VWs ID.4-Modell Pro 4Motion im Test

Allradspaß auf Schotterpisten

Macht auch abseits geteerter Straßen eine gute Figur: der ID.4 Pro 4Motion.

Macht auch abseits geteerter Straßen eine gute Figur: der ID.4 Pro 4Motion.

Volkswagen hat seiner elektrischen ID.4-Baureihe ein neues Modell hinzugefügt – den ID.4 Pro 4Motion. Dessen Fähigkeiten auch abseits des Asphalts konnten wir jetzt im Inselstaat Island testen. Und Island, das jüngst erst wieder mit spektakulären Vulkanausbruchsbildern von sich Reden gemacht hatte, zeigte sich von seiner Sonnenseite: Blauer Himmel, weiße Wolkenfetzen und Sonnenschein waren eher Programm als das berüchtigte herbstlich-dunkelgraue Regenstakkato.

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So erschien auch der neue ID.4 Pro 4Motion – in unserer Testversion ganz in Schwarz – in gutem Licht. Die neue Allradvariante des erfolgreichsten Elektro-VW (2021 wurden bereits 163.000 Autos ausgeliefert) reiht sich unterhalb der Topvariante GTX ein und ist in Deutschland ab 49.020 Euro zu haben. Er ist einen Hauch schwächer motorisiert als der große Bruder (195 kW/265 PS statt 220 kW/299 PS), was aber im dual-motorisierten Elektro-Alltag eher nachrangig ist.

Auf Schotter wird der ID.4 Pro zum trittfesten Spaßmobil

Auf Island mit seinem strengen Temporegiment von 90 km/h erst recht. Und so kommt der ID.4 Pro mit seinen Motoren an Vorder- und Hinterachse auf der riesigen Insel auch perfekt zurecht. Von Naturwunder zu Naturwunder fährt er entspannt und souverän: Auf Asphalt gefällt die stabile Straßenlage, auf Schotter wird der Allradler geradezu zum Spaßmobil, bringt seine immer noch kraftvollen 265 PS mit allen vier Reifen so trittfest auf den vulkanischen Untergrund, dass mancher sich angesichts des fröhlichen Driftens auf den Kiespisten schon beinahe wie ein Rallye-Pilot fühlen darf. Da wird ordentlich Staub aufgewirbelt und der brave Familien-SUV beweist seine sportlichen Qualitäten – jenseits altbackener Messkriterien wie Sprintzeiten von 0 auf 100 Stundenkilometer oder Endgeschwindigkeit (die ist, wie beim GTX, auf 180 km/h abgeriegelt) – ein Wolfsburger im Schafspelz.

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Test im Norden: Der neue ID.4 Pro 4 Motion unterwegs in Island.

Test im Norden: Der neue ID.4 Pro 4 Motion unterwegs in Island.

Auf dem schlüpfrigen Untergrund zeigt sich die entscheidende Tugend des elektronischen präzise abgestimmten Allradantriebs: Was dem geübten Fahrer Spaß macht, das Schleudern auf rutschigem Geläuf, ist die Alltagsversicherung für diejenigen, die keine Rennfahrer in ihrer Ahnenreihe vorzuweisen haben. Wie auf Schienen läuft der ID.4 Pro, verteilt seine Kraft immer zum Wohle des Fahrenden auf die Straße. Und das bei einer zertifizierten Reichweite von 450 Kilometern im Mix respektive 520 Kilometern innerstädtisch.

Bei defensiver Fahrweise lassen sich diese Normwerte gewiss noch überbieten. Denn das Fahren im ID.4 Pro 4Motion – zumindest vor Islands Wechselspiel der atemberaubenden Naturkulissen – verleitet zu einer ganz anderen Sportlichkeit: dem Segeln, das heißt, dem Energiegewinnen beim beinahe reibungsfreien Dahingleiten in der Fahrstufe D. Diese Erkenntnis allerdings, sie reifte bei uns eher aus einer Notsituation heraus. Auf der letzten Etappe der ausführlichen Testfahrten galt es eine Bergkette zu überqueren. Aus der Restreichweite von gut 180 Kilometern wurden unversehens 43 Kilometer nach Erklimmen des Passes. Die Entfernung in die Hauptstadt Reykjavík hingegen betrug 38 Kilometer. Ein Puffer von gerade mal 5 Kilometern ließ uns doch etwas nervös werden.

„Immer das Segeln wählen“

Denn das Navigationssystem war so eingestellt, dass es uns zur nächstgelegenen Ladesäule beordern wollte – knapp 50 Kilometer zurück in die entgegengesetzte Richtung unseres Ziels. Eine Option, die sich ausschalten lässt – wir wussten bloß nicht, wie. Und auch die Berechnung des Endverbrauchs unter Einbeziehung der Topografie war dem Navi nicht zu entlocken. Zum Glück hatten wir uns am Vorabend lange mit Dimitri Asmus aus Volkswagens Technischer Entwicklung darüber unterhalten, wie sich denn bei Elektrofahrzeugen am meisten Energie zurückgewinnen ließe – durch das Bremsen oder das Segeln? Die klare Antwort des Experten lautete: „Immer das Segeln wählen.“ Und so lautete der ebenso unausweichliche wie trotzige Beschluss: Wir versuchen es damit.

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Bergab keine allzu wagemutige Entscheidung, aber das Ergebnis verblüffte trotzdem. Nach Ende der Abfahrt, am Ziel in Reykjavík, hatte das ausgeklügelte Energierückgewinnungs-System des ID.4 Pro eine Reichweite von 48 Kilometern zurückgewonnen. Bei aller Kritik an den recht kompliziert versteckten Einstellungsoptionen für die Fahrzeugnavigation versöhnte uns das hervorragende Rekuperationsverhalten des Fahrzeugs mit dem Schreckmoment, in dem wir dachten, irgendwo in der pittoresken Ödnis Islands liegenzubleiben. Allerdings handelte es sich bei unserem Testwagen noch um ein Entwicklungsfahrzeug, etwaige Unwägbarkeiten in der Bedienung können also noch behoben werden.

Nutzt man die cloudgestützte Funktion „Travel Assist mit Schwarmdaten“ bedient sich der ID.4 Pro 4Motion übrigens der kollektiven Intelligenz aller angemeldeten VW-Nutzerinnen und -Nutzer. Aufgrund der Erfahrungen der anderen berechnet die Software dann die ideale Mitte der eigenen Fahrspur und hält den Wagen so auf Kurs. Derlei Intelligenz kann manchmal auch zu einer gewissen Bevormundung des Fahrenden führen, wenn der ID.4 etwa der Meinung ist, im Kurvenverlauf unvermittelt anbremsen oder anderweitig pädagogisch eingreifen zu müssen, etwa bei Geschwindigkeitsbegrenzungen vor Ortschaften. All diese Gadgets, die in anderen Situationen ja durchaus hilfreich sein könnten, haben aber den immensen Vorteil, auch ausgeschaltet werden zu können, sofern man weiß, wie.

Fazit: Insgesamt machte der ID.4 Pro 4Motion seine Sache auf Island nicht spürbar schlechter als ID.4 GTX und ID.5 GTX, die zum Vergleich ebenfalls bereitstanden. Der Preisunterscheid von rund 4000 Euro zum ID.4 GTX könnte für viele ein Kauf- oder Leasinganreiz sein, Einbußen an Komfort und Praxistauglichkeit sind uns ad hoc nicht aufgefallen. Wenn die eine oder andere Holprigkeit in der Menüführung beseitigt sein wird, hat der ID.4 Pro 4Motion durchaus das Zeug zum Bestseller innerhalb der ID.4-Palette.

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