Zum Tod des Foo-Fighters-Schlagzeugers

Trauer um den Gott der Trommeln: Taylor Hawkins stirbt mit 50 Jahren

Sympathieträger mit Surferoptik: Taylor Hawkins, Schlagzeuger der Foo Fighters (hier 2018 bei V Festival im Hylands Park von Chelmsford, Essex) wurde am Freitag in seinem Hotel in Bogita tot aufgefunden. Die Rockwelt trauert.

„Könnt ihr mir jemanden zum Lieben finden?“, fragte Taylor Hawkins das Publikum am 20. März im Hippodrom von San Isidro beim argentinischen Lollapalooza-Festival. Der grandiose Rock‘n‘Roll-Schlagzeuger der Foo Fighters verließ sein Schlagzeug und ging nach vorn an die Rampe. Um Queen Tribut zu zollen, der ersten Band, die er je live gesehen hatte, 1982 während ihrer „Hot Space“-Tour. Sänger Dave Grohl wechselte dafür auf seine alte Nirvana-Position an die Felle und Becken und schraubte ein Drumsolo in den Song, bevor Hawkins im Duett mit einer Backgroundsängerin die bombastische Hymne zu Ende brachte. Begeistert feierte das Publikum den Sänger mit den blonden, wehenden Haaren.

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Es war sein letzter Auftritt. Taylor Hawkins ist tot, der Musiker wurde in seinem Bett im Casa-Medina-Hotel in Bogota aufgefunden, gestorben „on the road“ mit 50 Jahren, unter noch unklaren Umständen. Nach ersten Berichten hatte Hawkins, der verheiratet war und drei Kinder hinterlässt, zuvor über Schmerzen in der Brust geklagt. Die Mitteilung von seinem Tod kam von der Band. Noch in seinem letzten Konzert hatte Hawkins seiner Liebe zu den Foo Fighters, speziell zu ihrem Chef Worte gegeben: „Ich liebe Dave Grohl, verdammt“, hatte er gesagt. „Gäbe es Dave Grohl nicht, würde ich Pizzen ausliefern. Gäbe es Dave Grohl nicht, würde ich die Schlagzeugabteilung in irgendeinem Gitarrencenter leiten.“

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„Es ist schwer nach Taylor Hawkins zu spielen, denn er ist der Beste in der verdammten Welt“, lobte Grohl seinen Schlagzeuger direkt nach dessen Gesangseinlage. Er ließ das donnernde „All My Life“ folgen und Hawkins ließ seine Stöcke tanzen. Der Auftritt war eine Show voller Höhepunkte – einer wie man sie eigentlich verlässlich bekam von dieser vielseitigen Band, einer der intensivsten Rock‘n‘Roll-Kapellen überhaupt. Eine Show, wie man sie im kommenden Sommer auch bei uns zu erleben hoffte.

Hawkins wollte ein echtes Bandmitglied sein, kein Tourmusiker

Grohl hatte den gebürtigen Texaner Hawkins, der im kalifornischen Laguna Beach aufwuchs 1997 von Alanis Morissette abgeworben. Der damals 25-Jährige, stark inspiriert von britischen „Kollegen“ wie Stewart Copeland, Phil Collins und Queens Roger Taylor, sagte damals – für Grohl unerwartet – zu. Zwar war Morrissette damals der bekanntere Act, aber Hawkins wollte nicht weiter Begleitmusiker eines Künstlers sein, sondern ein echtes Bandgefühl haben, die Gemeinschaft, wie er sie in seinem frühen Progrockprojekt Sylvia erlebt hatte.

Dafür bot er den Foo Fighters ein komplexes und knalliges Spiel. Er konnte die Felle dreschen, verstand sich aber auch auf filigranes, jazziges Spiel. und galt bald schon als einer der besten der Zunft. Und die Foo Fighters wirkten fortan auch wie eine verschworene Einheit voller Respekt füreinander – in Hawkins‘ freundschaftlichen Drumduellen mit Dave Grohl oder wenn er Creams „I Feel Free“ coverte, Pink Floyds „Have a Cigar“ sang oder Joe Walshs „Life on Illusion“. Seit dem Album „There Is Nothing Left to Lose“ (1999) war Hawkins auch als Songwriter am Output beteiligt. An vielen Seitenprojekten war Hawkins zudem beteiligt. 2021 gründete er mit Dave Navarro und Chris Chaney von Jane‘s Addiction die Supergruppe NHC – ein Projekt, das er selbst „zwischen Rush und den Faces“ ansiedelte. Das 2021 eingespielte Debütalbum wird in diesem Jahr erscheinen – postum.

Die Welt trauert um Taylor Hawkins: Der Foo-Fighters-Schlagzeuger wurde tot in seinem Tourhotel in Bogota aufgefunden.

Die Welt trauert um Taylor Hawkins: Der Foo-Fighters-Schlagzeuger wurde tot in seinem Tourhotel in Bogota aufgefunden.

Gesundheitsprobleme wurden aus den Anfangsjahren mit den Foo Fighters berichtet. Hawkins litt damals an Bühnenangst, die er mit Alkohol und Drogen zu bekämpfen suchte. Nach einer Überdosis Heroin befand er sich 2001 zwei Wochen lang im Koma. „Jemand hat mir das falsche Zeug gegeben“, sagte er damals und gestand, es mit dem Feiern übertrieben zu haben. Eine Lehre werde ihm das sein, sagte er damals. Bei einer ersten gerichtsmedizinischen Untersuchung wurden nun laut kolumbianischer Staatsanwaltschaft in seinem Körper nun zehn verschiedene Substanzen festgestellt, darunter THC (Marihuana), Antidepressiva und Opioide. Tragisches Ende eines sympathischen Musikers mit ansteckendem Lachen, der ganz eindeutig „somebody to love“ war.

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Von Queens Brian May kam ein sehr persönlicher Trauergruß

Zu Queen standen die Foo Fighters und speziell Hawkins in einem besonderen Verhältnis. In einem Essay hatte Hawkins die britische Band als große Inspiration bezeichnet. 33-mal hatten die Foo Fighters mit Hawkins am Mikro „Somebody to Love“ performt. Wohl wegen des Queen-Schlagzeugers zog Hawkins seinen zweiten Vornamen Taylor an die Stelle des ersten – Oliver. Die Foo Fighters waren es gewesen, die Queen 2001 in die Rock‘n‘Roll-Hall-of-Fame eingeführt und dabei „We Will Rock You“ und „Tie Your Mother Down“ zusammen gespielt.

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Und so kam eine der persönlichsten Traueradressen von Queen-Gitarrist Brian May: „Das kann nicht sein. Mit gebrochenem Herzen. Taylor, du warst Familie für uns – unser Freund, unser Bruder, unser geliebtes Kind. Gott segne dich. Wir werden dich so sehr vermissen. Bri.“

Am Abend des Todestages war ein Konzert der Foo Fighters in der kolumbianischen Hauptstadt geplant. Die Bühne des Estéreo Picnic Festival von Bogota wurde am Freitagabend stattdessen von Kerzen erleuchtet „Taylor Hawkins por siempre – Taylor Hawkins für immer“ stand in riesigen Lettern zu lesen. So trauert der Rock‘n‘Roll.

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