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Göttinger Händel-Festspiele

Glanzvolle Opernpremiere: „Arminio“ im Deutschen Theater

v.l.: Paul Hopwood (Varo), Christopher Lowrey (Armonio) und Anna Devin (Tusnelda) in „Arminio“

v.l.: Paul Hopwood (Varo), Christopher Lowrey (Armonio) und Anna Devin (Tusnelda) in „Arminio“

Göttingen. Lange Zeit galt die Oper „Arminio“ als eine eher schwache Leistung Händels. Zu seinen Lebzeiten wurde sie nur sechsmal gespielt, um 1935 nach fast 200-jähriger Pause in Leipzig erstmals wieder aufgeführt zu werden. 1997 kam sie in Nîmes heraus, vor zwei Jahren auch in Karlsruhe. Höchste Zeit also für Göttingen, sich dieses Werkes anzunehmen, in dem es um die Auseinandersetzung zwischen Römern und Germanen zur Zeit der Varusschlacht geht.

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Frauen als starke Persönlichkeiten

Als Regisseur verpflichteten die Händel-Festspiele Erich Sidler, den Intendanten des Deutschen Theaters Göttingen. Sidler hat sich intensiv mit dem Libretto auseinandergesetzt und Züge der Handlung herausgearbeitet, die bei oberflächlicher Lektüre leicht übersehen werden. Dass hier vor allem Frauen die starken Persönlichkeiten sind, tritt dank Sidlers Personenführung und dank der hohen darstellerischen Qualitäten des Ensembles sehr deutlich hervor.

Das Ensemble.

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Die Geschichte verlegt er in die jüngere Vergangenheit. Also gibt es keine barocke Kostümpracht samt allen historischen Theaterillusionen, sondern ein schmuckloses Bild (Dirk Becker) und eher alltägliche Kleidung, gegen die einzig die weiße Prachtuniform Arminios (Kostüme: Renée Listerdahl) kontrastiert. Erst sind noch Reste von römischem Luxus sichtbar, die dann aber peu à peu schwinden. Im ersten Akt hängen zwei barocke Kronleuchter über der Bühne, im zweiten nur noch einer, am Ende sind es nur nackte Scheinwerfer. In dieses Umfeld will auch das übliche Happy End der Barockoper nicht passen. Zwar schreibt Sidler das Libretto nicht um – Arminio verzeiht dem verräterischen Segeste, statt ihn zu töten, und alle Paare, deren Liebe zuvor bedroht war, finden zusammen. Doch deutet sich hier schon an, dass die Bereitschaft zu Hass und Gewalt aufseiten der Germanen nicht etwa kleiner ist als die der bösen, nun besiegten Römer. Ob es notwendig ist, die latente Gewaltbereitschaft immer wieder mit drohenden Revolverläufen überdeutlich zu illustrieren, sei dahingestellt.

Sophie Junker: Atemberaubend koloraturenfreudig

Stark sind die Frauen in dieser Oper nicht nur als Motoren der Handlung, sie dominieren auch musikalisch. Da ist der samtene, gleichwohl enorm kraftvolle und wunderbar bewegliche Sopran von Anna Devin (Tusnelda), die mit ihren hauchzarten Pianopassagen die Hörer nachhaltig zu verzaubern vermag. Dagegen setzt Sophie Junker (Sigismondo) mit ihrem hell-klaren Timbre, den federleichten Höhen und ihrer atemberaubenden Koloraturenfreudigkeit eine zweite, nicht minder schöne Farbe. Anscheinend unerschöpfliche Kraft und eine überwältigend volle Tiefe bietet die Altistin Helena Rasker (Ramise).

Weitere Aufführungen

Weitere Aufführungen am Dienstag, 15., und Donnerstag, 17. Mai, um 19 Uhr, am Sonntag, 20. Mai, um 17 Uhr und am Montag, 21. Mai, um 16 Uhr im Deutschen Theater.

Eine Familienfassung der Oper steht am Montag, 21. Mai, um 12 Uhr im Deutschen Theater auf dem Programm.

„Arminio“ als Public Viewing ist am Donnerstag, 17. Mai, um 19 Uhr in der Lokhalle angesetzt.

Eine Aufzeichnung der Premiere wird am Sonnabend, 19. Mai, um 19.05 Uhr von Deutschlandfunk Kultur gesendet.

Es ist nicht leicht für die Männer im Ensemble, sich gegen diese Frauenpower zu behaupten. Die beiden Countertenöre müssen dies sogar in der weiblichen Stimmlage leisten. Zum Glück hat Christopher Lowrey (Arminio) eine Menge solcher Qualitäten zu bieten, sein Timbre hat eine bewegende Weichheit, aus der heraus er sich aber auch zu eindrucksvollen dynamischen Höhepunkten steigern kann. Sehr flexibel und koloraturensicher ist der hochvirtuose Countertenor Owen Williams. Als einziger Tenor im Ensemble gestaltete Paul Hopwood (Varo) seine Partie tadellos, wenn auch nicht besonders glanzvoll. Der stimmgewaltige Bassist Cody Quattlebaum verblüffte das Publikum mit geradezu abgrundtiefen Tönen.

Christopher Lowrey (Arminio), umarmt von Anna Devin (Tusnelda)

Christopher Lowrey (Arminio), umarmt von Anna Devin (Tusnelda)

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Laurence Cummings: Elastisch und gefühlsstark

Die Instrumentalisten des Festspiel-Orchesters Göttingen lieferten eine prachtvolle Leistung, sowohl die leicht und beschwingt musizierenden Streicher als auch die sehr farbig eingesetzten Bläser mit ihren feinen Soli. Nicht selten lässt Händel die Instrumente mit den Singstimmen duettieren – das taten sie stets auf Augenhöhe. Laurence Cummings am Dirigentenpult sorgte für Spannung, Elastizität und tänzerischen Duktus ebenso wie für tief empfundene, gefühlsstarke Passagen. Immer wieder machte sich die Begeisterung des Publikums im ausverkauften Deutschen Theater mit Szenenapplaus Luft, um sich am Ende in minutenlangem lautstarkem Applaus zu entladen.

Tickets für das Galakonzert

Das Tageblatt verlost für das Galakonzert am Sonnabend, 19. Mai, dreimal zwei Eintrittskarten. Das Konzert beginnt um 19 Uhr in der Stadthalle Göttingen. Wer zwei Eintrittskarten gewinnen möchte, kann am Dienstag, 15. Mai, unter Telefon 0137/  86 00 273 anrufen in der Zeit zwischen 8 Uhr und 20 Uhr, und deutlich seinen Namen, Anschrift und Telefonnummer sowie das Stichwort „Galakonzert“ auf Band sprechen. (0,50 Euro pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden telefonisch informiert und ihre Namen können im Tageblatt veröffentlicht werden.

Von Michael Schäfer

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