Promotionskolleg

Wissen, ausgewählt und ausgestellt

Studenten bereiten eine Ausstellung in der Kunstsammlung der Universität Göttingen vor.

Studenten bereiten eine Ausstellung in der Kunstsammlung der Universität Göttingen vor.

Göttingen/Wolfsburg. Welches Wissen findet Eingang in eine Ausstellung? Wie wird es verändert, inszeniert und vom Publikum aufgenommen? Wer sind die entscheidenden Akteure in diesem Vermittlungsprozess? Sieben Promovierende und ein Postdoktorand werden diesen Fragen im Rahmen des Promotionskollegs „Wissen / Ausstellen. Eine Wissensgeschichte von Ausstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ an der Uni Göttingen nachgehen. Die Volkswagen-Stiftung fördert das Projekt ab Oktober 2018 vier Jahre lang mit 1,7 Millionen Euro.

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„Mit dem Kolleg können wir im Rahmen unserer Initiative ‚Wissenschaft und berufliche Praxis in der Graduiertenausbildung’ eine neue Art der Doktorandenausbildung umsetzen, die sich durch besonderen Praxisbezug auszeichnet,“ erläutert Cornelia Soetbeer von der Volkswagen-Stiftung. Die Promovierenden werden über vier Jahre nicht nur von Professoren der Universität Göttingen betreut: Zum Konzept gehört auch die enge Zusammenarbeit mit sieben verschiedenen Museen, unter anderem dem Gustavianum in Uppsala, dem Museum of the Second World War in Danzig oder dem Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe.

Ein Jahr lang können die Forschenden in den Partnereinrichtungen praktische Erfahrungen sammeln. „Sie lernen die Ausstellungspraxis kennen und erfahren so in eigener Anschauung, was es heißt, Wissensbestände auszuwählen, neu zu ordnen und zu vermitteln“, erklärt die Sprecherin des Kollegs, Prof. Margarete Vöhringer. Auf diese Weise werde die von einer historischen Distanz geprägte Arbeit über Ausstellungen durch die praktische Arbeit an Ausstellungen angereichert.

Vöhringer nahm in diesem Jahr den Ruf auf die neu geschaffene Professur „Materialität des Wissens“ an der Universität Göttingen an. Ihr Fokus richtet sich darauf, wie materielle Bedingungen die Produktion und Zirkulation von Wissen beeinflussen. Die Objekte aus den 39 akademischen Sammlungen sind daher eine willkommene Grundlage ihrer Forschung und Lehre.

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Der Lehrstuhl der Kunst- und Wissenschaftshistorikerin ist eng mit dem Promotionskolleg und der Zentralen Kustodie verbunden und wird zukünftig im Forum Wissen angesiedelt sein. „Das im Bau befindliche Museum bietet einen idealen Forschungsraum für die Promovierenden“, erläutert Marie Luisa Allemeyer, Direktorin der Zentralen Kustodie und Mitantragstellerin des Projekts. Sie profitierten nicht nur von den praxisorientierten Lehr- und Forschungsstrukturen, sie arbeiteten auch interdisziplinär. Darüber hinaus erhielten sie im Forum Wissen zukünftig die Chance, ihre eigenen Ausstellungen zu entwickeln und zu kuratieren.

Das Forum Wissen wird ein modernes Museum, das Ausstellung, Hörsaal und Labor unter einem Dach vereint. Hier soll Wissen anschaulich vermittelt und mit Objekten geforscht und gelehrt werden. Besucher können somit hinter die Kulissen der Universität blicken und Einblicke in aktuelle Forschung und Lehre gewinnen. Sanierung und Ausbau des Gebäudes an der Berliner Straße 28 haben begonnen; die Eröffnung des Wissensmuseums ist für Ende 2019 geplant.

Die Zentrale Kustodie der Universität Göttingen leitet das Projekt. Sie hat die Aufgabe, die Nutzung der akademischen Sammlungen in Forschung, Lehre und Wissenschaftskommunikation zu fördern.

Von Matthias Heinzel/pug

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