Mutationen setzen Impfschutz und Immunschutz nach durchgemachter Infektion herab

Die derzeitigen Corona-Impfstoffe von Moderna, Biontech/Pfizer und Astra Zeneca (Symbolbild).

Die derzeitigen Corona-Impfstoffe von Moderna, Biontech/Pfizer und Astra Zeneca (Symbolbild).

Auch weil sich der Erreger verändert, können weder Impfungen noch eine durchgemachte Infektion dauerhaft vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Das Infektionsgeschehen lässt sich daher zwar eindämmen, aber nicht ganz zum Erliegen bringen.

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Als erster Pharmakonzern kündigte Astra Zeneca jetzt an, seine Corona-Impfung womöglich an neue Virusvarianten anpassen zu müssen. Wissenschaftler der Universität Oxford, die die Impfung mit Astra Zeneca zusammen entwickelt haben, sollen prüfen, wie lange eine solche Anpassung dauern würde.

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Auch bei anderen Impfstoff­kandidaten ist noch nicht klar, ob sie sicher vor allen neuen Virusvarianten schützen, die in Großbritannien, in Südafrika oder Brasilien entdeckt wurden. Zunächst hatten die Konzerne gesagt, sie gingen auch bei Mutationen des Virus von einer Wirksamkeit ihrer Vakzine aus. Nun zeigen neue Studien, dass bestimmte Mutationen des Erregers die Schutzwirkung wohl herabsetzen dürften.

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Britische Variante am wenigsten problematisch

Am wenigsten Anlass zur Sorge geben dabei offenbar die Erbgut­veränderungen, die bei der britischen Variante beobachtet wurden. Laborversuche deuten darauf hin, dass zumindest der Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer gegen diese Mutante wirkt. So konnten Antikörper aus dem Blut Geimpfter ein künstlich erzeugtes Virus neutralisieren, obwohl dieses die gleichen Veränderungen am Spike-Protein aufwies wie die neue britische Viruslinie. Allerdings hatte nur eine sehr kleine Gruppe von 16 Personen an der Studie teilgenommen.

Falls die Veränderungen am Spike-Protein nicht groß genug sind, um die Impfung von Biontech/Pfizer unwirksam zu machen, könnte das bedeuten, dass auch die Impfungen von Moderna und Astra Zeneca gegen sie wirken: Denn auch diese lösen eine Immunantwort gegen das Protein aus. Für die ebenfalls in der EU zugelassene Impfung von Moderna und das bisher erst in Großbritannien zugelassene Vakzin von Astra Zeneca wurden aber noch keine entsprechenden Studien vorgelegt.

Mutation scheint Impfschutz zu beeinträchtigen

Die südafrikanische Variante des Virus hingegen könnte bei allen drei Impfungen die Wirksamkeit herabsetzen – und auch Menschen infizieren, die bereits eine Infektion mit dem ursprünglichen Virus durchgemacht haben. In einer südafrikanischen Studie konnten Antikörper, die Versuchsteilnehmer nach einer durchgemachten Infektion mit dem Urtyp produzierten, das mutierte Virus nicht bekämpfen.

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Die Studienautoren sehen das als Hinweis darauf, dass Neuinfektionen mit der südafrikanischen Linie möglich sind und dass die derzeit verfügbaren Impfstoffe schlechter vor dieser schützen.

Erreger entzieht sich der Immunantwort

Amerikanische Forscher stellten zudem fest, dass eine der Mutationen der südafrikanischen Linie die Wirkung der Impfungen von Moderna und Biontech/Pfizer herabzusetzen scheint. Diese Mutation mit der Bezeichnung E484K wurde auch bei neuen Virusvarianten in Brasilien gefunden, nicht aber bei der neuen britischen Variante. E484K bewirkt offenbar, dass sich einige Antikörper nicht mehr an das Virus binden können, der Erreger entzieht sich dadurch teilweise der Immunantwort des Körpers.

Ein Immunschutz nach einer durchgemachten Infektion würde dadurch ebenso herabgesetzt wie der Schutz durch ein Vakzin. So wird vermutet, dass sich in der brasilianischen Stadt Manaus derzeit vermehrt Menschen mit der neuen Variante des Virus infizieren, die zuvor bereits einmal erkrankt waren.

Virusmutationen sind völlig normal

Was aber bedeutet all das für den Verlauf der Corona-Pandemie? Dass Virusmutationen auftreten, ist im Grunde völlig normal und kein Alleinstellungs­merkmal von Sars-CoV-2. Auch werden die Impfungen dadurch nicht nutzlos: In den wenigsten Fällen dürften Mutationen dazu führen, dass die Immunisierungen gänzlich unwirksam werden. Zudem können Vakzine, wie jetzt von Astra Zeneca angekündigt, angepasst werden.

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Es zeigt sich aber auch: Virenveränderungen können sich so schnell ausbreiten, dass die Impfstoffhersteller nicht sofort mit Anpassungen reagieren können, denn diese nehmen Zeit in Anspruch. Gleichzeitig machen veränderte Formen des Virus Neuinfektionen wahrscheinlicher, sodass weder eine Impfung, noch eine durchgemachte Infektion einen vollständigen Schutz bieten können. Die von den Herstellern versprochene Wirksamkeit ihrer Impfungen von über 80 oder 90 Prozent wird wohl auf Dauer nicht haltbar sein. Erst Recht nicht in den höchsten Altersgruppen, für die ohnehin keine statistisch validen Daten zum Impfschutz vorliegen.

Ein Restrisiko wird immer bleiben

Schaden abwenden kann eine Immunisierung trotzdem, das zeigt das Beispiel der Grippe. Auch an der Grippe kann man immer wieder neu erkranken. Und auch die Grippeimpfung wird jedes Jahr an neue Varianten von Influenzaviren angepasst. Obwohl ihre Wirksamkeit in höheren Altersgruppen laut Schätzungen des RKI nur bei etwa 40 bis 60 Prozent liegt, kann sie viele schwere Verläufe und Todesfälle in dieser Risikogruppe verhindern. Ein Restrisiko aber bleibt.

Genauso wird es trotz Impfungen und wachsender Herdenimmunität immer ein Restrisiko von Infektionen mit dem Coronavirus geben. Mit diesem Restrisiko, das zeigt sich immer deutlicher, gilt es zu leben.

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