Starke Theater-Theater-Geschichte

Im Jungen Theater hat das Stück „Abriss“ Premiere

Team der „Abriss“- Produktion: Tobias Sosinka, Agnes Giese, Victoria Valerie Montero, Christina Rohde, Hannah Landes,

Team der „Abriss“- Produktion: Tobias Sosinka, Agnes Giese, Victoria Valerie Montero, Christina Rohde, Hannah Landes,

Göttingen. „Abriss“, das Stück des spanischen Autors José Sanchis Sinisterra hat am Freitag, 22. Februar, in der Inszenierung von Victoria Valerie Montero im Jungen Theater Premiere.

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Sinisterras Stück spielt in der 1990er Jahren, 20 Jahre nach dem Ende der Franco-Diktatur in Spanien. Das Theater soll abgerissen werden, einem Parkhaus weichen. Für Priscilla und Natalia steht damit ihre Existenz auf dem Spiel. Seit vor 20 Jahren der Theaterdirektor auf mysteriöse Weise gestorben ist, leben und streiten seine Witwe (Priscilla) und seine Geliebte (Natalia) in dem alten Theater. Als der Abriss droht, erinnern sie sich an das Stück, das damals gespielt werden sollte, als der Direktor seinen Unfall –oder war es Mord? – hatte.

Dieses Stück, so denken sie, muss ja regimekritisch, politisch-brisant gewesen sein. „Sie intensivieren die Suche nach dem Stück“ sagt Montero. Sie suchen in den Archiven, in all den Requisiten, Kostümen und Unterlagen. Und fragen sich doch, ob sie es überhaupt aufführen sollen, ob es den Untergang verhindern wird, so Montero. Agnes Giese und Christina Rohde spielen die beiden Theaterdamen, wie sie schwanken zwischen Aufbruch, Erinnerungen und alten Verletzungen.

Es sei ein vielschichtiges Theaterstück, sagt die Regisseurin. Seit der Spielzeit 2017/2018 ist Montero als Regieassistentin am JT, „Abriss“ ist ihr Debüt als Regisseurin. Es gehe zum einen um die Beziehung der beiden Frauen. „Sie führen so etwas wie eine Ehe“, so Montero. Sie hassen sich, streiten – auch natürlich um den Platz, den sie im Leben des Theaterdirektors eingenommen haben. Aber sie lieben sich auch, schützen sich und können ohne die andere nicht leben. Der Abriss sei ein traumatisches Erlebnis für die beiden.

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Andererseits gehe es in dem Stück aber auch darum, Erinnerungen zu hinterfragen. Wie verändern sie sich mit der Zeit? Was bringen sie heute noch?Und natürlich um den Hintergrund Diktatur und die Frage, was politisches Theater noch könne, ob es noch relevant ist. Es sei schön, dieses Theaterstück im JT zu spielen, das ja auch immer mal wieder vor der Insolvenz gestanden habe und von vielen engagierten Leuten gerettet wurde, so Montero.

„Abriss“ passt zum Umzug des JT

"Ich wollte das schon immer spielen lassen, auf all meinen Theaterstationen", erzählt JT-Geschäftsführer Tobias Sosinka, der die Dramaturgie für "Abriss" übernommen hat. Jetzt passe das Stück mit all seinen Anspielungen auf das alte Theaterhaus des JT, das ab dem Herbst renoviert wird. Und natürlich zum Umzug des JT in die vorübergehende Spielstätte in der ehemaligen Voigt-Realschule. Hannah Landes, die für die Ausstattung zuständig ist, findet es spannend, dass in dieser Produktion einmal die Ecken ausgeleuchtet werden, die sie sonst immer wegleuchten muss. Das alte Haus in der Hospitalstraße erkennbar sein dürfe.

Er schätze eine ironische Wendung im dem Spiel. Als die beiden Frauen das Stück endlich finden, ist der Inhalt ganz anders als gedacht, ergänzt Sosinka. „Wer hat da in den 70er-Jahren dieses Theater hintertrieben?“ Das müssen sich die Priscilla und Natalia auf einmal fragen. Für den Tod des Direktors können Francos Schergen aber auch die militanten Linken verantwortlich gewesen sein. „Abriss ist eine starke Theater-im-Theatergeschichte“, so Sosinka.

Informationen

Karten für die Premiere am Freitag, 22. Februar, um 20 Uhr gibt es unter der Telefonnummer 0551 /495015 oder per Mail an kasse@junges-theater.de.

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Von Christiane Böhm

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