Erkenntnisse über die Variante

Omikron-Infektion: Wie schnell ist man ansteckend – und für wie lange?

Corona-Krise in Schleswig-Holstein: Wir zeigen in einer interaktiven Karte, wo es überall ein Corona-Testzentrum gibt.

Eine Mitarbeiterin eines Schnelltestzentrums.

Das Coronavirus ist sehr leicht von Mensch zu Mensch übertragbar, insbesondere über Tröpfchen­infektion und Aerosole. Das galt für Alpha, verstärkt für Delta – und nun noch mehr für Omikron. Die neue Variante umgeht nicht nur die Immunabwehr und ist deutlich übertragbarer, sondern nutzt noch einen weiteren Trick, um die Zahl der Ansteckungen zu beschleunigen: Die Inkubationszeit verringert sich. Das heißt: Der Zeitraum zwischen Ansteckung und dem Beginn der Erkrankung wird kürzer.

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Beim Ursprungs­virus, das zu Beginn der Pandemie vor rund zwei Jahren durch die Welt kursierte, ging das Robert Koch-Institut (RKI) noch von einer mittleren Inkubations­zeit von rund fünf Tagen aus. Das heißt: Es dauerte im Schnitt fünf Tage, bis sich bei Infizierten corona­typische Symptome wie Husten, Fieber oder Schnupfen zeigten. Bei der Delta-Variante fiel die Inkubations­zeit dann bereits etwas kürzer aus. Es haben sich schneller Symptome bemerkbar gemacht als beim Ursprungs­virus. Das RKI ging bei dieser Variante von einem um etwa 1,5 bis zwei Tage verkürzten Zeit­raum aus.

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Inkubationszeit: Corona macht sich schneller im Körper bemerkbar

Die Omikron-Variante dominiert inzwischen das Infektionsgeschehen in Deutschland und Europa. „Was wir sehen, ist, dass die Inkubations­zeit bei Omikron verkürzt ist“, sagte Hendrik Streeck, Virologe von der Universität Bonn, Anfang Januar im Gespräch mit dem Fernseh­sender RTL. Wie kurz sie aber genau ist, darüber gibt es noch keine Einigkeit in der Wissenschaft.

Hinweise liefert etwa eine Studie aus dem norwegischen Oslo. Dort konnten Forschende des Norwegian Institute of Public Health (NIPH) für einen größeren Ausbruch mit Omikron-Infizierten nachweisen, dass die Inkubationszeit im Mittel drei Tage dauerte – und nicht wie sonst fünf. Ende November hatten sich bei einer Weihnachtsfeier fast 100 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt – trotz hoher Impfquote und Durchführung von Corona-Tests. Ausgelöst wurde der Ausbruch von einem Reiserückkehrer aus Südafrika, der sich mit der Omikron-Variante infiziert und damit die anderen Gäste der Veranstaltung angesteckt hatte.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Analyse der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Sechs Personen eines Haushalts hatten sich mit Omikron angesteckt. Auch bei ihnen verstrichen im Schnitt 73 Stunden, also rund drei Tage, bis sich Symptome wie Husten und eine verstopfte Nase bemerkbar machten. Das heißt aber nicht, dass alle gleichzeitig erkrankten. Einige entwickelten bereits 33 Stunden nach dem Kontakt mit der infizierten Person Symptome, andere wurden nach 75 Stunden symptomatisch.

Auch Fachleute in Deutschland bemerken eine verkürzte Dauer. „Das sehen wir auch, wenn wir uns die Fälle hier anschauen, dass sich Menschen schon nach zwei, drei Tagen infiziert haben und selbst positiv sind“, sagte die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek im NDR Info-Podcast „Coronavirus Update“. „Was natürlich auch ein bisschen erklärt, warum es zu einem so starken Anstieg der Infektionen kommt, weil einfach die Inkubationszeit so viel kürzer ist und man natürlich dadurch schon alleine sehr viel mehr Menschen anstecken kann in einer gewissen Zeitspanne.“ Dazu komme, dass das Virus an sich noch infektiöser ist – so könne sich Omikron so stark vermehren.

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Ab wann – und für wie lange ist man ansteckend für andere?

Als sicher gilt, dass die Ansteckungsfähigkeit in der Zeit kurz vor und nach Symptombeginn am größten ist.

Aus dem RKI-Steckbrief zum Coronavirus

Ähnlich wie bei der Inkubationszeit gibt es aber keinen genau definierten Zeitraum, in dem man nach einer Infektion gesichert ansteckend für andere ist. Das fällt bei jeder Person unterschiedlich aus, wie das RKI in seinem Steckbrief zum Coronavirus festhält. „Als sicher gilt, dass die Ansteckungsfähigkeit in der Zeit kurz vor und nach Symptombeginn am größten ist und dass ein erheblicher Teil von Übertragungen bereits vor dem Auftreten erster klinischer Symptome erfolgt“, heißt es dort mit Bezug auf die Studienlage.

Das heißt: Auch wer noch keine Symptome verspürt, womöglich nach zwei bis drei Tagen Inkubationszeit, kann andere anstecken. Unter anderem deshalb empfehlen Gesundheitsbehörden weltweit, sich bei einem Verdacht auf Infektion möglichst zu isolieren und ansonsten präventiv Maske zu tragen und Abstand zu anderen zu halten.

Bei Menschen mit leichtem bis moderaten Verlauf geht die Ansteckungsfähigkeit meistens innerhalb von zehn Tagen nach Symptombeginn deutlich zurück. Wer allerdings schwer an Covid-19 erkrankt oder eine Immunschwäche hat, scheidet mitunter deutlich länger infektiöses Virus aus – und kann damit auch länger für andere ansteckend sein.

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Noch ansteckend? Nicht garantiert nachweisbar

Ein Parameter zum Nachweis einer Infektion ist die Viruslast. Die RNA des Coronavirus ist bei vielen Erkrankten noch Wochen nach Symptombeginn mittels eines PCR-Tests nachweisbar. Dass noch Virenpartikel im Körper zu finden sind, ist aber nicht mit der Ansteckungsfähigkeit gleichzusetzen, betont das RKI. Deshalb schauen Labore bei der Analyse von Virusproben auch auf den sogenannten Ct-Wert. Dieser gibt Auskunft über die Höhe der Viruslast – und ist ein Richtwert dazu, wie ansteckend jemand zum Zeitpunkt des PCR-Abstrichs war.

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Der Ct-Wert ist auch besonders wichtig, wenn eine Isolation oder Quarantäne früher aufgehoben werden soll als standardgemäß festgelegt. Dafür braucht es entweder einen negativen PCR-Test – oder einen positiven, bei dem der Ct-Wert dann aber bereits oberhalb des Schwellenwerts von 30 liegt. Es gibt zudem noch weitere laborspezifische Verfahren, die sicherstellen sollen, dass die Viruslast so gering ist, dass wahrscheinlich keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Dass man es definitiv nicht mehr ist, kann das Testergebnis aber nicht sicherstellen.

Auch ein negativer zertifizierter Schnelltest kann nach derzeitiger Testverordnung bereits nach sieben Tagen von der Isolation oder Quarantäne befreien. Es ist dann weniger wahrscheinlich, dass man noch ansteckend ist. Allerdings ist dieser Test weniger aussagekräftig als ein PCR-Test und gibt keine genaue Aussage darüber, wie hoch die Viruslast zum Zeitpunkt des Abstrichs war. Es besteht ein Restrisiko, dass man den Erreger noch übertragen kann.

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Gerade der Zeitpunkt des Abstrichs ist bei Omikron besonders entscheidend: Studien haben gezeigt, dass zwischen einer niedrigen und einer sehr hohen Viruslast bei dieser Variante nur wenige Stunden liegen können. Denn der Erreger vermehrt sich schneller im Rachenraum als noch bei Delta. Mehrfach Schnelltests durchführen kann deshalb mehr Sicherheit bieten, ob man gerade akut ansteckend für andere ist oder nicht. Aber auch hier gilt: Ein negativer Schnelltest kann eine Infektion und auch Ansteckungsfähigkeit nicht zu 100 Prozent ausschließen.

Omikron: Symptome können variieren

Wie bemerkt man überhaupt eine Omikron-Infektion? Beim Ursprungsvirus waren Symptome wie Husten, Fieber und Schnupfen sowie Störungen des Geruchs- oder Geschmackssinns mögliche erste Signale für eine Corona-Infektion. Klassische Erkältungssymptome sind auch bei Omikron verbreitet – allerdings unterschiedlich häufig. Besonders häufig wurden neben Fieber beispielsweise Kopfschmerzen, eine laufende Nase und eine raue Kehle gemeldet.

„Das Coronavirus-Update": Drosten und Ciesek beenden vorerst Podcast

Nach rund zwei Jahren ist Schluss: Die Virologen Sandra Ciesek und Christian Drosten werden vorerst die letzte Folge des NDR Info-Podcasts aufzeichnen.

Aber: „Geruchs- und Geschmacksstörungen treten bei einer Omikron-Infektion gar nicht mehr auf, aber dies wissen viele Infizierte nicht“, sagte vor wenigen Wochen Susanne Johna, die Vorsitzende des deutschen Ärzteverbands Marburger Bund dem RND. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet auch bei Omikron Geschmacks- und Geruchsverlust, sowie auch Fieber, Husten und Müdigkeit. Seltener können auch eine Halsentzündung, Kopfschmerzen, Durchfall, Hautausschlag, eine Verfärbung der Finger oder Zehen oder rote bis gereizte Augen einen Hinweis auf eine Corona-Infektion geben.

Was tun bei unspezifischen Symptomen?

Wer Symptome wie Husten, Schnupfen oder Fieber bei sich feststellt, sollte zu Hause bleiben und direkte Kontakte einschränken. Auch ein Schnelltest kann erste Hinweise darauf liefern, ob es sich bei der Infektion um Corona handelt. „Rufen Sie Ihre Hausarztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 an“, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Diese klären über das weitere Vorgehen auf.

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Falls Sie zu einer Risikogruppe gehören, weisen Sie im Gespräch unbedingt darauf hin. Auf keinen Fall sollte man ohne vorherige telefonische Absprache in die Hausarztpraxis gehen. Ansonsten besteht die Gefahr, andere bei einer tatsächlichen Corona-Infektion anzustecken. In Notfällen wie akuter Atemnot sollte man direkt die Notfallnummer 112 wählen.

Dieser Artikel wurde am 8. März aktualisiert.

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