden und den Ofen richtig zu betreiben, betont der VPB. So sollte das Anmachholz von oben und nicht von unten abbrennen.

Fördergelder, um alte Heizungen zu modernisieren

Während Kaminöfen in der Regel als zusätzliche Heizquelle verwendet werden, wird mit Pelletheizungen das ganze Haus beheizt und Warmwasser aufbereitet. Bei Pellets handelt es sich um Holzreste und Sägespäne, die gepresst werden und eine genormte Größe besitzen. Für ihre Herstellung wird Energie benötigt, die sich nachteilig auf ihre Klimabilanz auswirkt. Für einen störungsarmen Betrieb mit sauberer Verbrennung empfiehlt Matthias Wagnitz, Experte beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), ENplus-Pellets. Eine Alternative sind Holzschnitzel, die allerdings nicht ganz so kompakt sind und sich nur für größere Heizungsanlagen eignen.

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Pelletheizungen besitzen einen hohen Wirkungsgrad und arbeiten wie Gas- und Ölzentralheizungen, sie können also in vielen Häusern nachgerüstet werden. „Die Verbrennung ist in der Regel sauberer als in Kaminöfen“, sagt Wagnitz. Erforderlich ist ein großes Lager, das zum Beispiel dort eingerichtet werden kann, wo zuvor ein Öltank stand. Der Brennstoff wird meist mit einem Lkw angeliefert und über ein Rohr ins Lager eingefüllt. Von dort gelangen die Pellets mittels einer Förderschnecke automatisch und nach Bedarf in den Brenner. „Die Technik arbeitet übers Jahr weitgehend autonom“, erklärt Wagnitz. Lediglich die Asche muss ab und zu entsorgt werden.

Laut Mittag belaufen sich die Kosten allein für einen Pelletkessel auf bis zu 20.000 Euro. Wagnitz weist darauf hin, dass weitere Investitionen für einen Wechsel des Heizungssystems nötig sind. Vom Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) gibt es einen Zuschuss in Höhe von bis zu 35 Prozent. Die Förderung erhöht sich sogar auf 45 Prozent, wenn eine Ölheizung ersetzt wird.

„Der Antrag für die Förderung muss vor Beginn des Vorhabens bei der BAFA eingehen“, erklärt Mittag. Verpflichtend seien zudem ein hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage sowie der Einbau eines Wärmemengenzählers. Steinfeldt empfiehlt zusätzlich die Anschaffung eines Pufferspeichers, der einen sparsameren Betrieb der Anlage ermöglicht. Alternativ kann ein Warmwasserspeicher eingebaut werden, der warmes Trinkwasser bevorratet. Auch eine Kombination aus beiden Speicherarten ist möglich.

Wärme für viele

Mit Biomasse wird auch in großem Stil geheizt: Einige Energieversorger betreiben Kraftwerke, die so viel Wärme erzeugen, dass damit über ein Fernwärmenetz Hunderte Haushalte versorgt werden können. Oft wird nicht nur Wärme, sondern auch Strom produziert. Verbrannt werden vor allem Holzhackschnitzel, Holzabfälle und Altholz, das ansonsten im Wald nicht stofflich verwertet werden kann. Weil sie nachwachsende Rohstoffe verwenden, besitzen die Kraftwerke eine vergleichsweise gute Umweltbilanz. Das trifft auch zu, wenn industrielle Abwärme oder Biogas genutzt wird. Vereinzelt wird sogar regenerative Energie aus Solarfeldern genutzt. In Deutschland wird mittlerweile in rund einem Viertel aller Städte Fernwärme angeboten – meist in Neubaugebieten.

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