Prof. Ulrich S. Schubert hält Festvortrag

Preisverleihungen bei der Sommersitzung der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Sommersitzung der Akademie Wissenschaften zu Göttingen: Jan Heilmann (2. v. l.) und Daniel Schumann (3. v. l.) erhalten den Hanns-Lilje-Preis 2020 aus den Händen von Akademie-Präsident Prof. Ulf Diederichsen (l.).

Sommersitzung der Akademie Wissenschaften zu Göttingen: Jan Heilmann (2. v. l.) und Daniel Schumann (3. v. l.) erhalten den Hanns-Lilje-Preis 2020 aus den Händen von Akademie-Präsident Prof. Ulf Diederichsen (l.).

Göttingen. Als hybride Veranstaltung mit einigen Gästen in der Aula der Universität Göttingen am Wilhelmsplatz und vielen Zuschauern, die den Livestream auf YouTube nutzen, hat die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen am Freitagnachmittag ihre Sommersitzung abgehalten. Auf der Sitzung wurde nachgeholt, was eigentlich auf der coronabedingt abgesagten Jahresfeier vorgesehen war: die feierliche Amtsübergabe des alten an das neue Präsidium.

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Ein virtuelles Grußwort gab es zu Beginn der Sitzung vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD), der in der Video-Einspielung von „bewegten Zeiten“ sprach, in denen die Menschen mit der Nase darauf gestoßen würden, welche elementare Bedeutung der Wissenschaft zukommt, beispielsweise durch die Entwicklung von Impfstoffen. „Es sind destruktive Zeiten, und wir erleben Veränderungen in rasender Geschwindigkeit.“ Deshalb sei es sinnvoll, in Wissenschaft und Forschung zu investieren, und das gelte unter anderem auch für die Bemühungen um den Klimaschutz, sagte Weil, der im Hinblick auf das weitere Vorgehen für einen intensiveren Austausch zwischen Politik und Wissenschaft plädierte.

Corona hat auch dem wissenschaftlichen Apparat zugesetzt

Corona hat nicht nur die Gesellschaft durcheinandergebracht, die Pandemie hat auch dem wissenschaftlichen Apparat zugesetzt – das machte Akademie-Altpräsident Prof. Andreas Gardt in seiner Ansprache deutlich. Im Rückblick auf seine Amtszeit und jene seiner Präsidiumskollegen unterstrich Gardt die Bedeutung der Interdisziplinarität als attraktivste Form der akademischen Zusammenfindung. Corona, witzelte Gardt am Rande, habe auch die deutsche Sprache bereichert: „Was wir für neue Wörter gelernt haben: Außengastronomie!“ Hätte man an der Börse nur auf dieses eine Wort gesetzt, wäre man heute reich.

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Die feierliche Amtsübergabe wurde im Anschluss im Beisein des ehemaligen Präsidiums sowie von Diederichsen und des neuen Vizepräsidenten Prof. Daniel Göske vollzogen. Im Publikum saßen unter anderem der Präsident der Georg-August-Universität, Metin Tolan, und der Göttinger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). Für die musikalische Untermalung sorgten Elisabeth Eidel am Klavier und Thorben Diederichsen am Violoncello.

Neue korrespondierende Mitglieder der Akademie sind Prof. Remi Brague (Philosophie des Mittelalters), Prof. Gerhard Fouquet (Wirtschafts- und Sozialgeschichte) und die Germanistin Prof. Yixu Lu, die an der University Sidney lehrt. Zu den neuen ordentlichen Mitgliedern zählen der Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation, Prof. Ramin Golestanian, und der Mathematiker Prof. Harald A. Helfgott.

Den Hans-Janssen-Preis 2020 erhielten Anna Magnago-Lampugnani für ihre Dissertation „Der begeisterte Künstler. Vorstellungen künstlerischer Eingebung in der Frühen Neuzeit“ und Jana Graul für ihre Dissertation „Invidia als Künstlerlaster. Neid in Kunst und Kunstliteratur der Frühen Neuzeit“. Mit dem Hanns-Lilje-Preis ausgezeichnet wurden Jan Heilmann für seine Habilitationsschrift „Lesen in Antike und frühem Christentum. Kulturgeschichtliche, philologische sowie kognitionswissenschaftliche Perspektiven und deren Bedeutung für die neutestamentliche Exegese“ und Daniel Schumann für seine Dissertation „Gelübde im antiken Judentum und frühesten Christentum“. Der Nachwuchspreis Chemie 2020 ging an Pierre Stallforth (Naturstoff-Forschung) und der Nachwuchspreis Physik 2020 an Trifon Trifonov für seine Arbeiten zu extrasolaren Planeten.

Einer der weltweit führenden Chemiker hält den Festvortrag

In Person von Prof. Ulrich S. Schubert von der Universität Jena hatten die Akademie und ihr Präsident Diederichsen, der Schubert von seiner Zeit an der TU München kennt, einen der weltweit führenden Chemiker für den Festvortrag gewinnen können. Schuberts Thema: „Pharmapolymere für das 21. Jahrhundert“. Polymer-basierte Nanopartikel, so die Erkenntnis, könnten dafür sorgen, dass beispielsweise bisher nicht nutzbare Antibiotika in Medikamentenform im Körper gezielt zum Infektionsort gebracht werden, was Nebenwirkungen reduziert.

Prof. Ulrich S. Schubert bei seinem Vortrag in Göttingen.

Prof. Ulrich S. Schubert bei seinem Vortrag in Göttingen.

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Es gehe darum, Polymere zu entwickeln für die Anwendungswissenschaften wie die Medizin, umriss Schubert das Anliegen seiner Forschung und verwies auf die Entwicklung von Corona-Impfstoffen. Die Herausforderung in der Zukunft bestehe unter anderem darin, einerseits von Polymeren zu profitieren und sie gleichzeitig umweltschonend in einer Kreislaufwirtschaft zu nutzen. In dieser Hinsicht verwies auch Schubert auf die Notwendigkeit einer intensivierten Interdisziplinarität: „Wir müssen die Möglichkeiten an der Grenze der Disziplin ausloten, denn genau an der Grenze ist es spannend. Wir müssen lernen, miteinander zu sprechen, denn unsere wissenschaftlichen Silos sind vertieft.“

Von Eduard Warda

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