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Ausflugstipp in der Region

Nachdenken und erinnern: Pfad der Menschenrechte und Friedwald an der Burg Plesse

Natur erleben und seinen Gedanken nachgehen: Das ist auf dem Pfad der Menschenrechte in der Nähe der Burg Plesse möglich.

Natur erleben und seinen Gedanken nachgehen: Das ist auf dem Pfad der Menschenrechte in der Nähe der Burg Plesse möglich.

Bovenden.„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ „Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“ „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.“

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Kommen Ihnen diese Artikel bekannt vor? Vielleicht nicht im Wortlaut, aber dem Sinn nach? Sie stammen aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Was das mit unseren Tipps für Wanderungen und Radtouren in der Region zu tun hat? Viel. Denn heute begeben wir uns auf den Pfad der Menschenrechte. Eine nachdenkliche Tour rund um die Burg Plesse.

Immerhin trägt der rund zehn Kilometer lange Spaziergang dem Flyer zufolge – er kann während der Tour an einer Informationsstation mitgenommen werden – den Beinamen „Rundwanderweg der Besinnung“. Der Untertitel trifft es: Unterwegs sind 16 Tafeln aufgebaut, die in verkürzter Form die Artikel der Menschenrechtserklärung zitieren.

Doch von Anfang an: Wir starten am Wanderparkplatz an der Burg Plesse. Dort befindet sich auch der „Eingang“ zum Friedwald, einem Wald, in dem sich auf einer Fläche von rund 48 Hektar naturnahe Bestattungsstätten befinden. Es ist ruhig an diesem Morgen, trotzdem stellt sich nicht das Gefühl eines Friedhofbesuchs ein: Hier und da gehen Menschen mit ihren Hunden spazieren, auf Ruhebänken sitzen andere und unterhalten sich. „Friedwald“ ist ein sehr passender Begriff für diesen Ort, finden wir. Friedlich liegt der Ort da, aber keineswegs traurig. Die Sonne scheint zwischen den Bäumen hindurch. Buche, Berg-, Feld- und Spitzahorn, Linde und Eibe sind vertreten, die Vögel zwitschern.

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Trotz eines zunächst mulmigen Gefühls, als wir den befestigten Weg verlassen, nähern wir uns einer Baumgruppe und betrachten die Ruheorte für verstorbene Menschen: Obwohl die Gräber weder Schmuck noch Stein haben, spiegeln sie Persönlichkeit wider. Jeder Baum hat seine Eigenarten, die Umgebung ist individuell. Außerdem haben sich die Angehörigen für die kleinen Plaketten, die an ihre Familienangehörigen oder Freunde erinnern, offenbar Gedanken gemacht: Soll der volle Name erwähnt werden, vielleicht nur der Vorname, ein Kosename? Sogar kleine Piktogramme sind eingeprägt, die an Beruf oder Hobby des Menschen erinnern, der hier begraben liegt.

Zehn Kilometer Zeit für Gedanken und Gespräche

Nahezu automatisch geschieht, was diesen Weg auf den gesamten zehn Kilometern ausmachen wird: Es entwickeln sich Gedanken und – in Begleitung – ein Gespräch. Die ruhige Atmosphäre und angenehme Aufenthaltsorte wie der Andachtsplatz und die Bänke an den Aussichtsplätzen tragen zusätzlich dazu bei, dass wir uns Zeit nehmen, die Hektik des Alltags hinter uns zu lassen, den Weg, der bis auf eine Steigung am Schluss eben verläuft, gemächlich zu wandern.

Unterwegs beschäftigen wir uns mit den Informationen, die uns zuteil werden: Wir erfahren, dass der Pfad 2010 von den Amnesty-Gruppen Bovenden und Göttingen in Zusammenarbeit mit dem Forstamt Reinhausen eröffnet wurde und seitdem auch geführte Wanderungen und Radtouren angeboten werden.

Baumreihe „gegen das Vergessen“

Zum zehnten Geburtstag, der coronabedingt in kleinem Rahmen begangen werden musste, wurde die Baumreihe „gegen das Vergessen“ fortgeführt, indem eine Elsbeere in den Hof der Plesseburg gepflanzt wurde. Diese Reihe seltener Bäume führt von Bovenden jetzt bis hinauf zur Burg Plesse. Diese Bäume sollen an die Menschen erinnern, die von Menschenrechtsverletzungen betroffen sind. Außerdem erfahren wir, dass sich in der Nähe des Menschenrechtspfades bei der Tafel zu den Artikeln 13/14 (Auswanderungsfreiheit und Asylrecht) ein anonymes Grab mit einem kleinen Eisenkreuz befindet. Es soll sich um die Grabstätte eines russischen Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg handeln, der sich 1920 an dieser Stelle das Leben genommen haben soll. Sein Grab werde seither von Familien aus der Gegend gepflegt.

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Eine spektakuläre Aussicht bietet sich von der Burg Plesse aus.

Eine spektakuläre Aussicht bietet sich von der Burg Plesse aus.

Vorbei an der Wagenhoff-Eiche durch die Billingshäuser Schlucht und weiter mit Blick auf die Nikolausberger Warte führt uns der Weg wieder zurück zum Ausgangspunkt. Von dort aus nehmen wir die Gelegenheit wahr, der Burg Plesse einen Besuch abzustatten – und einen Blick über das beeindruckende Panorama zu erleben, das sich von dort aus eröffnet, bevor wir den Rückweg mit bewegenden Eindrücken und vielen Gedanken im Kopf antreten.

Tipp: Die Burg Plesse

Zum Abschluss lohnt sich ein Besuch der Burg Plesse.

Zum Abschluss lohnt sich ein Besuch der Burg Plesse.

Was für ein Gemäuer, was für eine Aussicht! Die Burg Plesse gehört sicher zu den schönsten Ausflugsorten in der Region. 1015 erstmals urkundlich erwähnt, wurde sie ab etwa 1150 Sitz der Herren von Höckelheim, die sich fortan „von Plesse“ nannten. Mehr als 400 Jahre lang war die Burg ihr Wohnsitz, Verwaltungs- und Herrschaftszentrum. Damit begann eine wechselvolle Geschichte, um 1660 war die Burg schließlich dem Verfall preisgegeben – aus dieser Zeit ranken sich Sagen und Spukgeschichten um die Ruine. Ab etwa 1760 erfährt die Ruine neues Interesse und Leben – als Ausflugsziel für Göttinger und die Angehörigen der Universität. Einige Jahre später greift zudem der Denkmalschutz ein, um die Ruine vor weiterem Verfall zu bewahren. So wird beispielsweise der „Kleine Turm“ gesichert. Eine ausführliche Restaurierung begann um 1853, eine weitere, bei der auch der Gewölbekeller freigelegt wurde, im Jahr 1980. 2005 wurde das Restaurant wieder geöffnet. Die Burgschänke ist nach einer Corona-Pause seit dem 1. April 2022 wieder an den Wochenenden geöffnet. Freitags von 12 bis 20.30 Uhr und sonnabends und sonntags von 11.30 bis 20.30 Uhr kann dort eingekehrt werden.

Tipp: Führung durch den Friedwald

Die Friedwald-Förster bieten regelmäßig an den Wochenenden Führungen durch den Friedwald Burg Plesse an. Bei den Spaziergängen lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Wald als Ort der letzten Ruhe kennen und erfahren unter anderem, welche Bäume als Grabstätten zur Verfügung stehen. Die Führung dauert etwa eine Stunde. Treffpunkt ist der Parkplatz am Friedwald, Anfahrt über Plesseburg, Plessestrasse, Eddigehausen. Eine Anmeldung ist erforderlich: online unter friedwald.de/burg-plesse, per Telefon 0 61 55/ 84 81 00.

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