Die Aufhebung der Maskenpflicht ist zu riskant

Ein Mitarbeiter der Firma Scharlau hängt im Park Fiction ein Hinweisschild zur Maskenpflicht ab.

Ein Mitarbeiter der Firma Scharlau hängt im Park Fiction ein Hinweisschild zur Maskenpflicht ab.

Deutschland könnte bald wieder „oben ohne“ herumlaufen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält eine schrittweise Aufhebung der Maskenpflicht für denkbar – zunächst nur im Freien, in Regionen mit niedrigen Inzidenzen und hoher Impfquote, aber auch schon in Innenräumen. Das klingt im ersten Moment ziemlich verlockend. Wer hat sich nicht schon einmal über die Masken geärgert und ihr Ende herbeigesehnt? Weil entweder die Luftzufuhr eingeschränkt, eines der Haltebänder gerissen oder die Brille beschlagen ist.

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Vor allem im Freien ist die Zeit der Masken offenbar mittlerweile abgelaufen. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel haben mehrere Aerosolforscherinnen und Aerosolforscher schon im April darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Menschen draußen nur sehr selten mit dem Coronavirus infizieren. Joggen, Spazierengehen im Stadtpark, Radfahren – all das sei ohne Maske möglich. Die Gefahr lauere woanders, nämlich drinnen. Umso leichtsinniger erscheint vor diesem Hintergrund Spahns Vorstoß, die Maskenpflicht bei niedrigen Inzidenzen auch in Innenräumen aufzuheben.

Vorsprung nutzen – und nicht aufs Spiel setzen

Zugegeben, die Infektionszahlen erlauben wieder Handlungsspielräume, einzelne Corona-Maßnahmen können – schrittweise! – gelockert werden. Erstmals seit mehr als acht Monaten meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut am Montagmorgen weniger als 1000 Neuinfektionen, die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist auf 16,6 gesunken. Das ist ein Erfolg, der in erster Linie auf das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger zurückgeht. Zum einen weil sie sich – zumindest weitgehend – ordnungsgemäß an die Corona-Regeln halten, zum anderen weil viele Menschen sich impfen lassen.

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Sprich: Wir haben uns einen beachtlichen Vorsprung vor dem Virus erarbeitet, den wir jetzt nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollten. Fällt die Maskenpflicht in den Innenräumen, wo das Ansteckungsrisiko höher ist als im Freien, kann es wieder zu Corona-Clustern kommen, also zu einer ungewöhnlich großen Häufung an Infektionsfällen. Die Folge: Die Inzidenzen werden steigen. Dieses Szenario gilt es zu vermeiden – gerade, wo die Warnungen vor einer vierten Welle im Herbst lauter werden. Mit einer generellen Aufhebung der Maskenpflicht ebnen wir dieser Welle den Weg. Und überhaupt: Monatelang war es durchaus zumutbar, die Maske immer mal wieder für einige Zeit in Innenräumen zu tragen, etwa für ein paar Minuten beim Einkauf, in der Arztpraxis oder im öffentlichen Nahverkehr, um den größtmöglichen Schutz aller zu erreichen.

Masken sind eine simple und wirksame Schutzmaßnahme

Wir brauchen die Masken auch weiterhin noch, um uns vor dem Coronavirus zu schützen. Sie sind die einfachste Schutzmaßnahme, die wir zurzeit haben. Sie verhindern weitgehend, dass sich der Erreger über Tröpfchen und Aerosole ausbreiten kann, und senken das Infektionsrisiko um 70 bis 80 Prozent, wie mehrere Studien zeigen. Und noch einen Vorteil bietet der Mund-Nasen-Schutz: Er wirkt bei allen Virusvarianten – von Alpha bis Delta.

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Gerade Letzterer würden wir mit der Aufhebung der Maskenpflicht die Chance geben, sich weiter auszubreiten. Denn die zuerst in Indien entdeckte Mutante ist deutlich ansteckender als der ursprüngliche Sars-CoV-2-Typ und die Alphavariante, die zurzeit in Deutschland vorherrschend ist. Wie Daten aus Großbritannien zeigen, scheint Delta selbst bei vollständig Geimpften schwere bis tödliche Krankheitsverläufe verursachen zu können. Geben wir der Mutante also die Gelegenheit, sich weiter zu verbreiten, riskieren wir damit nicht nur vermeidbare Infektionen, sondern auch Todesfälle.

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