Machen die neuen Corona-Varianten eine Reinfektion wahrscheinlicher?

Weltweit untersuchen Forscher Mutationen des neuartigen Virus. Steigern sie das Risiko für eine erneute Infektion?

Weltweit untersuchen Forscher Mutationen des neuartigen Virus. Steigern sie das Risiko für eine erneute Infektion?

Wie wahrscheinlich ist es, sich nach einer durchgemachten Coronavirus-Infektion erneut mit dem Erreger anzustecken? Das haben Forscher aus Qatar nun in einer Studie untersucht. Die Wissenschaftler werteten dazu Daten der dortigen Gesundheitsdienste aus. Bei insgesamt 133.266 untersuchten Fällen von Coronavirus-Infektionen fanden sie bei 54 Personen deutliche Hinweise auf eine erneute Ansteckung. Die Reinfektion wurde dabei zwischen anderthalb und vier Monate nach dem ersten positiven PCR-Test beobachtet.

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In 23 Fällen war die Reinfektion in einer medizinischen Einrichtung festgestellt worden, was bedeute, dass die Infizierten vermutlich Symptome hatten, so die Autoren. In 31 Fällen war die erneute Infektion zufällig im Rahmen von Screenings festgestellt worden und könnte demnach symptomlos gewesen sein. Insgesamt errechneten die Autoren ein Risiko von 0,02 Prozent für eine erneute Ansteckung nach einer Coronavirus-Infektion.

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Neuinfektionen auch in britischer Studie selten

Eine zweite aktuelle Studie zum Auftreten von Reinfektionen stammt von britischen Forschern. Diese hatten Tests und Gesundheitsdaten von Krankenhausmitarbeitern ausgewertet. Sie unterschieden dabei wahrscheinliche und mögliche Neuinfektionen. Bei zwei von 6.614 (0,03 Prozent) britischen Krankenhausmitarbeitern, die bereits einmal positiv getestet worden waren, hielten die Wissenschaftler eine Reinfektion innerhalb von vier Monaten für wahrscheinlich. Bei weiteren 42 hielten sie diese zudem für möglich, was einen Anteil von 0,67 Prozent ergeben würde.

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Je nachdem, wie viele der nur wahrscheinlichen Neuinfektionen mit eingerechnet wurden, errechneten die Forscher nach einer durchgemachten Infektion einen Immunschutz von mindestens 75 bis über 90 Prozent.

Immunität reicht nicht immer aus

„Beide Studien aus Qatar und dem Vereinigten Königreich kommen zu dem Ergebnis, dass nach überstandener Covid-19-Erkrankung erneute Infektionen selten sind”, sagte Jörg Timm, der Professor leitet das Institut für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, gegenüber dem Science Media Center. „Die Daten sprechen dafür, dass der Körper nach einer Infektion eine Immunität aufbaut. Sie zeigen aber auch, dass diese Immunität in einigen wenigen Fällen nicht ausreicht, um eine erneute Infektion zu verhindern. Wichtig ist, dass es bei diesen Reinfektionen üblicherweise nicht zu schweren Verläufen kommt, sodass trotzdem ein Schutz besteht.”

Mehr Neuinfektionen mit neuer Variante?

Noch nicht geklärt ist, ob das Risiko für eine Neuinfektion mit einer mutierten Virusvariante höher ist. So wurde in der brasilianischen Stadt Manaus ein rasanter Anstieg der Neuinfektionen mit dem Coronavirus beobachtet, obwohl Experten davon ausgehen, dass drei Viertel der Bevölkerung dort bereits eine Infektion durchgemacht haben. Nun vermuten Wissenschaftler, dass die neue Virusvariante P1 der Grund sein könnte, die schon in Proben aus Manaus vom Dezember nachgewiesen wurde.

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Mutationen bei Viren in Brasilien

P1 weist mehrere Genom-Veränderungen auf, darunter die Mutation N501Y, die auch bei der britischen und südafrikanischen Variante festgestellt worden war und für erhöhte Infektiosität sorgen könnte. Eine weitere Mutation mit der Bezeichnung E484K teilt es nur mit der britischen Variante: Sie könnte bewirken, dass Antikörper schlechter an das Virus binden. Das würde bedeuten, dass ein bereits bestehender Immunschutz herabgesetzt würde und wohl auch Impfungen schlechter wirken. Wenn sich ein Erreger auf diese Weise dem Angriff des Immunsystem entzieht, spricht man auch von einer „Immun Escape”-Mutation.

Kein sprunghafter Anstieg erwartet

„Dass das Reinfektionsrisiko durch solche neuen Virusvarianten steigt, halte ich für wahrscheinlich”, sagte Friedemann Weber, der Professor ist Direktor des Instituts für Virologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er erwarte aber keine sprunghafte, sondern eher eine schrittweise Zunahme bei den Reinfektionen und möglicherweise bei den Impfdurchbrüchen. Um ein klareres Bild der Lage zu bekommen, solle „deutlich mehr sequenziert werden“, so Weber.

Julian Schulze zur Wiesch, leitender Oberarzt der Sektion Infektiologie und Leiter des Ambulanzzentrums Virushepatologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, sagte hingegen, man wisse „zurzeit zu wenig” über den Einfluss der neuen Virusvarianten auf den weiteren Pandemieverlauf oder auf die Wahrscheinlichkeit einer Reinfektion. Eine „mögliche Auswirkung auf den Immunschutz nach ausgeheilter Infektion“ könne aber „nicht ausgeschlossen werden“.

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