Projektseminar

Göttingens Rolle während der Kolonialzeit

Geschichtsstudierende der Universität Göttingen präsentieren Ergebnisse eines Projektseminars: Karolin Wetjen und Johannes Uhlig.

Geschichtsstudierende der Universität Göttingen präsentieren Ergebnisse eines Projektseminars: Karolin Wetjen und Johannes Uhlig.

Göttingen. „Die Ausstellung soll ein Bewusstsein für das Thema schaffen und das eigene Verhalten reflektieren“, erklärte Karolin Wetjen, wissenschaftliche Mitarbeiterin. Zusammen mit Prof. Rebekka Habermas ermöglichte Wetjen den sechs teilnehmenden Studierenden eine eigenständige Erarbeitung des Themas. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man so früh so selbstständig arbeiten darf“, sagte Teilnehmer Johannes Uhlig.

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„Manchen Zeitgenossen ist es gar nicht mehr klar: Worum geht es da eigentlich?“, eröffnete der Studiendekan der Philosophischen Fakultät, Prof. Albert Busch, die Veranstaltung vor mehr als 80 Anwesenden. Der Kolonialismus sei strukturell noch bis heute relevant und lege die Grundlage für rassistisches Denken. Die Ausstellung trage nun einen wichtigen Teil dazu bei, das Schweigen und Nichtwissen abzubauen, sagte Busch.

Das Deutsche Reich war zwischen 1884 und 1914 eine Kolonialmacht, die Gebiete in Afrika, Asien und der Südsee besetzte. Das Seminar habe sich, so Habermas, mit der Fragen beschäftigt, welche Bereiche des alltäglichen Lebens in Göttingen damals durch die Kolonialzeit beeinflusst wurden. Die Studierenden recherchierten in historischen Quellen, aus der Sammlung der Universität und dem Göttinger Stadtarchiv. Neben der Beantwortung verschiedener Fragen, seien bei der Recherche eher noch mehr Fragen aufgeworfen worden, sagte Uhlig.

Mit Klischees und exotischen Vorstellungen der Kolonien haben Unternehmen Kolonialwaren wie Kaffee, Kakao und Tabak im Göttinger Tageblatt beworben, erklärte Wetjen. Teilweise würde es diese Unternehmen noch heute geben.

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Der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft, ein Verein, der in vielen Städten zur Kolonialzeit aktiv war, habe in Göttingen eine überproportional große Resonanz erfahren. Die Mitgliederanzahl von 135 Menschen um 1918 sei vergleichbar mit Bünden weitaus größerer Städte wie Köln gewesen, betonte Habermas.

Der Grundstein für koloniales Engagement sei bereits durch universitäre Veranstaltungen gelegt worden. Durch Seminare wie Kolonialrecht und christliche Messe wurden die Studierenden auf die Arbeit in den Kolonien vorbereitet.

Die Ausstellung ist bis zum Sonnabend, 7. April, zu den Öffnungszeiten des Kulturwissenschaftlichen Zentrums (montags bis freitags: 8.30-21 Uhr; sonnabends: 10-18 Uhr) zugänglich. Für das nächste Wintersemester sei eine weitere Ausstellung sowie die Erstellung einer Website über den Postkolonialismus in Göttingen geplant.

Von Lisa Hausmann

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