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Wallstein-Verlag

Göttinger Verlag entdeckt Friedo Lampe neu

Lesung im Literarischen Zentrum: Thedel von Wallmoden (li.) und Thomas Ehrsam.

Lesung im Literarischen Zentrum: Thedel von Wallmoden (li.) und Thomas Ehrsam.

Göttingen.Das Leben meinte es nicht immer gut mit Lampe. Vor allem der Literaturbetrieb ließ in nicht herein, wenn auch eigentlich nicht willentlich. Sein erstes Buch „Am Rande der Nacht“ erschien 1933 und wurde umgehend von den Nationalsozialisten verboten, berichtete Ehrsam. Politisch hatte sich der Autor nicht im Ton vergriffen, denn er sei ein eher unpolitischer Mensch gewesen. Was den rechten Machthabern nicht passte, waren sexuelle nicht opportune Anspielungen, die Lampe in die Geschichte eingebaut hatte. Von einem alternden Boxer hatte er geschrieben, der einen jungen Mann erobern wollte, von diesem aber angewiesen wurde und ihn dann fürchterlich zusammengeschlagen hatte. Zum anderen taucht eine weiße Frau auf, die sich körperlich von einem farbigen Mann angezogen fühlt. „Für die damalige Zeit ein Ding der Unmöglichkeit“, sagte Ehrsam.

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Erschossen vor dem Erscheinen des Buches

Lampes zweites Buch „Septembergewitter“ erschien 1937 „kurz vor Weihnachten“, so Ehrsam. Im Festtrubel sei das Werk untergegangen. Sein drittes Buch, der Sammelband „Von Tür zu Tür. Zehn Geschichten und eine“, der 1944 erschien, wurde aufgrund der Kriegswirren kaum beachtet. „Ich habe eben immer Pech mit meinen Büchern“, soll Lampe gesagt haben. Als das Buch 1946 neu aufgelegt wurde, war der Autor bereits tot. Kurz vor der Kapitulation Deutschlands starb Lampe. Er sei in Kleinmachnow bei Berlin, wo er damals wohnte, von einer russischen Patrouille angehalten worden. Weil er in den Kriegszeiten viel abgenommen hatte, hätte ihn die Soldaten auf dem Bild in seinem Wehrpass nicht erkannt und ihn für einen SS-Mann gehalten. Sie erschossen Lampe kurzerhand.

Ehrsam schilderte Lampes Vita, die ihn als sehr belesenen Lektor verschiedener Verlage ausweist. Seine Homosexualität sei allgemein bekannt gewesen, doch sei nie darüber gesprochen worden. Auch von einer Erpressung durch einen Stricher habe ihnen ein Verleger erzählt, der mit Lektor Lampe zusammengearbeitet hatte. Mit dem Geld des vermögenden Verleger-Vaters sei das Problem aus der Welt geschafft worden, sagte Ehrsam.

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Das Filmische im Schreiben

„Das Werk ist modern, es ist avantgardistisch“, erklärte Ehrsam. Ein Kennzeichen seines Schreibens sei das Filmische. Und: „Seine Romane kennen keine Helden – einmalig in der deutschen Literatur.“ Der Einfluss einiger US-amerikanischer Autoren wie Ernest Hemingway sei spürbar, aber auch seiner Väter-Generation in Deutschland.

Dem magischen Realismus sei das Schaffen Lampes zuzuordnen, meint Ehrsam, einem „Realismus, der nicht beim Beschreiben bleibt, sondern Mehrwert liefern will“. Sinnzusammenhänge hinter den Dingen sollten spürbar werden. Der Tod sei in Lampes Geschichten allgegenwärtig, „das Dämonische nicht fern“. Allerdings ordnet Ehrsam Lampe auch „Biedermeierliches“ bei.

„Erotisch grundiert“

Wallmoden, Chef des Wallstein-Verlages, las einige Passagen aus Lampe-Werken, die Ehrsam als "extrem sinnliche Prosa" schätzt, erotisch grundiert". Atmosphärisch sehr dicht beschreibt Lampe darin das Leben in einem Stadtviertel, es könnte eine Gegend in Bremen sein, Lampes Heimatstadt. Aus Briefen las Ehrsam schließlich noch vor. ",Von Tür zu Tür' wird Anfang April erscheinen", hatte Lampe in seinem letzten privaten Brief, adressiert an seinen Freund Johannes Pfeifer, geschrieben, "es passt gar nicht mehr in die Zeit in seiner Märchenhaftigkeit."

Von Peter Krüger-Lenz

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