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Eco-Bus-Modellprojekt

Am Anfang stand der Rufbus

Göttingen/Bad Gandersheim. Die Landesregierung hat ein großes Interesse daran, das Projekt voranzubringen. Im Kern geht es darum, im Flächenland Niedersachsen für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) ein qualitativ gutes und dabei flexibles Beförderungsangebot vorzuhalten. Bislang ließ sich das nur mit unvertretbar hohen Subventionen erreichen, sagen die Entwickler vom Göttinger MPI. Viele Busse führen dann leer durch die Gegend. Und auch die herkömmlichen Anrufbus-Systeme litten häufig unter einer mangelnden Auslastung, die schnurstracks in die Unrentabilität führe.

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Langfristig Pkw ersetzen

Die Basis des „Eco-Bus“ ist zwar die klassische Rufbus-Idee, die Unterschiede dazu sind jedoch groß. Der vom MPI für Dynamik und Selbstorganisation entwickelte Algorithmus zur Eco-Bus-Betriebsorganisation weist die Fahrtanfragen einem der Fahrzeuge so zu, dass verschiedene Fahrtwünsche mit ähnlichem Start und Ziel kombiniert werden können. Sogenannte klassische analoge Anrufbus-Systeme sind hingegen starr und „vergleichsweise unrentabel, weil durchschnittlich nur wenige Fahrgäste pro Bus transportiert werden“, erklärt das Göttinger MPI.

Die Aufgabe des Instituts: Grundlagenforschung zu einer flexibleren öffentlichen Mobilität und dabei die Auslastung der eingesetzten Verkehrsmittel durch ein differenzierteres Angebot deutlich zu erhöhen. „Wir erforschen die Grundlagen einer neuen Ära der Mobilität und hoffen, mit unseren Arbeiten dazu beizutragen, das der Privat-Pkw als Massenbeförderungsmittel bald der Vergangenheit angehören wird“, so der hohe Anspruch der Forscher.

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Teure Taxis, starre Busse

Taxis fahren nach Bedarf von Tür zu Tür, sind aber ziemlich teuer. Linienbusse fahren nach einem bestimmten Fahrplan vorgegebene Strecken und transportieren mehrere Fahrgäste gleichzeitig. Der „Eco-Bus“-Fahrgast hingegen muss sich nicht an Linien oder Fahrpläne halten, weil dieser Bus alle Fahrtanfragen im Bediengebiet zu jeder gewünschten Zeit während der Betriebszeiten berücksichtigt: Fahrgäste werden an jedem gewünschten Ort abgeholt und umsteigefrei ans Ziel gebracht. „Die Kunden“, erklärt Ute Reuter-Tonn vom Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN), „sind selbst die Haltestelle.“

Das Konzept sieht vor, dass flexibel eingesetzte Kleinbusse mit anderen Verkehrsträgern wie Linienbussen, Bahnen oder Taxis kombiniert werden. Nutzer sollen auch in entlegeneren Gegenden Fahrten buchen und ohne lange Wartezeiten und zum Preis eines Bustickets an ihr Ziel kommen können. EcoBus soll die Vorteile aus beidem vereinen und bietet einen Tür-zu- Tür Service mit mehreren Fahrgästen an Bord, die zu ähnlichen Zeiten in ähnliche Richtungen wollen. Idealerweise sollen von der öffentlichen Hand zudem Mobilitätsbüros eingerichtet werden, bei denen Fahrgäste neben allgemeinen Auskünften zum ÖPNV auch spezielle Fragen zu Eco-Bus-Stellen stellen und Fahrten buchen können.

Dass sich die Landesregierung viel vom Projekt Eco-Bus verspricht, will Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Sonnabend persönlich demonstrieren: Er will morgens einen Eco-Bus für den Fahrtantritt am Kloster Brunshausen bestellen, um sich dann nach Bad Gandersheim chauffieren zu lassen.

Von Matthias Heinzel

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