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Auszeichnung für schnelles MRT

Erfinderpreis für Göttinger Physiker Jens Frahm

Europäischen Erfinderpreis für Jens Frahm.

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Göttingen.Frahm erhielt den Preis am Donnerstag bei einem Festakt in St. -Germain-en-Laye bei Paris für seine bahnbrechenden Innovationen auf dem Gebiet der Magnetresonanztomografie (MRT).

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Der Europäische Erfinderpreis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas. Mit ihm werden einzelne Erfinder und Teams ausgezeichnet, die mit ihren Erfindungen zum technologischen Fortschritt, zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung sowie zur Schaffung von Arbeitsplätzen beigetragen haben. Eine unabhängige internationale Jury wählte die diesjährigen Gewinner aus mehr als 500 Erfindern und Erfinder-Teams aus.

Mit Frahms Erfindung ist es möglich, Bewegungen in Echtzeit sichtbar zu machen:

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Ähnlich wie bei der Oscar-Verleihung wurden die Gewinner des Europäischen Erfinderpreises erst direkt bei der Preisverleihung bekanntgegeben. Mehr als 600 Gäste aus Politik, Wirtschaft, geistiges Eigentum und Wissenschaft waren dazu ins Théâtre Alexandre Dumas gekommen. „Die Spannung steigt“, sagte Jens Frahm, bevor er gemeinsam mit seiner Frau Anne in eine der vorderen Reihen Platz nahm. Vor der Bekanntgabe der Preisträger wurden Videofilme eingespielt, in denen die Erfinder ihre Ideen und jahrelange Arbeit präsentierten, die ihren Innovationen zugrunde liegt.

Frahm setzte sich in der Kategorie Forschung erfolgreich gegen die mit ihm nominierten britischen Forscher Eileen Ingham und John Fisher sowie das polnische Team um Jacek Jemielity, Joanna Kowalska und Edward Darżynkiewicz durch. Der bereits vielfach ausgezeichnete Physiker freute sich über die Auszeichnung: „Das ist eine große Ehre und eine tolle Anerkennung für die innovative Arbeit unseres Forschungsteams.“

In zwei Schritten verbessert

Der gebürtige Oldenburger Jens Frahm hat die 1973 von dem späteren Nobelpreisträger Paul Lauterbur erfundene Magnetresonanztomografie (MRT) revolutioniert. Das damals neue Verfahren hatte zunächst den Nachteil, dass es für den Einsatz in der Medizin schlicht zu langsam war. In zwei Schritten ist es Frahm und seinem Team in Göttingen gelungen, die MRT um das bis zu 10.000-fache zu beschleunigen und diese Technologie in der klinischen Praxis zu etablieren. Zunächst entwickelte er in den frühen 1980er-Jahren die FLASH-Technik (Fast Low Angle Shot), welche die Geschwindigkeit der MRT-Bildgebung um den Faktor 100 beschleunigte.

Erst diese Innovation, mit der sich die Messzeiten radikal verkürzten, brachte den Durchbruch für die breite Anwendung der Kernspintomografie in der medizinischen Diagnostik. Hatte die erste MRT-Aufnahme eines Menschen noch vier Stunden und 45 Minuten gedauert, ließen sich mit FLASH nun bereits innerhalb weniger Sekunden einzelne Schichtbilder herstellen. Führende Hersteller übernahmen die FLASH-Technik, Magnetresonanztomographen wurden zu einem Standardinstrument in der Medizin.

100 Millionen Untersuchungen pro Jahr

Heute ist die FLASH-MRT eines der bedeutendsten bildgebenden Verfahren in der Medizin. Weltweit kommt die Technik jährlich bei 100 Millionen Untersuchungen zum Einsatz. Die FLASH-Plattform ist zudem das bislang erfolgreichste Patent der Max-Planck-Gesellschaft. Jens Frahm ist als Erfinder von vier europäischen Patenten gelistet. Mit den bislang rund 155 Millionen Euro Lizenzeinnahmen wurde unter anderem die gesamte Forschung der 1993 gegründeten gemeinnützigen Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH in Göttingen finanziert.

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Inzwischen haben die Göttinger Forscher ihre Technik weiterentwickelt und die MRT-Technologie in das Videozeitalter geführt. FLASH2 aus dem Jahr 2010 nutzt moderne Computerbildrekonstruktion, um die weltweit ersten MRT-Filme mit Aufzeichnungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Bildern pro Sekunde zu erzeugen. Mit der neuen Technologie kann man erstmals live verfolgen, was im Körper passiert.

„Mein erstes Speed Dating“

Mediziner können damit zum Beispiel Gelenk- oder Sprechbewegungen, Schluckvorgänge oder das schlagende Herz direkt beobachten und daraus Rückschlüsse darauf ziehen, warum das Knie beim Beugen schmerzt, jemand unter Sodbrennen leidet, stottert oder Schmerzen im Brustbereich hat. Die neue Technologie wird bereits an der Universitätsmedizin Göttingen und mehreren anderen Universitätskliniken für den routinemäßigen Einsatz an Patienten getestet.

Bei der von Fernando Tiberini moderierten Preisverleihung betonte Frahm, dass es nun darauf ankomme, die neue Technologie in weiteren klinischen Studien für möglichst viele Anwendungen zu testen. Die mit dem Erfinderpreis verbundene mediale Aufmerksamkeit werde dazu beitragen, die breitere klinische Nutzung der Technik zu beschleunigen.

Am Tag vor der Preisverleihung hatte Frahm bereits einen Medien- Marathon absolviert. Mehrere Stunden lang stand er Journalisten aus mehreren europäischen Ländern in Einzelinterviews jeweils im viertelstündigen Rhythmus Rede und Antwort. „Das war mein erstes Speed Dating“, scherzte er.

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Von Heidi Niemann

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