„Starten mit einer höheren Belastung in den Herbst“

Immer mehr Patienten, Personalnot und Angst vor dem Herbst: Die Corona-Lage in den Krankenhäusern ist ernst

Die Corona-Pandemie belastet Belegschaft in den Kliniken weiterhin.

Die Corona-Pandemie belastet Belegschaft in den Kliniken weiterhin.

Die Covid-Sommerwelle rollt weiter. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in seinem zuletzt veröffentlichten Wochenbericht erneut einen Anstieg der nachgewiesenen Infektionen registriert. Die Dunkelziffer ist zudem zwar weiterhin unbekannt, Schätzungen zufolge aber hoch. Immer mehr Menschen erkranken in Deutschland an Covid-19 – und die Krankenhäuser behandeln dementsprechend immer mehr schwer erkrankte Patientinnen und Patienten.

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Krankenhäuser von Personalausfällen „sehr stark betroffen“

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Patientinnen und ‑Patienten mit Corona in deutschen Krankenhäusern schon jetzt doppelt so hoch. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) verzeichnete vor einer Woche 16.387 positiv getestete Patientinnen und Patienten auf Normalstationen und damit einen Anstieg von 13,1 Prozent zur Vorwoche. In diesen Daten sind jedoch nicht die Zahlen aus Mecklenburg-Vorpommern inbegriffen, weil das Bundesland die Belegungszahlen seit Juni nicht mehr erhebt.

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Die DKG betont, dass die Lage in den Kliniken angespannt ist – nicht nur wegen der gestiegenen Zahl an Corona-Infizierten im Land. „Die Krankenhäuser sind nach wie vor sehr stark von Quarantäne und Erkrankung ihrer Beschäftigten betroffen“, sagte Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Personalausfälle sorgten demnach dafür, dass planbare Operationen in zahlreichen Kliniken wieder verschoben werden müssten. In vielen Krankenhäusern müssten zudem schon ganze Bereiche abgemeldet werden.

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Viermal so viele Covid-Patienten auf Intensivstationen

Auch die Intensivstationen behandeln nun mehr Covid-Patientinnen und ‑Patienten: Schon jetzt seienviermal so viele Corona-Fälle auf den Intensivstationen wie zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr“, sagt Neumeyer. Derzeit sind 1555 Menschen bundesweit aufgrund ihrer schweren Covid-19-Erkrankung in intensivmedizinischer Behandlung, wie aus dem aktuellen Tagesreport des Intensivregisters der Deutschen interdisziplinären Vereinigung der Intensivmediziner (Divi) vom Montag hervorgeht. Vor einem Jahr waren zum gleichen Zeitpunkt 372 Corona-Infizierte in intensivmedizinischer Behandlung.

Laut des RKI-Wochenberichts hat es allein in der vergangenen Woche 3300 neue Krankenhausaufnahmen aufgrund von Covid-19 in Deutschland gegeben. Von schweren Erkrankungen seien demnach weiterhin über 80‑Jährige am stärksten betroffen.

Bei der Entwicklung der Corona-Belegungszahlen in den Normal- und Intensivstationen gibt es teils starke regionale Unterschiede. Während Thüringen in der vergangenen Woche einen Anstieg von über 36 Prozent im Vergleich zur Vorwoche verzeichnete, wurden in Bremer Krankenhäuser knapp 10 Prozent weniger Covid-Patientinnen und -Patienten behandelt. Rheinland-Pfalz hatte in der vergangenen Woche 60 Prozent mehr Covid-Intensivpatientinnen und -Intensivpatienten als in der Vorwoche gezählt, in Hamburg ging die Zahl dagegen um 21 Prozent zurück.

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„Starten mit einer höheren Belastung in den Herbst“

Angesichts der aktuellen Lage wachsen die Sorgen vor einer noch höheren Belastung für die Kliniken im Herbst. Die aktuelle Corona-Lage bedeute für die Krankenhäuser, „dass wir mit einer viel höheren Belastung bereits in den Herbst starten“, so Neumeyer. „Zusammen mit den hohen Personalausfällen könnte dies wieder zu extremen Belastungen im Herbst führen“, sagte sie.

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat bei einem Besuch in der US-Hauptstadt Washington angesichts der Personalnot in den Kliniken bereits vor dem Herbst gewarnt. „Das ist wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt“, sagte Lauterbach der Deutschen Presse-Agentur. Unten brenne das Personal weg und oben die Patientinnen und Patienten.

Die Situation in den Krankenhäusern wird auch maßgeblich davon abhängen, wie sich die Infektionslage in Deutschland entwickelt. Kai Nagel, Modellierer von der Technischen Universität Berlin, beobachtete in dem Modell seines Experten- und Expertinnenteams zwar eine momentane Dämpfung der Sommerwelle aufgrund der Sommerferien. „Nach den Sommerferien geht unser Modell davon aus, dass die BA.5-Welle durch Reiserückkehrer und Reiserückkehrerinnen und auch durch den Schulbeginn wieder Auftrieb bekommt“, sagte er am Freitag.

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RND/bk/nje/dpa

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