Erstaunliche Schwächen

Mazda CX-60 im Alltagstest: fesches Flaggschiff mit Fahrwerkmängeln

Der Mazda CX60 überzeugt durch seine Verarbeitung und Wertigkeit, allerdings fällt die mangelnde Fahrwerkabstimmung bei einem Gesamturteil deutlich ins Gewicht.

Der Mazda CX60 überzeugt durch seine Verarbeitung und Wertigkeit, allerdings fällt die mangelnde Fahrwerkabstimmung bei einem Gesamturteil deutlich ins Gewicht.

Es mag einem wie eine Ewigkeit vorkommen, dass die Limousine – Motor, vier Türen, Kofferraum, so sahen damals, in den Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahren Autos aus –, das standesgemäße Flaggschiff beinahe einer jeden Automarke war. Im Topmodell mit mächtig Pferdestärken und auch sonst allem Zipp und Zapp zeigten die Hersteller, was sie konnten und was sie zu bieten hatten.

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Heraus kam dabei dann so etwas wie die seinerzeit nicht nur von Mercedes selbst als „das beste Auto der Welt“ gefeierte S-Klasse. Längst aber hat das SUV, das Sports Utility Vehicle, den Platz als Imageträger eingenommen, und selbst Marken wie Lamborghini, Lotus oder Ferrari, deren DNA eigentlich genau das Gegenteil eines tonnenschweren SUVs verspricht, scheinen sich diesem Trend nicht verweigern zu können.

Wer also wollte es Mazda dann vorwerfen, dass auch dort die Modellpalette nun von einem standesgemäßen (Möchtegern-)Luxusgeländewagen angeführt wird?! So ist der Mazda CX-60 eine komplette Neuentwicklung und gleichzeitig der erste Plug-in-Hybrid der japanischen Marke, der einen Verbrenner mit 191 PS und mit einem 175 PS starken Elektromotor kombiniert und eine Systemleistung von 327 Pferdestärken generiert.

Klare Konturen kennzeichnen auch die Fahrzeigfront.

Klare Konturen kennzeichnen auch die Fahrzeigfront.

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Bullig wirkendes Auto mit „Linke Spur“-Garantie

Das klingt potent, und genauso tritt der CX-60, hier getestet in der Topversion Takumi e-Skyactiv PHEV AT AWD mit Allrad und Achtgangautomatik, auch auf. Denn der größte Mazda geht nicht nur Mazda-intern, sondern auch markenübergreifend als mächtiges, ja bullig wirkendes Auto mit „Linke Spur“-Garantie durch – das sich allerdings dennoch durch eine zurückhaltende, bewusst klassische Eleganz auszeichnet und damit deutlich näher an der Formensprache eines Range Rover ist als an der eines Mercedes EQS SUV.

Designtechnische Spielereien haben sich die Ingenieurinnen und Ingenieure des CX-60 ganz offensichtlich verboten, sodass der Auftritt des Mazda wie aus einem Guss wirkt. Ein Eindruck, der sich im luftigen Innenraum fortsetzt, der vorne wie hinten viel Platz auch für Große bietet. Die verschiedenen Materialien, etwa Leder, Holz, Aluminium oder geschäumter Kunststoff, sehen nicht nur hochwertig aus, sondern fassen sich auch allesamt so an.

„Premium“ hat offensichtlich im Designlastenheft gestanden

Lediglich dort, wo man ohnehin eher selten hinschaut, etwa im Fußraum oder im unteren Bereich der Türverkleidungen ist auch harter Kunststoff verbaut, der allerdings dennoch nicht billig wirkt. „Premium“, das hat ganz offensichtlich im Lastenheft der Designerinnen und Designer gestanden, und tatsächlich muss sich dieser Mazda in Sachen Verarbeitung und Materialgüte vor Audi, Mercedes oder BMW gewiss nicht verstecken.

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Apropos BMW. Auch Mazda setzt beim CX-60 auf einen Drehdrückregler, wie ihn die Bayern mit ihrem iDrive-Controller schon seit vielen Jahren einsetzen, um nahezu alle Navigations-, Telekommunikations-, Audio- und Fahrwerkseinstellungen zu steuern. Wohltuend, denn so bleibt einem hier zum Glück der Frust über zu weit vom Fahrersitz entfernt liegende und obendrein vielleicht auch noch zu langsam reagierende Touchscreens, wie man sie ansonsten heute zuhauf findet, erspart.

Aufgeräumt und wertig: Der Arbeitsplatz des Mazda CX6.

Aufgeräumt und wertig: Der Arbeitsplatz des Mazda CX6.

Zudem wird die Klimatisierung über eine eigene Leiste mit Tasten geregelt, was ins Gesamtbild eines Innenraums passt, der eben nicht nur optisch, sondern auch funktional einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Dass im Testfahrzeug in der (höchsten) Ausstattungslinie Takumi plus dem sogenannten „Driver Assistance Paket“ darüber hinaus so ziemlich alle Assistenten an Bord sind, die den heutigen Stand der (Sicherheits-)Technik definieren, bringt dem CX-60 einen Vertrauensvorschuss ein, ohne dass man überhaupt auch nur ein paar Meter gefahren wäre.

Genau hier aber, beim Fahren, liegen der eine und auch noch manch andere Haken. Es beginnt damit, dass CX-60, der objektiv dank eines Beschleunigungswertes von 6,1 Sekunden von null auf hundert km/h auf Hot-Hatch-Niveau liegt, subjektiv betrachtet, schwer zu kämpfen hat mit den rund 2,1 Tonnen, die er auf die Waage bringt. Trotz der hervorragenden Beschleunigung wird man das Gefühl einfach nicht los, dass sich die beiden Motoren nie ganz einig sind darin, wie man dieses Schwergewicht auf Touren bringen will.

Geräuschkulisse hat Nervpotenzial

Ein harmonisches Zusammenspiel von Verbrenner und Elektromotor sieht jedenfalls anders aus als beim CX-60 – und hört sich auch anders an. Denn die Mär, dass man von einem Elektroauto so gut wie nichts höre, widerlegt der Mazda im reinen Elektrobetrieb unangenehm deutlich. Die Geräuschkulisse, die dann (wohl) vom Elektromotor ausgeht, hat Nervpotenzial. Dass die achtstufige Automatik zudem ebenfalls ein gestörtes Verhältnis zu Harmonie und Gleichklang hat, macht die Sache nicht besser und eigentlich keine Fahrt zum Freudenquell.

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Nun gut, man mag diese Kritik am Antriebsstrang als Jammern auf hohem Niveau bezeichnen, zumal der Verbrauch von rund fünf Litern im gemischten Verbrauch (also, wenn der Akku gefüllt ist – rein elektrisch sind rund 50 Kilometer machbar) und von 8,8 Litern im reinen Verbrennerbetrieb durchaus annehmbar ist für ein Auto dieser Klasse. Vielleicht wäre man also bereit, Geräuschniveau und disharmonische Abstimmung der Antriebsaggregate als verzeihliche Kinderkrankheiten und als „nur“ komfortmindernd zu verbuchen.

Unverzeihliche Fahrwerkmängel

Absolut nicht verzeihlich und längst nicht nur komfortmindernd aber ist das Fahrverhalten, dass der Mazda unter bestimmten Bedingungen an den Tag legt. Denn wie bereits einige Magazine berichtet haben, weist der CX-60 ein deutliches Abstimmungsproblem auch beim Fahrwerk auf. So neigt das Auto bei aufeinanderfolgenden Bodenwellen dazu, dass im schlechtesten Fall die Hinterräder für eine Moment keinen Fahrbahnkontakt mehr haben. Was wiederum dazu führt, dass die ohnehin nicht sonderlich präzise, arg synthetische Lenkung ein Gefühl mangelnder Spurtreue verursacht.

Die Heckansicht des Mazda CX6 verleiht dem Wagen eine schlanke Note.

Die Heckansicht des Mazda CX6 verleiht dem Wagen eine schlanke Note.

Das kann durchaus mehr als nur unangenehme Folgen haben, und das längst nicht nur „im Grenzbereich“, in dem die Kollegen besagter Blätter den CX-60 wohl auch bewegt haben. Für den weniger geübten oder vielleicht grundsätzlich auch etwas ängstlicheren Fahrer oder die Fahrerin kann ein solcher Schreckmoment, gerade bei höheren Geschwindigkeiten, schon ausreichen, um möglicherweise panisch zu reagieren und so die die Kontrolle über das Auto zu verlieren. Da hilft es wenig bis nichts, dass der CX-60 aus Tempo 100 nach gerade einmal 32,3 Meter zum Stehen kommt (im warmen Bremsenzustand), ein Wert also, den vor nicht allzu langer Zeit selbst manch reinrassiger Sportwagen noch nicht erreichte.

Wie kann es sein, dass ein Hersteller derartige Schwächen übersieht?

Mazda hat die Kritik am Fahrverhalten dann auch bereits zur Kenntnis genommen und zugesagt, dass man darauf zeitnah reagieren werde. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, wie es sein kann, dass ein Hersteller derartige Schwächen übersieht und ein funkelnagelneues Modell auf die Straße bringt, das offensichtlich noch keine umfassende Serienreife aufweist.

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Das ist schade, auch für Mazda, denn ohne diese Schwächen, die wahrscheinlich ohne allzu großen Aufwand behoben werden können, wäre der CX-60 ein ziemlich gutes Reiseauto angesichts eines Kofferraumvolumens von bis zu mehr als 1700 Litern und einer zulässigen Anhängelast von 2,5 Tonnen. Und nicht zuletzt wären auch die sechsjährige Garantie sowie ein Preis von rund 57.000 Euro für die getestete Version durchaus Argumente für den CX-60, mit denen die Konkurrenten, wie ein vergleichbar ausgestatteter BMW X3 nicht annährend mithalten könnten. Hätte, Wenn und Aber – zunächst lautet die Aufgabenstellung beim CX-60: mehr Feinschliff!

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