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Nach Attacke auf Friedhofsgärtner

Umweltminister: Polizei muss Wolf zur Not erschießen

Ob ein Wolf den Friedhofsgärtner angriff, steht noch nicht fest.

Ob ein Wolf den Friedhofsgärtner angriff, steht noch nicht fest.

Hannover. Der mögliche Angriff eines Wolfs auf einen Friedhofsgärtner im Kreis Rotenburg heizt in Niedersachsen die Debatte um den Umgang mit dem Raubtier neu an. „Sollte es sich tatsächlich um einen Wolf handeln, wird man auf die Polizei zurückgreifen müssen. Dann muss das Tier im Rahmen der Gefahrenabwehr getötet werden“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies der HAZ. „Aber noch haben wir keine Klärung.“ Deshalb sei es sehr wichtig, die DNA-Analysen abzuwarten, die das Senckenberg-Institut in Gelnhausen unternehmen wird. Das werde einige Tage dauern.

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„Jetzt bitteschön keine Panik“

Der 55 Jahre alte Friedhosgärtner hatte berichtet, er sei am Dienstag bei der Pflege einer Grünanlage von einem Wolf in die Hand gebissen worden. Drei andere Tiere hätten den Angriff beobachtet. „Wir nehmen die Aussagen des Mannes sehr ernst“, sagte Lies: „Aber jetzt bitteschön keine Panik verbreiten: Noch ist der Vorfall nicht endgültig geklärt.“

Vor Panikreaktionen warnt auch Holger Buschmann, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes. „Wenn es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt haben sollte, kommt man um eine Entnahme nicht herum. Ich habe da aber noch große Zweifel.“ So soll es sich bei dem Angreifer um ein schwarzes Tier gehandelt haben, während die drei anderen heller gewesen seien. Es könne sich auch um entlaufene Wolfshunde gehandelt haben, die auch in Rudeln gehalten werden. „Entscheidend wird die DNA sein.“

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Nach Worten von Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft, ist ein vierköpfiges Rudel den Jägern im Landkreis Rotenburg gut bekannt: Er halte die Aussagen des Friedhofsgärtners für äußerst glaubwürdig, sagte Dammann-Tamke: „Ich möchte jetzt nicht in der Haut des Umweltministers stecken.“ So sieht es auch CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer: „Wenn wir eine entspanntere Haltung hätten, wäre der Wolf längst im Jagdrecht.“

Dass das Raubtier nicht im Jagdrecht ist, hängt mit den hohen Hürden des europäischen Artenschutzrechts zusammen. Inzwischen aber gebe es bei der EU-Kommission Bewegung, für bestimmte Regionen Sonderregelungen zu schaffen, berichtet der EU-Abgeordnete Bernd Lange (SPD). „Wir haben zweifellos mit Wölfen ein Problem in Niedersachsen, aber die Schweden haben ein noch größeres. Deshalb muss man nach regionalen Ausnahmen suchen“, sagt der EU-Fachmann.

Kritik am Wolfsmanagement

Unterdessen gerät das Wolfsmanagement von Umweltminister Lies in die Kritik. Auch bei Lies’ Koalitionspartner gibt es Unmut. Lies habe den von seinem Vorgänger Stefan Wenzel (Grüne) eingesetzten Wolfsreferenten kalt gestellt, heißt es bei der CDU. Dadurch sei das gesamte Wolfsmanagement nicht mehr handlungsfähig.

CDU, FDP und Grüne werfen Lies vor, dass er zu viele Ankündigungen mache, die er nicht einhalten könne. So sei es schwierig, Experten für die geplante Besenderung von Wölfen zu finden. Und die Raubtiere müssten ja auch erst einmal eingefangen werden.

Dass es Probleme gibt, dokumentierte das Ministerium in dieser Woche selbst, als es eine geplante Unterrichtung im Umweltausschuss zum Umgang mit dem Wolf kurzfristig absagte. „Aktuell befindet sich der Bereich Wolfsmanagement in einer turbulenten Umbruchphase“, hieß es in der Mail des Ministeriums an den Landtag. „Gleichzeitig sind die vorhandenen Kräfte mit der Bewältigung der zahlreichen aktuell laufenden Managementaufgaben befasst.“

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Von Michael B. Berger und Marco Seng

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