Sinkender Immunschutz

Corona-Impfung: Braucht es den zweiten Booster für alle?

Für Geimpfte und Genesene wird es Lockerungen bei den Corona-Regeln geben. Ihren Status müssen sie nachweisen können.

Älteren wird eine vierte Impfdosis in Deutschland bereits empfohlen.

Durch eine Corona-Impfung baut sich eine solide Immunantwort auf, die vor allem vor Krankheit und Tod schützt. Zahlreiche Studien haben aber gezeigt, dass das Level für den Immunschutz gegen Omikron-relevanter Antikörper im Schnitt rund drei Monate nach der letzten Impfung wieder abnehmen kann. Bei Delta sind es rund sechs Monate. Auch wenige Monate nach dem Booster ist das so, hält das Robert Koch-Institut (RKI) fest.

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Vierte Corona-Impfung: Vorsorglicher zweiten Booster vor dem Herbst?

Vor diesem Hintergrund steht zur Debatte, ob man vorsorglich alle Menschen mit einem zweiten Booster versorgen sollte, um sich auf erwartbare Infektionswellen im Herbst vorzubereiten. Schweden geht diesen Weg bereits. Dort wird allen Menschen ab 65 Jahren und Risikogruppen bereits eine fünfte Corona-Impfung im Herbst empfohlen. Alle anderen Erwachsenen dürften eine vierte Impfung bekommen, wenn sie das wünschten, hieß es. Dazu könnten etwa Menschen zählen, die auf die 65 zugehen oder mit einem Menschen, für den ein besonderes Risiko besteht, zusammenwohnen. Menschen ab 65 Jahren hatten zuvor schon eine vierte Impfung angeboten bekommen.

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Erste politische Pläne gibt es auch in Deutschland. Der Bund hatte Mitte Mai angekündigt, zusätzlichen Corona-Impfstoff für den Herbst zu bestellen und damit auch mehrere mögliche Virusvarianten breiter abdecken zu können. Die EMA rechnet zudem damit, dass ab September ein auf Omikron angepasster Impfstoff zugelassen werden könnte. Und für bestimmte Bevölkerungsgruppen wird eine vierte Dosis mit den bisherigen Mitteln hierzulande bereits empfohlen – seit Februar. Aber eben noch nicht für alle.

Ältere Menschen sollten nicht mit dem zweiten Booster warten

Angesichts vielversprechender Daten aus Israel empfiehlt die Stiko vorsorglich allen Menschen ab 70 Jahren, in Pflegeeinrichtungen Lebenden, Menschen mit Immunschwäche ab fünf Jahren sowie Beschäftigten in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen eine zweite Auffrischungsdosis mit einem der bestehenden mRNA-Impfstoffe. Denn bei Älteren und Immungeschwächten kann der Impfschutz geringer ausfallen als bei Menschen mit gesundem Immunsystem.

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Bei den über 70-Jährigen und Menschen mit Immunschwäche soll die zweite Dosis der Stiko zufolge mit den bestehenden Mitteln von Biontech oder Moderna erfolgen – möglichst drei Monate nach dem ersten Booster. Personal in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen soll den zweiten Booster frühestens nach sechs Monaten erhalten. In begründeten Einzelfällen könne die Auffrischimpfung in dieser Gruppe auch schon nach drei Monaten erwogen werden. Wer sich nach der Grundimmunisierung und dem Booster mit dem Coronavirus angesteckt hat, soll sich vorerst nicht noch einmal impfen lassen.

Die vierte Impfung senke das Risiko gegen schwere Krankheit im Vergleich zur dritten Dosis um weitere 77 Prozent, resümierte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zuletzt bei Twitter den Vorteil des weiteren Boosters. „Damit wäre das Risiko auch älterer Menschen sehr gering, schwer zu erkranken.“ Der Schutz halte auch relativ lange an. Er kritisierte: „Wir nutzen die 4. Impfung zu wenig.“ In der Tat haben erst 18,2 Prozent der über 60-Jährigen eine zweite Auffrischung erhalten, wie aus dem RKI-Impfquotenmonitoring hervorgeht (Stand: 2. Juni).

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Zweiter Booster für alle?

Forschende und Gesundheitsbehörden sind sich allerdings noch nicht einig, ob es die Auffrischimpfung auch für alle braucht - oder ob der Impfschutz einmal Geboosterter womöglich ausreicht. Daten der Impfstoffhersteller zu einem angepassten Impfstoff liegen bislang ebenfalls noch nicht vor. Ebenso wenig gibt es eine Garantie, dass Omikron im Herbst überhaupt noch die dominierende Mutante ist – oder vielleicht eine ganz andere, die wiederum andere Impfstoffanpassungen notwendig werden lassen könnte.

Alternativ könnte man auch schon jetzt mit einem zweiten Booster vorsorgen. Dafür stünden dann die bereits zugelassenen mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna zur Verfügung. Empfohlen wird das für alle Menschen aber nicht. Denn inwiefern so ein Booster Sinn macht, ist ebenfalls noch unklar. Zu diesem Schluss kommen die Europäische Seuchenschutzbehörde (ECDC) und die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA). Es sei „zu früh“, um die Verwendung einer vierten Dosis von mRNA-Impfstoffen in der Allgemeinbevölkerung in Betracht zu ziehen, heißt es in einer Mitteilung von Anfang April.

Die europäische Gesundheitsbehörde gibt grundsätzlich grünes Licht für eine vierte Dosis bei über 80-Jährigen. Bei immungesunden Menschen im Alter zwischen 60 und 79 Jahren gebe es bislang hingegen keine eindeutigen Beweise dazu, dass der Impfschutz gegen schweres Covid-19 erheblich nachlässt. Und bei unter 60-Jährigen gebe es momentan keine schlüssigen Beweise dafür, dass eine vierte Dosis einen Mehrwert bietet. Sicherheitsbedenken bei zusätzlichen Boostern zeigten bisherige Studien aber auch nicht.

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Gesundheitsbehörden raten vorerst von vierter Impfung für alle ab

Es ist auch nicht so, dass Geimpfte und Geboosterte dem Coronavirus plötzlich von einem Tag auf den anderen wieder komplett schutzlos entgegentreten. Der Schutz vor schwerer Erkrankung bleibt nach allem, was man bisher weiß, bei immungesunden Menschen „weitgehend“ und „langanhaltend“ bestehen, hält die Gesellschaft für Immunologie in einer Stellungnahme von Ende Februar fest. Unklar ist allerdings, wie lange genau, und wie der Schutz bei neueren Virusvarianten wie BA.4 und BA.5 ausfällt.

Klar ist nur: Alle bisherigen Omikron-Subtypen unterlaufen bei einmal Geboosterten vor allem den Schutz vor Ansteckung, nur teilweise vor der Krankheit Covid-19. Wie der Schutz langfristig über mehrere Jahre ausfällt, weiß man noch nicht, weil es die Impfungen und Booster noch nicht so lange gibt. Auch die Ständige Impfkommission (Stiko), die Impfempfehlungen für Deutschland ausspricht, ist deshalb bislang gegen eine zweite Auffrischungsdosis für die gesamte Bevölkerung.

Dieser Artikel wurde am 2. Juni 2022 aktualisiert.

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