Genesen und geimpft: Entsteht so die Superimmunität gegen Corona?

Auf dieser vom US-Forschungszentrum „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“ (NIAID) zur Verfügung gestellten Aufnahme vom Februar 2020 ist eine Zelle (blau) mit dem Coronavirus (Sars-CoV-2, gelb) infiziert. Die Probe wurde von einem Patienten in den USA isoliert.

Auf dieser vom US-Forschungszentrum „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“ (NIAID) zur Verfügung gestellten Aufnahme vom Februar 2020 ist eine Zelle (blau) mit dem Coronavirus (Sars-CoV-2, gelb) infiziert. Die Probe wurde von einem Patienten in den USA isoliert.

Es ist die entscheidende Frage, wie sich die Corona-Lage in Zukunft weiter entwickeln wird: Wie bleiben die Menschen ausreichend geschützt gegen das Virus und seine neu auftauchenden Varianten? Strategien gibt es neben der Erstimpfung bereits mehrere: Die Auffrischung mit bestehenden Impfstoffen für bestimmte Gruppen mit Risikofaktoren zählt dazu, ebenso das Entwickeln von Impfstoffen der zweiten Generation, angepasst an zirkulierende Mutationen.

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Auch ein Immun-Boost durch natürliche Infektionen wird unter Fachleuten bereits diskutiert. Dieser könnte besonders robust sein, vermuten Forschende. Denn die Hinweise aus Studien mehren sich, dass Genesene im Besonderen in der Lage sind, Varianten von Sars-CoV-2 effizient zu neutralisieren. Jüngstes Beispiel: In einer Studie, die Ende September im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht wurde, berichten Forschende der Rockefeller University in New York von einem im Laborexperiment durchgespielten Worst-Case-Szenario. Dabei machten sie eine überraschende Entdeckung.

Genesen und geimpft: ein Vorteil gegen neue Corona-Varianten

Sie bauten künstlich einen für die Immunantwort Geimpfter und Genesener entscheidenden Teil des Coronavirus um – das sogenannte Spikeprotein. Dadurch verschafft sich das Virus Zutritt zu den menschlichen Zellen. Mithilfe von 20 Genmutationen, die bereits in der Welt kursieren oder in Laboruntersuchungen gefunden wurden, veränderten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eben dieses Protein sehr stark.

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Sie entwickelten damit quasi ein Pseudovirus von Sars-CoV-2, das aber keine Erkrankung mit Covid-19 hervorrufen konnte. Damit wollten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen herausfinden, wie gut die Antikörperantwort, und damit der Immunschutz, im Plasma von mit mRNA-Impfstoffen Geimpften gegen diese stark veränderte Virusvariante ausfällt.

Das Ergebnis war zum einen erwartbar: Diese 20 kombinierten Mutationen reichten aus, damit das Virus resistent gegen nahezu alle neutralisierenden Antikörper im Plasma der Geimpften wurde. Zum anderen zeigten die Ergebnisse aber eine Ausnahme: Die Immunantwort von Genesenen, die sich später mit einem mRNA-Impfstoff hatten impfen lassen, blieb widerstandsfähig und kam mit Antikörpern gegen die Mutationen an.

Genesen und später geimpft sein: Diese hybride Immunität oder Superimmunität, wie Fachleute das nennen, könnte also ein Vorteil sein, wenn es um den langfristigen Schutz gegen neue Corona-Varianten geht. Die Forschenden gehen sogar noch weiter: Womöglich könnte der so aufgebaute Immunschutz durch Infektion und darauf folgende Impfung sogar noch einen gewissen Schutz bei neu in der Welt auftauchenden pandemischen Coronaviren bieten.

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Die offene Frage: Wie gelingt die Superimmunität nach der Impfung?

Ein Aufruf zur Infektion vor der Impfung ist das allerdings nicht. Vielmehr machen sich derzeit Forschende weltweit auf Grundlage solcher Erkenntnisse zur Immunität gegen Sars-CoV-2 und all seiner Varianten Gedanken darüber, wie die Immunantwort gegen Varianten so robust ausfallen kann, ohne eine Infektion durchmachen zu müssen. Denn diese birgt die bekannten Gesundheitsrisiken mit sich – einen schweren Covid-19-Verlauf und Long Covid.

Corona-Expertinnen und Experten präferieren deshalb, wenn überhaupt, eine hybride Immunität andersherum: sich also erst impfen lassen und einen Grundschutz erwerben und womöglich später, wenn die pandemische Phase bereits vorbei ist, im Laufe des Lebens eine Infektion durchmachen, die dann deutlich milder oder asymptomatisch verläuft. Dazu sind aber noch viele Fragen offen – insbesondere, ob eine erneute Auffrischung vor einer natürlichen Infektion für alle Bevölkerungsgruppen Sinn macht – oder nur bestimmte. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bereits angekündigt, sich dazu in den kommenden Wochen zu äußern.

Robuste Immunantwort gegen Varianten bei Genesenen: Wie funktioniert das?

Den Mechanismus, wie sich Genesene in Kombination mit einer Impfung einen Vorteil im Umgang mit Varianten verschaffen, haben Virologinnen und Virologen aber zumindest in Ansätzen inzwischen verstanden. So hat die Gesellschaft für Virologie dazu Ende September seine Stellungnahme aktualisiert und zwei Befunde betont:

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  • Bestimmte Antikörpertypen sind zwar bereits wenige Monate nach der Infektion nicht mehr messbar. Eine Vielzahl von Untersuchungen habe aber inzwischen gezeigt, dass eine Sars-CoV-2-Infektion dazu führt, dass sich immunologische Gedächtniszellen, sogenannte B- und T-Zellen, ausbilden. Diese seien der eigentliche Schutzmechanismus des Immunsystems gegen eine erneute Erkrankung. Und ebendiese sorgten dafür, dass bei erneutem Kontakt mit dem Erreger sehr schnell Antikörper hergestellt werden, die wesentlich wirksamer sind als die Antikörper, welche direkt nach der ersten Infektion vorhanden waren und später verschwanden.
  • Genesene, die später über die Impfung erneut in Kontakt mit dem Virus kommen, seien deshalb im Besonderen in der Lage, Varianten von Sars-CoV-2 effizient zu neutralisieren. Denn selbst wenn die bei erneutem Viruskontakt noch vorhandenen Antikörperspiegel nicht ausreichend hoch sind, um eine Infektion komplett zu verhindern, wird die Gedächtnisantwort trotzdem aktiviert. Diese sorgt dafür, dass schwere Krankheitsverläufe verhindert werden.

Corona-Impfung für Genesene: Was könnte sich ändern?

Offen ist, wie diese neueren Erkenntnisse in die Impfempfehlung für Genesene einbezogen werden. Wann sollten sie sich erstmalig impfen lassen – und braucht es für sie irgendwann eine Auffrischung? Bislang empfiehlt die Stiko eine erste Impfstoffdosis in der Regel sechs Monate nach der Infektion. Weil inzwischen mehr Impfstoff zur Verfügung steht und die Impfung nach Infektion unbedenklich sei, könne aber auch schon ab vier Wochen nach dem Ende der Symptome geimpft werden. Auch nach asymptomatischer Sars-Cov-2-Infektion kann die Impfung bereits nach einem Monat erfolgen.

Die Gesellschaft für Virologie rät auf Grundlage der neuen Studienlage inzwischen aber dazu, den empfohlenen Zeitpunkt der Impfung nach Infektion zu überprüfen. Die nachgewiesene Dauer eines ausreichenden Schutzes vor Covid-19 nach Infektion betrage aus immunologischer Sicht mindestens ein Jahr. Deshalb sollten Genesene bei Regelungen zur Pandemiebekämpfung wie etwa der Testpflicht den vollständig Geimpften zunächst für mindestens ein Jahr gleichgestellt werden, so die Expertinnen und Experten. Zu Auffrischungsimpfungen äußerte sich die Gesellschaft bislang nicht. Die Aktualisierung der Stiko-Empfehlung bleibt also abzuwarten.

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