„Völlig naiv“: Studie untersucht, welchen Gesundheitsrisiken sich James Bond auf Reisen aussetzt

Daniel Craig als James Bond mit Fischen in der Hand in einer Szene des Films „James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben“.

Daniel Craig als James Bond mit Fischen in der Hand in einer Szene des Films „James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben“.

James Bond lebt gefährlich: Wilde Verfolgungsjagden zu Land, in der Luft oder auf dem Wasser gehören zu seinem Metier. Doch die Gesundheit von Agent 007 ist nicht nur durch den Kampf mit mörderischen Bösewichten bedroht. Bei seinen Reisen rund um den Globus hatte der Spion großes Glück, sich keine tödliche Infektionskrankheit eingefangen zu haben. Drei Experten für Reisemedizin aus den Niederlanden und Großbritannien haben analysiert, welchen Risiken die Filmfigur ausgesetzt war, auch wenn sich der Agent nicht gerade im Schusswechsel befand. Die eher humorvoll gemeinte Studie mit dem Titel: „Keine Zeit zu sterben: Eine Tiefenanalyse von James Bonds Exposition zu Krankheitserregern“ wurde im Wissenschaftsjournal „Travel Medicine and Infectious Disease“ veröffentlicht.

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Dafür haben die Autoren Wouter Graumans, William J. R. Stone und Teun Bousema alle James-Bond-Filme unter die Lupe genommen, die zwischen 1962 und 2021 von der Filmgesellschaft Eon produziert wurden. Die Forscher orientierten sich an Reiseempfehlungen der amerikanischen Seuchenschutzbehörden Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und übertrugen diese auf die jeweilige Epoche, in der Bond auf Mission war. Insgesamt 86 internationale Reisen in verschiedene Regionen werteten sie dabei aus. Eine Reise ins Weltall habe nicht berücksichtigt werden können, weil es dazu noch keine Empfehlungen gebe, schreiben die Autoren.

Bond interessiert sich nicht für sexuell übertragbare Krankheiten

Als zu sorglos kritisieren die Reisemediziner zunächst James Bonds Umgang mit den zahlreichen Bond-Girls. „Einer der offensichtlichsten Risikofaktoren für eine Ansteckung mit Infektionskrankheiten während der Arbeit ist Bonds Rate an sexuellen Begegnungen“, schreiben Graumans, Stone und Bousema. Sie bescheinigen 007 eine „überdurchschnittliche sexuelle Aktivität, ohne Zeit, sich über die sexuelle Vorgeschichte auszutauschen“.

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Insgesamt 59 Affären hatte Bond demnach, was durchschnittlich 2,4 pro Film ergibt. Der erste Sex findet dabei in einem Fall 20 Minuten nach der ersten Begegnung statt. An das Risiko sexuell übertragbarer Krankheiten verschwendet der Agent aber offenbar keinen Gedanken: „Bond gehört eindeutig zu den 20 bis 34 Prozent der Reisenden, die Gelegenheitssex praktizieren und von denen etwa die Hälfte kein Kondom benutzt“, schreiben die Autoren.

Bond sieht man selten beim Händewaschen

Durchfall ist eine der häufigsten Reisekrankheiten. Da könne man erwarten, dass Bond aufpasst, sich keine Lebensmittelinfektion zuzuziehen. Der Agent verhalte sich in dieser Hinsicht aber ziemlich unbedarft, merken Graumans, Stone und Bousema an: „Nur bei zwei Gelegenheiten sieht man ihn beim Händewaschen: einmal nach dem Essen und einmal, nachdem er einen Gegner in einem Schlammbad getötet hat.“ Dafür esse er regelmäßig ungewaschenes Obst, auf dessen Oberfläche sich Bakterien befinden. Auch rohe Austern scheint Bond zu lieben. Durch Austern, so die Reisemediziner, können das Norovirus, Hepatitis-Viren oder auch Vibrionen (Bakterien) übertragen werden, die durch das gleichzeitige Trinken von Champagner keinesfalls abgetötet würden.

Als Bond in einem Sumpf von Louisiana von einem Krokodil bedroht wird, hantiert er außerdem mit einem rohen Hühnchen, um es abzulenken. Da seine Hände danach nicht mit Wasser und Seife in Berührung kommen, bestehe auch hier die Gefahr, dass sich 007 mit Bakterien wie Campylobacter, Salmonellen oder Clostridien infiziert.

Starke Trinker haben eher verletzte Mundschleimhaut

Ein die Weltherrschaft anstrebender Bond-Schurke mit Namen Blofeld trägt außerdem eine weiße Perserkatze mit sich herum, die er beständig krault. Im Kontakt mit dem Bösewicht und seinem Haustier könne sich Bond mit dem Parasiten Toxoplasma gondii angesteckt haben, mutmaßen die Tropenmediziner. Sie weisen darauf hin, dass Mäuse nach der Infektion mit Toxoplasmen in Laborversuchen ihre Angst vor Katzen verloren: Die Parasitose könne also eine mögliche Erklärung für Bonds Furchtlosigkeit sein, die er bei zahllosen Gelegenheiten unter Beweis stellt.

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Im Bond-Film „Liebesgrüße aus Moskau“ will der Agent die Verletzung eines Kollegen mit Raki desinfizieren – und trinkt danach aus derselben Flasche, die mit der Wunde in Berührung kam. Das Verdauen von Blut spiele zwar bei der Übertragung durch Blut übertragbarer Krankheiten wie Hepatitis B und C, dem humanen T-lymphotropen-Virus und HIV eine eher geringe Rolle, heißt es in der Studie. Andererseits, schreiben die Wissenschaftler, bestehe bei starken Trinkern wie Bond eine Neigung zu kleinen Verletzungen der Mundschleimhaut, die wiederum das Risiko erhöhen könne.

007 verzichtet auf Mückenschutzmittel

In „Man lebt nur zweimal“ von 1967 fliegt Bond nach Japan – kurz nach einer Pandemie der asiatischen Grippe, schreiben die Reisemediziner. Insgesamt werde das Risiko für Atemwegsinfektionen vom Spion ignoriert: Er halte sich ständig in Menschenmengen und öffentlichen Verkehrsmittel auf, ohne auf social distancing zu achten. Einmal benutzt er sogar eine Maske, die zuvor von einer anderen Person getragen wurde. Bei immerhin drei Gelegenheiten trage Bond saubere Industriemasken, die auch eine Filterwirkung gegen Viren haben – anders als wiederum die Totenkopfmaske, hinter der sich Bond in „Spectre“ am Tag der Toten auf einem Straßenfest in Mexiko City versteckt.

Der Agent mit der Lizenz zum Töten ist auch mehrfach in Ländern wie den Bahamas, Jamaika oder Indien unterwegs, wo Mücken tropische Krankheiten wie Malaria, das Dengue- oder Chikungunya-Fieber übertragen. Der Spion verzichte dabei auf jegliche Vorsichtsmaßnahmen und wird noch dazu schlecht beraten: In Jamaika empfiehlt ihm ein Ortsansässiger, sich mit Salzwasser vor Moskitos zu schützen. Die Reisemediziner betonen, dass Mückenschutzmittel mit dem Inhaltsstoff Diethyltoluamid (DEET) deutlich besser geeignet seien. In Japan, wo Stechmücken die japanische Enzephalitis übertragen können, schläft Bond bei offenem Fenster und ignoriert das Summen eines Moskitos, als er die Spezialkonstruktion eines Helikopters inspiziert.

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MI6 muss Bond besser auf Reisen vorbereiten

Die Liste an Beispielen für unvernünftiges Verhalten ist lang: Der Spion läuft zum Beispiel barfuß an karibischen Stränden entlang, wo er sich über die Haut mit Larven des Hakenwurms infizieren kann und ignoriert einen knurrenden Straßenhund in Vietnam, der dort das Tollwutvirus übertragen könnte.

Das Resümee des Autoren: Insgesamt sei Bond äußerst schlecht auf Gesundheitsgefahren auf Reisen vorbereitet und völlig naiv, was das Risiko durch Infektionskrankheiten angehe – und das, obwohl heute so viele Informationen online verfügbar seien. Ein Problem könne dabei auch die kurze Zeit für die Reisevorbereitung sein: Einmal fliege 007 nur gut drei Stunden nach Erteilung seiner Mission in die Karibik.

Die Experten betonen, der Gesundheitsschutz liege auch in der Verantwortung des Arbeitgebers, der ihn bislang wohl nicht gut genug berate. Angesichts der wichtigen Rolle, die Doppel-0-Agenten bei der Bekämpfung des Terrorismus spielen, sollte sich das in Zukunft ändern, scheiben Graumans, Stone und Bousema: „Wir hoffen, dass MI6 (Bonds Arbeitgeber) diese Verantwortung ernst nehmen wird. Man lebt schließlich nur einmal.“

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