Delta-Variante: Was zu Impfschutz, Ansteckungsrisiko und Symptomen bekannt ist

Virusvarianten wie Delta verringern zwar den Schutz der Impfstoffe – bislang fällt die Immunantwort aber noch ausreichend gut aus.

Die Delta-Variante (B.1617.2) bereitet Sorgen in ganz Europa. Statt der angekündigten Lockerungen hat Großbritannien die noch geltenden Corona-Maßnahmen bis zum 19. Juli verlängert. Portugal hat Lissabon am vergangenen Wochenende teilweise abgeriegelt. Und auch in Deutschland warnen Expertinnen und Experten davor, dass mit der weiteren Ausbreitung von Delta das Risiko für eine vierte Infektionswelle zunimmt.

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Nach anfänglicher Unsicherheit – wie auch Anfang des Jahres bei der Alpha-Variante – gibt es inzwischen auch mehr Daten zu Impfschutz und Übertragbarkeit bei der Delta-Variante. Was ist inzwischen über den veränderten Erreger bekannt, und wie viel Sorge ist angemessen? Ein Überblick.

Wieso ist die Delta-Variante besorgniserregend?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von einer weiteren Ausbreitung der Delta-Variante in Europa aus. Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, erklärte, die Delta-Variante sei im Begriff, sich in der Region durchzusetzen. Die WHO stuft die zuerst in Indien registrierte Variante als „besorgniserregend“, also als „Variant of Concern“, ein. Als „besorgniserregende“ Mutanten stehen ebenfalls B.1.1.7 aus Großbritannien, B.1.351 aus Südafrika und P.1 aus Brasilien unter Beobachtung. Gemeint ist damit:

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Eine Variante, für die es Hinweise auf eine erhöhte Übertragbarkeit, eine schwerere Erkrankung (zum Beispiel vermehrte Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle), eine signifikante Verringerung der Neutralisierung durch Antikörper, die bei einer früheren Infektion oder Impfung gebildet wurden, eine verringerte Wirksamkeit von Behandlungen oder Impfstoffen oder diagnostische Erkennungsfehler gibt.

Centers for Disease Control and Prevention

In Deutschland bleibt die Alpha-Variante bislang weiterhin dominant, die Delta-Variante ist aber auf dem Vormarsch. Ihr Anteil an den untersuchten Proben betrug im aktuellen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 6 Prozent. In der Vorwoche, mit Analysen vom 24. bis 30. Mai, waren es noch 2,5 Prozent. Die Entwicklung der Wochen zuvor beschreibt das RKI in der Tendenz als ansteigend, wenngleich noch auf niedrigem Niveau.

Expertinnen und Experten rechnen mit einer weiteren Ausbreitung hierzulande. Der Virologe Christian Drosten plädiert angesichts der Entwicklung dafür, das Bewusstsein für die Bedeutung der Impfung zu stärken. „Das ist wirklich das, was wir jetzt machen müssen“, sagte der Experte der Berliner Charité im Podcast „Coronavirus-Update“ (NDR-Info). Er legte sich nicht fest, ob es wegen der Ausbreitung der Delta-Variante bereits im Sommer oder erst im Herbst zu einer Trendumkehr kommen könnte. Im Herbst werde die Inzidenz auf jeden Fall wieder steigen, sagte Drosten und betonte die Wichtigkeit der Impfung bei Eltern von Schulkindern.

In England, wo sich die Corona-Lage wegen der Delta-Variante wieder verschlechtert hat, sei die Sieben-Tage-Inzidenz ausgehend von einem Niveau von 25 wieder angestiegen. „Man hatte nicht so weit runtergebremst, wie wir das jetzt in Deutschland schon gemacht haben.“

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Wie unterscheidet sich Delta vom Coronavirus-Wildtyp?

Die Aufnahme von Forschern des TU Wien Spin-off-Nanographics zeigt eine durch neue Techniken entstandene 3-D-Abbildung von SARS-CoV-2-Viren aus schockgefrorenen Proben. Deutlich zu erkennen ist das rosa gefärbte sogenannte Spike-Protein an der Oberfläche, mit dem sich das Virus an die Körperzellen anheftet und schließlich in sie eindringt.

Die Aufnahme von Forschern des TU Wien Spin-off-Nanographics zeigt eine durch neue Techniken entstandene 3-D-Abbildung von SARS-CoV-2-Viren aus schockgefrorenen Proben. Deutlich zu erkennen ist das rosa gefärbte sogenannte Spike-Protein an der Oberfläche, mit dem sich das Virus an die Körperzellen anheftet und schließlich in sie eindringt.

Die Virusvariante B.1.617 besitzt Mutationen an drei strukturell wichtigen Stellen: L452R, E484Q und P681R. Diese können die Eigenschaften von SARS-CoV-2 beeinflussen, etwa den menschlichen Immunschutz nach Impfung oder Genesung überlisten oder das Virus übertragbarer werden lassen. Denn sie führen zu einem Austausch von Aminosäuren in der Proteinsequenz des Spike-Proteins, das sich an der Oberfläche des Virus befindet und die Bindung des Virus an die menschliche Zelle ermöglicht.

Gefährdet Delta den Corona-Impfschutz?

Zu möglichen Auswirkungen auf die Impfungen gibt es inzwischen mehrere laborexperimentelle und epidemiologische Daten aus Großbritannien. Und die stimmen zuversichtlich, dass nach einer vollständigen Impfung weiterhin mit einer ausreichenden Schutzwirkung gegen schwere Verläufe zu rechnen ist. Die Frage ist nur, wie hoch die Wirksamkeit bei den einzelnen Vakzinen noch ausfällt.

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Die gute Nachricht: Ein Klinikaufenthalt wird nach aktuellen Erkenntnissen der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England weiterhin in den allermeisten Fällen verhindert. Laut einer neueren britischen Datenanalyse werden mit zwei Dosen weiterhin sehr gut schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante verhindert – bei dem Vakzin von Biontech/Pfizer zu 96 Prozent, bei Astrazeneca zu 92 Prozent. Damit betonen die Behörden, dass die zügige Verabreichung der zweiten Dosis mit der Ausbreitung von Delta umso wichtiger würde.

Die Effektivität sei in etwa so hoch wie bei der zuvor dominierenden Alpha-Variante (B.1.1.7). Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung wurde bei den vollständig Geimpften jeweils um mehr als 90 Prozent verglichen mit dem von Ungeimpften verringert. Der US-amerikanische Virologe Anthony Fauci sagte gegenüber „The Washington Post“, dass auch beim Moderna-Vakzin mit ähnlichen Effektivitätsraten wie beim mRNA-Impfstoff von Biontech zu rechnen sei. Zur Wirksamkeit beim Vakzin von Johnson & Johnson und der Delta-Variante liegen noch keine Daten vor.

Die wichtige Nachricht, wenn es um das Fallenlassen von Schutzmaßnahmen wie Maskentragen und Abstand geht: Grundsätzlich angesteckt werden können auch Geimpfte, und das bei der Delta-Variante wohl etwas leichter als noch bei Alpha. Das Biontech-Vakzin schützt noch zu 79 Prozent vor Infektion, bei Astrazeneca zu 60 Prozent. Setzt sich die Delta-Variante hierzulande durch, bedeutet das also: Geimpfte können trotz Impfung wahrscheinlicher milde Symptome entwickeln – und auch eine größere Gefahr für Nichtgeimpfte darstellen.

Ist die Delta-Variante ansteckender?

Einig sind sich Expertinnen und Experten aus Epidemiologie und Virologie, dass die Delta-Variante deutlich übertragbarer ist als bisher kursierende Virusvarianten – was vor allem noch nicht Geimpfte treffen könnte. Zusammenhängen könnte das möglicherweise mit einer höheren Viruslast.

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Einen genauen Wert zu ermitteln, um wie viel ansteckender Delta genau ist, gestaltet sich allerdings schwierig. Bislang gibt es nur Schätzungen. Das Expertengremium Public Health England geht aufgrund verschiedener Analysen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer „substanziell erhöhten Wachstumsrate“ aus, und spricht von 40 und 60 Prozent höherer Übertragbarkeit als noch bei der Alpha-Variante. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sprach gegenüber der BBC zuletzt von 40 Prozent.

Offener formulieren es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom London Imperial College. Die Delta-Variante werde „zwischen 30 und 100 Prozent übertragbarer angesehen als die Alpha-Variante“, heißt es in einer Anfang Juni veröffentlichten Mitteilung, in welcher der Epidemiologe Neil Ferguson vor erneut exponentiellem Fallwachstum in Großbritannien warnt.

Auch für Deutschland zeigen Modellierungen, dass im Herbst eine vierte Infektionswelle kommen könnte, das Erreichen der Herdenimmunität durch Delta schwieriger würde und es dafür nun mehr als 80 Prozent Geimpfte bräuchte. Durch die Impfungen würde die Sterblichkeit aber wahrscheinlich nicht mehr so hoch ausfallen wie noch im vergangenen Jahr.

Verläuft Covid-19 schwerer und sind die Symptome anders als bei Delta?

Infektionen mit der Delta-Variante könnten laut dem Robert Koch-Institut bei fehlendem Immunschutz auch zu schwereren Krankheitsverläufen führen. Das zeigen auch neuere Daten einer schottischen Studie, die Mitte Juni auch in der Fachzeitschrift „Lancet“ erschienen ist. Demnach hatten Infizierte mit der Delta-Variante doppelt so häufig krankenhauspflichtige Verläufe wie noch bei Alpha.

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Vermutet wird auch, dass es bei einer Infektion mit der Delta-Variante etwas andere Symptome als bei früheren Corona-Typen geben kann. In einer britischen App zur Überwachung von Corona-Symptomen wurden zuletzt am häufigsten Kopfschmerzen, eine laufende Nase und eine raue Kehle gemeldet, wie die BBC zuletzt berichtete.

Tim Spector vom King’s College London, der die Zoe-Covid-Symptoms-Studie leitet und die gemeldeten Symptome auswertet, sagte dem Sender: „Seit Anfang Mai haben wir uns die häufigsten Symptome der App-Nutzer angeschaut – und sie sind nicht mehr dieselben wie zuvor.“

Zwar gehöre Fieber noch immer dazu, aber der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, der bislang als typisches Corona-Symptom galt, sei weniger gängig. Zeitlich passe dies mit der Verbreitung der Delta-Variante zusammen. Für einige jüngere Menschen könne sich Covid-19 somit stärker wie eine einfache Erkältung anfühlen, sagte Spector – und rief Betroffene auf, sich in jedem Fall testen zu lassen.

Wir haben diesen Text am 23. Juni 2021 aktualisiert.

mit Material von dpa

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