No-­IfD-­Bündnis

Kritik an Fachtagung zu linker Militanz

Seit Monaten im Fokus linker Kritiker: Das Göttinger Institut für Demokratieforschung.

Seit Monaten im Fokus linker Kritiker: Das Göttinger Institut für Demokratieforschung.

Göttingen. Zwei Wochen nachdem die Gruppe No-IfD mit ihrer Kampagne „Das ist keine Wissenschaft, das ist Spitzelei“ an die Öffentlichkeit getreten war, um den Mitarbeitern des Göttinger Instituts für Demokratieforschung (IfD) ein Hausverbot auszusprechen, kam jetzt eine Fortsetzung der öffentlichen Kritik. Anlass dafür war eine Fachtagung Ende September in der Göttinger Sternwarte, bei der Vertreter aus Wissenschaft, Sozialarbeit, politischer Bildung und Polizeibehörden das Phänomen linke Militanz diskutierten.

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„Der Blick auf die Tagung bestätigt unsere Analyse und Kritik an dem IfD“, heißt es in der Pressemitteilung. Eine Auseinandersetzung mit der Bedeutung ihrer unsachlichen Forschung für eine linke Praxis stehe nach wie vor aus. Und es sei erschreckend, inwieweit engagierte linke Jugendliche als Gefahr problematisiert würden. So hätten viele der Anwesenden Bezug auf die umstrittene Extremismustheorie genommen. Eine Referentin soll sogar geäußert haben, dass es letztlich Zufall sei, ob jemand Neonazi oder radikaler Linker werde, denn die Grundmechanismen der Radikalisierung seien immer dieselben.

Hoher Anteil an Staatsschützern

Außerdem sei bei dieser Tagung der Anteil von Beamten des Staatsschutzes und der Kriminalämter überdurchschnittlich groß gewesen, wollen die No-IfDler aufgedeckt haben. Die Informationen über den Verlauf der Tagung hat das Bündnis aus erster Hand. Ein „Aktivist, der spontan an der Tagung anwesend sein konnte“ habe „tiefere Einblicke in die Ausrichtung und Praxis der Forschung vom IfD“ gegeben.

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„Natürlich konnte er anwesend sein“, erklärt Matthias Micus, Leiter der Bundesfachstelle und Organisator der Tagung. Der junge Mann habe vor der Tür Flyer verteilt und sei daraufhin eingeladen worden, seine Standpunkte bei der Tagung einzubringen. Letzteres habe er allerdings nicht getan und sich stattdessen auf die Beobachterrolle zurückgezogen.

Kein Problem mit Kritik

Mit der Kritik an der Tagung habe er gar kein Problem. Im Gegenteil, die Tagung sei ausdrücklich konzipiert worden, um Kritik und Kontroversen zusammenzutragen. Allerdings stößt sich Micus an der Art der Kritik. So sei die zitierte Äußerung der Referentin bewusst aus dem Zusammenhang gerissen und verfälscht worden. Abgesehen davon könne die Aussage einer einzelnen Teilnehmerin nicht als Position der gesamten Tagung wiedergegeben werden. Insgesamt zeuge die Kritik von unterkomplexem Schubladendenken. Ein polizeikritischer Ex-Polizeidirektor, wie er zu den Referenten gehörte, könne dann nur ein verkappter Linken-Fresser sein.

Das eigentliche Problem sieht Micus darin, dass der bewusst mit einem Fragezeichen versehene Titel der Tagung von den Kritikern missverstanden wurde. Keineswegs ging es in der Veranstaltung darum, Radikalität und linkes Engagement grundsätzlich als problematisch einzustufen. In welcher Form, beziehungsweise ob Präventionsarbeit und politische Bildung im Kontext linker Militanz überhaupt sinnvoll sind, sollte stattdessen Gegenstand der Tagung sein. Dazu gehörte auch die Frage, wie situative Gewalteskalationen verhindert und Dialogfähigkeit von Polizei und Aktivisten verbessert werden können.

Von Markus Scharf

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