Warzen: Was man tun kann, damit sie sich nicht zu einem Problem auswachsen

Warzen sollten auf jeden Fall beobachtet werden. Meistens sind die Wucherungen jedoch harmlos.

Warzen sollten auf jeden Fall beobachtet werden. Meistens sind die Wucherungen jedoch harmlos.

Warzen gelten von jeher als hässlich, bedrohlich, böse – und sind doch extrem verbreitet. „Jeder Mensch ist irgendwann im Laufe seines Lebens davon betroffen“, sagt Prof. Eggert Stockfleth, Direktor der Universitätshautklinik in Bochum. Allerdings kämpfen manche Menschen deutlich öfter mit dem Problem als andere. „Es gibt eine genetische Disposition für diese viralen Hautinfektionen, die in den Familien oft auch bekannt ist“, sagt der Experte. Außerdem sind Allergiker sowie Menschen mit einer dauerhaften Immunschwäche, etwa HIV-Infizierte, besonders anfällig für Warzen.

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Bei Kindern findet man die kleinen Hautwucherungen wesentlich öfter als bei Erwachsenen. „Das liegt daran, dass Kinder beim Erstkontakt mit den Erregern noch keine Antikörper haben“, erklärt Stockfleth. Außerdem können sie sich die Viren in Kindergärten, Schwimmbädern und auf Spielplätzen leicht einfangen. Die Warzen sprießen bei ihnen mit Vorliebe an Händen und Füßen. Der Grund: „Die Temperatur ist dort niedriger. Kerntemperaturen mögen die Erreger nämlich nicht so gerne“, sagt der Dermatologe. Deshalb lautet ein simpler Trick zur Vorbeugung: Hände und Füße warm halten. „In manchen Fällen empfehlen wir schon mal Wechselbäder.“

Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Warzenarten – manche wachsen bevorzugt an den Händen, andere an der Fußsohle, andere im Gesicht, wieder andere im Genital- und Analbereich. Gemein ist allen Warzenarten, dass sie von Humanen Papillomviren (HPV) ausgelöst werden, die über winzige Verletzungen in die Haut eindringen. Die offenen Stellen sind aber meist so winzig, dass sie nicht sichtbar sind.

200 unterschiedliche Warzentypen

Von den HP-Viren kennt man inzwischen mehr als 200 verschiedene Typen. Ein Teil davon befällt die Haut und kann zum Beispiel Warzen an Händen oder Füßen auslösen. Ein anderer Teil kann Veränderungen auf den Schleimhäuten, also im Mund- und Genitalbereich, hervorrufen und ist sexuell übertragbar. Manche dieser „genitalen Virustypen“, insbesondere HPV 6 und 11, können Feigwarzen (auch Genitalwarzen genannt) verursachen: Das sind rote bis hautfarbene Knötchen, die im Genital- oder Analbereich sitzen.

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Eigentlich sind sie harmlos, wie Stockfleth erklärt. Da sie sich aber ausbreiten können und ansteckend sind, kommt man um einen Arztbesuch nicht herum. Andere HPV-Typen, insbesondere 16 und 18, können zu Gebärmutterhalskrebs und anderen Tumorarten führen. Seit einigen Jahren kann man sich gegen diese beiden „Hochrisiko“-Virustypen impfen lassen. Einer der HPV-Impfstoffe, die derzeit auf dem Markt sind, schützt noch vor weiteren Virustypen und senkt damit auch das Risiko für Feigwarzen („Gardasil“).

Außerdem gibt es gegen Genitalwarzen inzwischen ein wirksames Medikament auf pflanzlicher Basis: eine Salbe mit Polyphenolen, die aus Grünteeblättern gewonnen werden („Veregen“). Sie muss allerdings vom Arzt verschrieben werden. „Derzeit laufen vielversprechende Studien, um zu testen, ob das Präparat auch gegen andere Warzenarten wirkt“, berichtet Stockfleth. „Durch die Impfung und das neue Mittel haben wir einen Riesensprung in der Warzentherapie gemacht.“

Manche Warzen sind gar keine

Einige Hauterscheinungen werden Warzen genannt, obwohl sie im medizinischen Sinne gar keine sind – zum Beispiel Dellwarzen. Diese kleinen hautfarbenen Knötchen haben in der Mitte eine Delle und sind mit einer breiartigen Masse gefüllt. Sie können – manchmal zu Dutzenden – am ganzen Körper auftreten. Auslöser ist das Molluscum-contagiosum-Virus. „Dellwarzen beinhalten infektiöses Material, das hochansteckend ist“, sagt Michael Weidmann, niedergelassener Hautarzt aus Augsburg. Verbreitet sind sie vor allem bei Kindern.

Auch Fibrome würden von Patienten oft „Warzen“ genannt. Dabei handelt es sich um gutartige Wucherungen in Form kleiner Hautlappen, die sich an Hals oder Achselhöhlen bilden. Diese „Stielwarzen“ sind allenfalls lästig, aber nicht ansteckend. Ebenso unbedenklich ist die klassische „Hexenwarze“: In der Regel sind solche Gebilde im Gesicht – auf denen noch gerne ein Haar sprießt – bloß harmlose, knotige Muttermale. Mediziner nennen sie „dermale Naevi“.

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Dornwarzen können zu Fußfehlstellungen führen

Aber auch von den „echten“ Viruswarzen geht normalerweise kein Gesundheitsrisiko aus. In vielen Fällen verschwinden sie eines Tages von selbst – so plötzlich, wie sie gekommen sind. Manchmal können sie sich aber auch zu einem Problem auswachsen: „Eine Dornwarze am Fuß kann so schmerzhaft sein, dass sie auf Dauer zu einer Fehlstellung führt“, warnt Weidmann. „Und eine Warze im Nagelbereich kann eine Zerstörung des Nagelbetts nach sich ziehen.“ Wer also Schmerzen hat oder sich längere Zeit mit Warzen herumplagt, sollte zum Hautarzt gehen. Er kann zum Beispiel Tinkturen oder Cremes zum Auftragen verschreiben, um die Verhornung aufzulösen und Viren abzutöten. Oft werden Warzen auch mit flüssigem Stickstoff vereist oder per Laser entfernt.

Bei Genitalwarzen und Warzen im Gesicht sollte man von einer Selbstbehandlung die Finger lassen. Bei anderen Warzenarten kann man es zunächst ruhig auf eigene Faust versuchen – etwa mit frei verkäuflichen Salicylsäuretinkturen oder -pflastern, durch die sich die Hornhautschichten abtragen lassen. Auch gegen Versuche mit Hausmitteln, etwa mit Schöllkraut, Knoblauch oder Apfelessig, haben Experten nichts einzuwenden. Spätestens, wenn sich Entzündungsreaktionen auf der Haut zeigen, sollte man aber damit aufhören und zum Arzt gehen.

Mittlerweile sind auch einige Schulmediziner davon überzeugt, dass sich das althergebrachte Besprechen von Warzen positiv auswirken kann. Das liegt ihrer Meinung nach aber nicht am Zauber der Worte, sondern am Placeboeffekt: „Gerade bei Kindern kann man damit phänomenale Effekte erzielen“, sagt Weidmann. Diese Erfahrung hat auch Stockfleth gemacht. „Wir haben bei Kindern in dieser Richtung schon einiges versucht“, berichtet er. Zum Beispiel hat er einmal Trockeneis in ein Wasserbecken geschüttet, wodurch Nebel entstand. Die kleinen Patienten wurden dann aufgefordert, ihre mit Warzen behafteten Hände in den Rauch zu halten. Dadurch, so wurde ihnen erklärt, würden die Knubbel verschwinden. „Das hat ganz gut und schmerzlos funktioniert“, sagt Stockfleth.

 

Verschiedene Warzenarten

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  • Gewöhnliche Warzen: Diese harten Geschwülste haben eine raue Oberfläche und können erbsengroß werden. Sie treten an Fingern, Nagelrändern, Füßen, mitunter auch an Gesicht und auf der Kopfhaut auf.
  • Dornwarzen: Sie entstehen vor allem an Fußsohle und Ferse. Durch den Druck, dem sie ausgesetzt sind, sind sie flach und nach innen gedrückt. Beim Stehen und Gehen können sie Schmerzen bereiten.
  • Mosaikwarzen: Die weißen, stecknadelkopfgroßen Wucherungen sitzen meist an Fußballen oder Zehen und treten in Gruppen auf. Anders als Dornwarzen bereiten sie kaum Schmerzen.
  • Pinselwarzen: Sie sehen aus wie kleine Stacheln oder Fransen und bilden sich mit Vorliebe im Gesicht.
  • Flachwarzen: Die kleinen, flachen Gebilde haben meist eine ähnliche Farbe wie die Haut. Oft treten Dutzende von ihnen an einer Stelle, insbesondere an Gesicht oder Händen, auf. Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche.
  • Feigwarzen: Manchmal sind diese roten, braunen oder weißlichen Hautwucherungen nur so groß wie ein Stecknadelkopf, manchmal auch zentimetergroß. Sie wachsen einzeln oder in Gruppen im Genital- und Analbereich und werden sexuell übertragen.
  • Dellwarzen: Die kleinen Bläschen haben eine glatte Oberfläche und in der Mitte eine Delle. Sie sind mit einem rahmartigen Brei gefüllt. Eigentlich handelt es sich nicht um Warzen, sondern um eine Infektion mit dem hochansteckenden Molluscum-contagiosum-Virus. Betroffen sind insbesondere Kinder mit Neurodermitis.

Nicht ansteckende Hautwucherungen

  • „Alterswarzen“: Die bräunlich bis schwärzlichen Hautveränderungen bilden sich vor allem bei Menschen im mittleren und höheren Alter. Sie treten insbesondere am Oberkörper, im Gesicht sowie an Armen und Händen auf. Diese „seborrhoischen Keratosen“ sind in der Regel harmlos.
  • Knotige Muttermale: Die weichen, meist haut- bis fleischfarbenen Knötchen wachsen mit Vorliebe im Gesicht. Im Laufe der Jahre werden sie häufig etwas größer. „Dermale Naevi“ werden manchmal als hässlich empfunden, sind aber gutartig.
  • „Stielwarzen“: Die oft winzigen, weichen Hautlappen finden sich vor allem an Hals, Achselhöhlen und in der Leistengegend. Je älter ein Mensch, desto häufiger hat er solche Fibrome. Diese gestielten Tumore sind in der Regel harmlos.

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