Selbst ernannte „beste Band der Welt“

Die Ärzte sind wieder auf Tour – und stellen neues Album in Aussicht

Die Berliner Punkrock-Band Die Ärzte auf der Bühne des Open-Air-Musikfestivals „Jamel rockt den Förster“.

Die Berliner Punkrock-Band Die Ärzte auf der Bühne des Open-Air-Musikfestivals „Jamel rockt den Förster“.

Berlin/Hannover. Die Berliner Punkband Die Ärzte hat sich nach Jahren der Krise auch auf der Konzertbühne wiedergefunden. „Es fühlt sich sensationell an“, sagte Gitarrist Farin Urlaub der Deutschen Presse-Agentur in Berlin nach den ersten Auftritten. „Ich wollte ja nicht mehr, das hat sich dann sehr, sehr schnell erledigt“, sagte der 58-Jährige mit Blick auf die langjährige Krise in der Band. Bereits die beiden innerhalb eines Jahres veröffentlichten Erfolgsalben „Hell“ und „Dunkel“ galten als positive Zeichen. Bald also wieder ein neues Album? „Ich glaube nicht, dass es so lange dauert.“

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„Konzerte sind etwas, was uns extrem viel Spaß macht, was uns allen gefehlt hat. Und es ist eine der wenigen Sachen, die wir, glaube ich, auch können: uns einfach auf die Bühne stellen und Blödsinn machen“, sagte Farin Urlaub nach den ersten Konzerten der Berliner Club-Tour und mit Blick auf anstehende Auftritte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Spaß und Musik, das ungeschlagene Team. Also es ist wirklich so krass gut“, bestätigte Schlagzeuger Bela B (59). Er sei selten so aufgeregt gewesen wie vor dem ersten Konzert im „Schokoladen“ in Berlin. „Jedes Konzert ist auch ein individuelles Erlebnis für uns, nicht nur für das Publikum.“

Zur Stimmung in der Band, zu der auch noch Bassist Rodrigo González (53) gehört, sagte Farin Urlaub: „Es gibt ja seit Jahrzehnten so ein Auf und Ab bei uns. Wir sind drei verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Rhythmen, unterschiedlichen Erkrankungen, Privatleben, Stress, Haarlängen. Es gibt dann so Momente, wo das alles zusammenkommt, also wo wir drei uns wirklich so wie in diesen Superheldenfilmen an der Hand nehmen und dann kommt das helle Licht.“ In anderen Zeiten mache jeder für sich irgendwie was. „Das muss dann nicht unbedingt viel schlechter sein, aber es ist halt nicht so orgiastisch am Ende.“ Derzeit sei eine Phase, „wo wir alle drei das gleiche wollen und total Bock drauf haben“.

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<b>„Zwei, drei Monsterhits“ für große Bühnen</b>

Bela B sprach von einem neuen alten Die-Ärzte-Gefühl. „Es ist ein Enthusiasmus zu spüren, wie er ganz am Anfang mal war, als hätten wir die Band grad gegründet.“ Die Band freue sich auch über ein nachgewachsenes Publikum. „Wir sind ein bisschen stolz, dass das nach der langen Zeit immer noch klappt.“ Auf der Clubtour habe es „extrem wenige Nummer-Sicher-Songs“ gegeben. Viele Songs habe die Band weggelassen, die möglicherweise erwartet wurden. „Aber wir wollten nie unsere eigene Hitparade singen. Dann können wir aufhören. Wir sehen uns nach wie vor als aktuelle Band. Die neuen Songs von den beiden Alben kommen total gut an. Mittelfinger habe ich keine gesehen“, sagte Bela B.

Für die großen Bühnen baut die selbst ernannte „Beste Band der Welt“ weiter an der Setlist. „Zwei, drei Monsterhits werden vielleicht noch ins Programm genommen, die ja auch bei größerem Publikum besser funktionieren“, so Bela B.

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Bela B. ist Schlagzeuger und Gitarrist bei den Ärzten.

Dazu dürfte auch der Mega-Erfolg und Anti-Nazi-Song „Schrei nach Liebe“ zählen. Es ist eines der wenigen Lieder, die Bela B und Farin Urlaub gemeinsam geschrieben haben. „Ich gehe davon aus, dass wir "Schrei nach Liebe" spielen werden“, sagte Bela B. Auch Farin Urlaub ist „Schrei nach Liebe“ „einfach viel zu wichtig“. „Das ist nicht nur ein toller Song, sondern auch ein wichtiges Statement; ein Lied, in dem wir uns eindeutig positionieren. Mir persönlich liegt "Schrei nach Liebe" so am Herzen, dass wir es bei den großen Shows auf jeden Fall spielen werden.“

Könige der Improvisation

Ständigen Improvisationen und wechselnde Programme gehören zum Stil der Band. „Was uns auch ausmacht ist, dass wir uns treiben lassen, von unseren persönlichen Befindlichkeiten, von Gefühlen oder auch von dem, was rüberkommt vom Publikum“, sagte Bela B. „Ich bin die ganze Zeit offen für Einflüsse, während ich spiele. Das ist nicht immer so gut für einen Schlagzeuger. Bin ich abgelenkt, verspiele ich mich schon mal.“ Farin Urlaub ergänzte: „Unsere Crew wäre dankbar, wenn wir nicht improvisieren. Aber wenn wir uns das von vornherein verbieten würden, wäre es total langweilig.“

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Im vergangenen Jahr musste die Band noch coronabedingt eine ausverkaufte Tour zunächst verschieben und schließlich ganz absagen. Anfang Mai hatte sich das als Punkband gestartete Trio mit frenetisch gefeierten Konzert nach der Corona-Pause auf der Bühne zurückgemeldet. Die Konzerte sind ein Vorgeschmack auf die in Hannover beginnende Stadiontour mit 20 Auftritten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

RND/dpa

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